KONSUMENT.AT - Tattoo- und Piercingstudios im Beratungstest - Reaktionen nach dem Test

Tattoo- und Piercingstudios im Beratungstest

Das geht unter die Haut

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Konsument 5/2009 veröffentlicht: 21.04.2009

Inhalt

Schriftliche Stellungnahmen 

Wir haben alle Studios, die mit der Bewertung „nicht zufriedenstellend“ abgeschnitten hatten (1 Tattoostudio, 3 Piercingstudios), um eine schriftliche Stellungnahme gebeten. Bis Redak­tionsschluss erreichte uns eine Reaktion:

Shockin' City Tattoo

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Testpersonen,

Ich habe von Ihnen einen sehr überraschenden Brief erhalten, laut dessen eine Testperson meinem Piercingstudio eine nicht zufriedenstellende Bewertung  gegeben haben soll. Da ich gerade zu dieser Zeit meine Ölbilderausstellung in Frankfurt am Main organisiert habe und daher nicht in Wien war, kommt meine Antwort ein wenig spät.

Ich gestehe (mit einem gewissen Stolz), dass bei mir typische Kunden, Konsumenten und Klienten nicht gerne gesehen werden, da ich sie als Missbildung der modernen Gesellschaft betrachte, daher kann es schon vorkommen, dass einige Menschen mit allzu kommerziellen Einstellung aus meinem Studio schlicht raus gebeten werden, bzw. durch ein gezieltes Wortgefecht selber auf die Gedanken gelenkt werden, dass mein Studio nicht das richtige für sie ist. Dieses Verfahren erlaubt es mir nur die Menschen zu bedienen, die es in meinen Augen würdig sind, meine Höchstleistung zu bekommen. Ich toleriere keinerlei Massenanfertigung und kann in dem Sinne meine „Kunden“ nicht als solche bezeichnen. Ich würde sie eher Gourmets im Bereich Piercen und Tätowieren nennen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich unter den ausgewiesenen typischen Klienten auch Ihre Testperson befand, die dadurch zu falschen Eindrücken verleitet werden konnte.

Ich kann mir jedoch bei bestem Willen nicht erklären, wie eure Testperson zu ihren absurden Schlussfolgerungen gelangt ist, betreffend das Thema Beratung und Hygiene, wenn sie sich tatsächlich bei mir piercen lassen hat, weil wenn ein Kunde den Wunsch äußert, sich bei mir piercen zu lassen, wird er vor diesem Vorgang über alles Mögliche ausführlich aufgeklärt, worauf er auch eine Erklärung zu unterschreiben kriegt, in der er mit seiner Unterschrift sein Alter bestätigt und dass er alles, was die Kontraindikationen und Pflege betrifft, verstanden hat. Sie müssen jedoch verstehen, dass in mein Geschäft sehr viele Menschen kommen, die keine Absicht haben, sich piercen zu lassen.

Ich biete auch das Tätowieren an, wofür mein Studio weltweit bekannt ist, und wenn ich keine Tattoo-Termine habe, male ich an meinen Ölbildern. Aus dem Grund kommen viele Leute hinein, die sich einfach nur umschauen oder meine Ölgemälden betrachten möchten und sich nicht wirklich fürs Piercen interessieren. Ich kann nicht jeden einzelnen über das gesamte Thema Piercing aufklären, sonst käme ich nicht mehr zu anderen Sachen, deshalb erfolgt die ausführliche Aufklärung erst auf den ausdrücklichen Wunsch des Kunden, sich hier und jetzt piercen zu lassen. Während es gemalt wird, kann natürlich der falsche Eindruck über mangelnde Hygiene entstehen, der aber weit verfehlt ist, denn in der Piercing-Ecke wird direkt vor dem Eingriff und vor den Augen der Kunden alles desinfiziert und aufbereitet.

Gerade punkto Hygiene und Kundenaufklärung wird bei mir sehr viel Wert darauf gelegt, was auch das unabhängige Institut für Hygiene und Mikrobiologie Hygienicum Ihnen gerne bestätigen kann. Ich lege Ihnen Kopien der letzten Betriebshygieneüberprüfung bei, damit Sie sehen, wie falsch und ungerecht die Beurteilung Ihrer Testpersonen werden kann. Sie sollten vielleicht besser an dem Testverfahren arbeiten, sonst können Sie für ganze Jahre vielen Betrieben schaden, die ihre Arbeit immer gewissenhaft geleistet haben.

Wenn der „Konsument“ tatsächlich Wert darauf legt, dass die Ergebnisse der Betriebstests auch der Wahrheit entsprechen, sollte euer Testverfahren geändert werden. Anstatt sich an Testpersonen mit gestörten Wahrnehmung zu verlassen, könnte ich ihnen fachmännische Hilfe und Tipps anbieten, die das Testverfahren glaubwürdiger gestalten würden. Ich weiß Ihre gute Absichten zu schätzen, auch wenn sich das Endergebnis für den Konsumenten anscheinend oft alles andere als nützlich erweist.

Da ich mit mehreren Fachzeitschriften zusammenarbeite, empfinde ich es als richtig auch die Fehler von „Konsument“ aufzudecken und publik machen. Bevor aber ihr Brief und meine Antwort darauf in den Fachmagazinen fürs Piercen und Tätowieren veröffentlicht werden,  gebe ich Ihnen noch die Möglichkeit einer Stellungnahme. Ich hoffe, dass Sie von diesem Angebot gebrauch machen und so die Möglichkeit haben auch Ihre Sichtweise gegenüber der professionellen Piercer , Tätowierer und der gesamten europäischen Tattoo- und Piercingszene, in der ich durchaus im positiven Sinne sehr bekannt bin, vertreten zu sehen.

Ich erwarte auch das Unterlassen der Veröffentlichung meiner Daten in dem Artikel, bzw. eine Berichtigung in der folgenden „Konsument“ Ausgabe, wenn Sie diese e-Mail zu spät erreichen soll.  Seien Sie sich auch im Klaren, dass es aufgrund von Rufschädigung zu rechtlichen Folgen kommen könnte und gegebenfalls auch zu Verlangen von Identitäten der angeblichen Testpersonen.

Bitte um Stellungnahme und verbleibe mit freundlichen Grüßen,

Barbara Wrzesniewska
(Shockin' City Tattoo)

Bewertung

Wertung: 2 von 5 Sternen
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Kommentare

  • Tattoo bei Allergie
    von REDAKTION am 09.12.2013 um 11:02
    Solange keine der allergieauslösenden Substanzen in den Farben enthalten sind, sollten auch keine Allergien auftreten. Da die verwendeten Farben allerdings verunreinigt sein können (siehe Beitrag Tätowierungen: Farbpigmente vom 18.02.2008), können Probleme auch nie ganz ausgeschlossen werden.
  • Tattoo bei Allergie
    von Wolfi_x1 am 08.12.2013 um 17:46
    Darf bei Allergien auf Hausstaubmilbe & Gräserpolen auch nicht tätowiert werden?