Transdermales Magnesium

Wirksam über die Haut?

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KONSUMENT 3/2016 veröffentlicht: 25.02.2016

Inhalt

Ist die Verabreichung des Spurenelements Magnesium über die Haut wirksam?

Wir sagen: Es gibt keine guten Studien zu diesem Thema. Daher fehlen verlässsliche Informationen, ob oder in welcher Form Magnesium die Haut durchdringen und eine Wirkung entfalten kann.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend

 

Magnesium spielt bei zahlreichen Abläufen im Körper eine wichtige Rolle, zum Beispiel beim Herzschlag, bei der Weiterleitung von Nervenimpulsen oder bei der Regulierung des Blutdrucks. Das Spurenelement ist meist in den Knochen gespeichert. Nur eine kleine Menge zirkuliert im Blut. Magnesium sollte ausreichend mit der Nahrung aufgenommen werden.

Wirkung im Darm

Magnesium ist auch Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln und steckt in einigen Medikamenten, zum Beispiel in manchen Abführmitteln. In Magen und Darm kann das Spurenelement jedoch für unerwünschtes Rumoren sorgen. Deshalb verfielen Anbieter auf die Idee, Magnesiumpräparate zum Auftragen auf die Haut anzubieten. Doch kann Magnesium so überhaupt in den Blutkreislauf gelangen?

Wirkstoffaufnahme über die Haut

Die Verabreichung von Medikamenten über die Haut ist nicht neu. So gibt es etwa spezielle Pflaster zur Verhütung, zur Raucherentwöhnung oder zur Schmerzbekämpfung. Die Wirkstoffe werden permanent und in der richtigen Dosierung abgegeben und überwinden die Hautbarriere. Auf bestimmten Internetseiten und in sozialen Medien wird propagiert, Magnesiumchlorid können über Fußbäder, Fußsprays und Wannenbäder ins Körperinnere gelangen und dort die gewünschte Wirkung erzielen.

Studien mit Schwächen

Sucht man nach Beweisen für diese Theorie, macht sich jedoch rasch Ernüchterung breit. Aussagekräftige und relevante Studien dazu fehlen nämlich. Eine aktuelle Pilotstudie mit Fibromyalgie-Patienten, die einen Spray getestet haben, lässt keine allgemeinen Schlüsse zu, denn dafür war die Teilnehmerzahl zu gering; zudem weist die Arbeit zu viele methodische Schwächen auf. Eine weitere Studie untersuchte bei Sportlern eine mögliche Leistungssteigerung der Beinmuskulatur durch das Auftragen einer Magnesium-Creme. Eine Verbesserung der Muskulatur ließ sich jedoch nicht nachweisen; zudem ist auch diese Studie aufgrund diverser Mängel nicht aussagekräftig.

Große Effekte nicht wahrscheinlich

Unter dem Strich ist völlig unklar, ob eine Verabreichung von Magnesium über die Haut sinnvoll ist und ob das Spurenelement nach einer solchen Verabreichung im Körperinneren wirksam werden kann. Auch die Frage, bei welchen Beschwerden die Anwendung derartiger Präparate nützlich sein könnte und welche Formen der Verabreichung (Spray, Fußbad usw.) sich am besten eignen, bleibt unbeantwortet. Große und schnelle Effekte sind nach derzeitigem Wissensstand jedenfalls nicht wahrscheinlich. Um den Magnesiumbedarf auch ohne Ergänzungsmittel zu decken, ist eine entsprechende Ernährung notwendig. Das Spurenelement steckt zum Beispiel in Spinat, Vollkornprodukten, Mandeln, Kartoffeln, speziell angereicherten Frühstücksflocken und in hartem Leitungswasser.

 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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