KONSUMENT.AT - Ultraschallbehandlung gegen Falten - Keine aussagekräftigen Studien gefunden

Ultraschallbehandlung gegen Falten

Wirksames Lifting?

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KONSUMENT 1/2021 veröffentlicht: 17.12.2020

Inhalt

Verringert eine Behandlung mit fokussiertem Ultraschall (HIFU) Falten und Schlaffheit der Haut?

Beweislage: unzureichend. Aussagekräftige Studien, die eine Wirkung belegen können, waren nicht auffindbar. Allerdings gibt es Berichte von unerwünschten Auswirkungen wie Schmerzen, Rötungen und Schwellungen.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend

 

High Intensity Focused Ultrasound (HIFU)

Jung aussehende und möglichst faltenlose Haut gilt in unserer Gesellschaft als Schönheitsideal. Entsprechend gute Geschäfte lassen sich mit Kosmetika oder Behandlungen machen, die angeblich Falten und Runzeln reduzieren.

Eine dieser Methoden nennt sich High Intensity Focused Ultrasound (HIFU), zu Deutsch gebündelter Hochintensitäts-Ultraschall: Es werden besonders kräftige Ultraschallwellen erzeugt, die im Fettgewebe unter der Haut gebündelt werden. Dabei entsteht Hitze. Diese wiederum soll den Anbietern zufolge die Kollagenfasern zum Wachstum anregen und die Haut wieder straffer erscheinen lassen. Die Hautoberfläche soll dabei nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

Keine wissenschaftlichen Nachweise gefunden

Unsere Kooperationspartner von medizin-transparent.at haben nach wissenschaftlichen Nachweisen für diese Wirkung gesucht. Dazu wären Studien nötig, in denen die Wirkung einer HIFU-Behandlung mit einer unwirksamen Scheinbehandlung verglichen wird.

Solche Studien waren jedoch trotz umfangreicher Recherche in mehreren Forschungsdatenbanken nicht auffindbar. Es existieren nur Studien mit sehr geringer Aussagekraft. So wurden etwa lediglich unterschiedliche HIFU-Behandlungsstärken miteinander verglichen. Ob die HIFU-Methode irgendetwas bewirkt, lässt sich damit nicht beantworten.

Unerwünschte Wirkungen

Aus den Studien lässt sich allenfalls herauslesen, welche unerwünschten Wirkungen bei HIFU möglicherweise auftreten. Demnach berichteten fast alle Studienteilnehmer von Schmerzen. Diese traten während den Behandlungen und danach auf. In einer Studie erhielten die Teilnehmenden daher vorsorglich Schmerzmittel zur inneren Anwendung bzw. Schmerzcremen. Auch Rötungen und Schwellungen traten in der Folge auf.

Fettreduktion unbewiesen

HIFU soll auch dazu geeignet sein, Fettgewebe „wegzuschmelzen“. Das Verfahren wird in bestimmten Arztpraxen und Kosmetikinstituten angeboten. Aber auch hierzu ist die Studienlage sehr dünn. Wenn überhaupt vorhanden, dürfte der Effekt der Ultraschall-Behandlung gering ausfallen. Darauf deutet eine mangelhafte Studie mit eingeschränkter Aussagekraft hin. Zwölf Wochen nach Behandlungsende war der Bauchumfang der Studienteilnehmer an der Taille einen Zentimeter geringer als nach einer Scheinbehandlung ohne Ultraschall.

Ob der Abnehm-Effekt längerfristig anhält, wurde nicht untersucht. Auch hier berichteten die behandelten Personen von teilweise starken Schmerzen. Zusätzlich schien es häufig zu Blutergüssen und Schwellungen gekommen zu sein, die bis zu zwei Wochen anhielten. Weitere Forschungsarbeiten zur Fettreduktion mit Ultraschall an Oberschenkeln und Hüfte waren aufgrund schwerwiegender Mängel noch weniger aussagekräftig als die Studie zum Bauchumfang.

Lesen Sie mehr unter Medizin-transparent: HIFU - unklare Wirksamkeit von Lifting mit Ultraschall

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin " finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheits-Agentur gefördert.

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