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Zahnbehandlung - Auweh

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Konsument 10/2004 veröffentlicht: 16.09.2004

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Schwierigkeiten mit Implantaten

Mir fehlten im Unterkiefer drei Zähne. Mein Arzt schlug mir Implantate vor. Beim zweiten Termin machte er eine Gelenksvermessung mit Computer (500 Euro) plus Abdruck mit Modellaufbau (109 Euro).

3000 Euro Preissteigerung

Nach einer schweren Krankheit legte er den Kassenvertrag zurück und erklärte, dass die Behandlung nun nicht 5000 sondern 8000 Euro koste. Das konnte ich mir nicht leisten und suchte mir einen neuen Zahnarzt. Um mir die Vermessung und die Abdrücke zu ersparen, habe ich mein Modell sowie die Gelenksvermessung mitgenommen. Der Implantologe Dr. S. sagte mir dann, er könne sie für seine Behandlung nicht brauchen und selbst anfertigen.

Große Schmerzen

Beim ersten Implantat hatte ich große Schmerzen, durfte ca. neun Tage nur Breiiges essen, die ersten drei Tage meinen Mund mit einer Lösung spülen. Auch das Kiefer schmerzte sehr. Die zwei anderen Implantate waren weniger schmerzhaft. Mein Heilkostenplan wurde um 62 Euro überschritten (statt insgesamt 2089 Euro). Dann wurde das erste Implantat freigelegt, wieder eine offene Wunde, wieder nur Breiiges zum Essen. Dann noch zwei Termine. Wieder wurde der Kostenvoranschlag um 33,20 überschritten. Goldpreis war exklusive zu bezahlen (64,78 Euro).

Ich spüre das Implantat, wenn Schlechtwetter ist oder wenn ich länger auf dieser Seite kaue. Ein Fremdgefühl ist für mich auf alle Fälle gegeben. Vielleicht wird es mit der Zeit besser.

Operation: Gefahr für Implantate

Da ich schon länger Halsschmerzen habe, musste ich einen HNO-Arzt aufsuchen. Die Mandeln müssen raus. Der HNO-Arzt erklärte, dass ich für die Operation eine Mundschiene brauchen würde – sonst könnten sich die Implantate im ungünstigen Fall im Kiefer lösen oder verschieben. Jetzt muss ich die Zahnbehandlung unterbrechen und auch noch Angst um die Implantate haben, für die ich ein kleines Vermögen ausgegeben habe.

Ich kann allen nur raten:

  1. Einen Heilkostenplan erstellen lassen und die ungefähren Kosten erfragen, die zusätzlich noch entstehen könnten.
  2. Klären, ob eine Vermessung nötig ist, bevor sie begonnen wird (siehe 609 Euro).
  3. Bei einer etwaigen Operation gibt es Risiken (Mandeloperation oder ähnliches)
  4. Fremdgefühl im Mund sowie Schmerzen nach dem Einsetzen sind zu beachten.
  5. Habe viel Geld und Schmerzen für diese Behandlung gebraucht, und die muss nun unterbrochen werden.

Meiner Meinung nach kann man sicher für weniger Geld und Zeit eine genauso gute Behandlung genießen.

Anmerkung der Redaktion:

Computer-Gelenksvermessung: Zahnmedizinisch kann das durchaus gerechtfertigt sein. Der Arzt hätte Sie aber rechtzeitig und ausreichend informieren müssen – auch über die Kosten.

Preiserhöhung: Dass der Zahnarzt nach seiner Krankheit den Preis erhöht, ist nicht in Ordnung. Jedes Gericht würde urteilen: Es gilt der ursprünglich vereinbarte Preis.

Erstes Modell unbrauchbar: Eine ärztliche Vorgangsweise, die gar nicht so selten ist. Wie viele Befunde und Untersuchungen werden in Österreichs Spitälern und Praxen unnötigerweise mehrfach gemacht, weil man die Voruntersuchung angeblich nicht brauchen kann. Das zahlt alles der Patient bzw. der Steuerzahler. Natürlich gibt es - hin und wieder - auch triftige medizinische Ursachen für Doppeluntersuchungen.  sind eher Belege für folgendes: a) Der Erstuntersucher ist unfähig und erhebt unbrauchbare Befunde. b) Der Zweituntersucher ist unfähig, weil er bzw. sie mit der Arbeit des Erstuntersuchers nicht umgehen kann, c) der Zweituntersucher ist finanziell sehr bedürftig ... So eine Haltung gibt es auch in anderen Bereichen: "Ist nicht bei uns gemacht worden? Muss schlecht sein!" Selbst wenn die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen sollte, ist es kein Ruhmesblatt für die beteiligten Mediziner.

Schmerzen: Das kann sein, das ist bei gar nicht wenigen Patienten normal. Schließlich haben Sie eine Art Schraube im Kieferknochen stecken. Auf die Schmerzen hätte der Arzt Sie hinweisen müssen (vor der Behandlung).

Kostenvoranschlag überschritten: Gemessen an den Gesamtkosten ist die Überschreitung gering, seien Sie froh, dass es nicht mehr ist.  

Goldpreis extra: Darauf hätte Sie Ihr Arzt vor der Behandlung hinweisen müssen.

Wetterfühligkeit: Ist möglich, kommt vor und ist kein Kunstfehler. Darauf hätte Sie der Arzt vor der Behandlung hinweisen müssen.

Fremdgefühl: Manche Patienten berichten glaubhaft, dass sie kein Fremdgefühl spüren. Manche spüren durchaus etwas, das ist von Patient zu Patient verschieden. Darauf hätte Sie der Arzt vor der Behandlung hinweisen müssen.

Mandeloperation/Mundschiene: Das ist Schicksal. Da kann man niemandem einen Vorwurf machen.

Mit weniger Geld eine genauso gute Behandlung: Das sagen auch manche Ärzte, aber die werden zusehends zu einer Minderheit. Dass es deutlich billiger geht, ist klar. Aber: Implantate haben durchaus ihre Berechtigung und sind erwiesenermaßen ein medizinischer Fortschritt. In manchen Fällen ist aber eine sehr gute Brücke tatsächlich besser als eine schlechte Lösung mit Implantat. Uns liegen aber auch Berichte vor, wo Patienten mit dem Implantat sehr zufrieden sind. In Ihrem Fall dürften sich die Probleme gehäuft haben. Wobei wir Ihnen eines versichern müssen: Es gibt - leider - noch viel krassere Fälle, wo Patienten noch mehr bezahlt haben und dann noch größere Schmerzen, Probleme bis hin zum Verlust der Arbeit, Scheidung ... erleiden mussten. Und natürlich war der Arzt auf keinen Fall Schuld.

Ein Teil der Zahnärzte ist unfähig und unwillig - und das sagen wir aus langjähriger Erfahrung - Patienten rechtzeitig und ausreichend über Preise, Leistungen und mögliche Komplikationen aufzuklären - zum Schaden der Patienten. Bei Prozessen prüfen Richter oft, ob der Arzt ausreichend informiert und alles dokumentiert hat. Wenn nicht, dann haben die Ärzte schlechte Karten. Aber wie viele Patienten klagen ihre Zahnärzte? Patienten sind froh, wenn sie sprechen und Nahrung aufnehmen können und gesundheitlich und finanziell wieder unter den Lebenden weilen.

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