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Zahnbehandlung - Auweh

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Konsument 10/2004 veröffentlicht: 16.09.2004

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Von Zusammenhängen keine Ahnung

Ich beobachte seit Jahren meinen Blutdruck, soviel vorausgeschickt. Vor ca. zehn Jahren hatte mein Zahnarzt meinem Sechser links unten ein Krone verpasst. Vor einigen Jahren schon spürte ich unter der Krone leichte Schmerzen. Mein Zahnarzt fand daraufhin beim Nachbarzahn ein abgebrochenes Eck, das sanierte er und die Schmerzen hörten auf, wie es der Teufel will.

Blutdruck steigt abrupt

Im November 2001 beobachtete ich einen abrupten Blutdruckanstieg, konnte vorerst keine Ursache ausmachen. Im April 2002 war dann der Blutdruck eines Morgens ziemlich stark erhöht. Bei der Fahrt zur Arbeit meldeten sich starke Schmerzen unter der Krone, daraufhin schöpfte ich Verdacht. Bei nächster Gelegenheit meldete ich mich bei meinem Zahnarzt. Dieser meinte, er schneide die Krone erst dann auf, wenn alle anderen Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen seien und behandelte mein Zahnfleisch mit Spülungen. Dies half auch vorerst.

Ich verließ nach der letzten Sitzung die Ordination beschwerdefrei. Auch der Blutdruck normalisierte sich, allerding s nur für vier Wochen. Unsicher gemacht hat mich die Bemerkung der Assistentin bei der letzten Sitzung, dass die dritte Wurzel gerade absterbe.

Rheumatische Beschwerden im Unterarm

Im Lauf des Sommers stieg der Blutdruck wieder. In weiterer Folge bekam ich auch rheumatische Beschwerden im linken Unterarm. Bin also wieder zum Zahnarzt. Der Zahn war tatsächlich abgestorben und er nahm eine Wurzelbehandlung vor. Während der Wurzelbehandlung verschlechterte sich mein Kreislaufzustand drastisch. Es traten Blutdruckentgleisungen bis 200/120, nächtliches Herzklopfen und Herzrhythmusstörungen auf.

Einige Zeit nach der letzten Sitzung kam es dann auch zu Schüttelfrost gefolgt von Schweißausbrüchen. Ich wandte mich an den Zahnarzt mit der Bitte, sich die Wundbehandlung genau anzuschauen. Er machte dan ein Einzelröntgen und meinte, die Wundbehandlung sei hundertprozentig in Ordnung. Die Beschwerden könnten wieder mit meinen Zahnfleischproblemen zusammenhängen. Er empfahl mir, den Weisheitszahn ziehen zu lassen und überwies mich an eine Zahnchirurgin.

Beherdeten Zahn übersehen

Bei der Zahnchirurgin wurde zuerst ein Panoramaröntgen gemacht. Sie begrüßte mich dann zu meiner Überraschung  mit der Frage, ob wohl mein Zahnarzt den richtigen Zahn aufgeschrieben habe. Weiter vorne sei ein beherdeter, wurzelbehandelter  Zahn. Dort also, wo mein Zahnarzt meinte, der wäre „hundertprozentig in Ordnung“. Dieser Zahn also müsste dringend entfernt werden.

Mit der Vorgangsweise beide Zähne zu ziehen, war ich einverstanden und die Zahnchirurgin machte sich an die Arbeit.

Sie war zwar sehr nett und fürsorglich, aufgefallen ist mir aber ein sehr impulsiver und unüberlegter Arbeitsstil. I9ch bin mir vorgekommen, als ob kleine Kinder Zahnarzt spielten.

Weisheitszahn mit Eiterpatzen

Zuerst wurde der beherdete Sechser entfernt, die Wunde mit einem Tupfer versorgt. Nach kurzer Wartezeit kam der Weisheitszahn dran. Nachdem dieser heraußen war, sagte sie: „Sie können froh sein, dass der Zahn heraußen ist, der hat ja auch einen Eiterpatzen.“ Sie ließ sich dann den scharfen Löffel geben und behandelte damit die Wunde. Rätselhaft war mir dabei, warum diese Behandlung beim beherdeten Sechser nicht mehr notwendig war.

Und in der Tat heilte die Wunde beim Weisheitszahn problemlos. Beim Sechser hingegen wurden die Schmerzen von Tag zu Tag schlimmer. Ich war wieder gezwungen, zu reklamieren. Nun holte die Zahnchirurgin die Behandlung mit dem scharfen Löffel nach, legte ein Jodband ein. Schließlich hat sie zugegeben, dass sie vergessen hat, mir ein Antibiotikum zu verschreiben.

In weiterer Folge verlief die Wundheilung sehr schleppend: Blutdruckentgleisungen, nächtliches Herzklopfen und Herzrhythmusstörungen hörten zwar auf. Der Blutdruck zeigte allerdings nur leicht sinkenden Tendenz und die rheumatischen Beschwerden im linken Unterarm blieben unverändert.

Schilanglauf-Marathon: Intensivstation

Ich nehme nun schon seit Jahren beim Engadiner Schilanglauf-Marathon teil. In der Hoffnung, dass bis zum vorgesehenen Termin alles gut sein wird, meldete ich mich an und nahm zirka ein Monat nach der Extraktion das Training wieder auf. Ich hatte allerdings mit Blick auf die geschilderten Symptome ein ungutes Gefühl, ob ich mir damit nicht schade. Den Marathon slbst musste ich nach zwanzig Kilometern wegen Übelkeit – ohne Beklemmungsgefühl und Atemnot – abbrechen. Eine an Ort und Stelle durchgeführte ärztliche Untersuchung ergab ein auffälliges EKG. Der Arzt äußerte den Verdacht auf Koronar-Ischämie (Anmerkung der Red.: mangelhafte Versorgung des Herzens). Zwei Tage später lag ich mit der Diagnose „subakuter Herzinfarkt“ in der Intensivstation in Innsbruck.

Nach meinem Spitalsaufenthalt wandte ich mich an einem mir persönlich bekannten Zahnarzt. Am Panoramaröntgen zeichneten sich noch deutlich die Hohlräume ab, die die Wurzeln hinterlassen hatten. Der Heilungsprozess war also zum Zeitpunkt des Herzinfarktes stark verzögert; etwas musste also nicht in Ordnung gewesen sein. Die rheumatischen Beschweden im linken Unterarm haben erst in letzter Zeit aufgehört.

Zusammentreffen von Problemen ist kein Zufall

Ich glaube nun nicht, dass das Zusammentreffen von Kiefererkrankung, körperlicher Beanspruchung (allerdings im Rahmen, wie es zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-erkrankungen empfohlen wird) und Herzinfarkt zufällig ist.

In der Rehabilitation kam ich mit einem 35jährigen Fleischer, also einem Schwerarbeiter, ins Gespräch. Ich erzählte ihm meine Geschichte. Darauf antwortete er, dass er auch einige Eiterzähne gehabt habe. Er hatte bei einem ausgedehnten Herzinfarkt sechzig Prozent seines Herzens verloren.

Letztendlich ist Gott sei Dank nicht viel passiert. Am Ultraschall ist fast nichts zu sehen. Auch die gewohnte körperliche Leistungsfähigkeit ist wiedergekommen. Was mich bedrückt, ist, dass man routinemäßig mit Medikamenten vollgestopft wird, deren Langzeitwirkung weitgehend unbekannt ist. In den letzten Monaten hat sich auch gezeigt, dass ich wesentlich anfälliger für Erkältungskrankheiten geworden bin.

Kinder lernen es, Internisten sind ahnungslos

Meinen Zahnarzt, mit dem ich bis jetzt, sehr zufrieden war, habe ich nicht gewechselt. Ich arbeite selbst in einem Beruf, in dem man laufend damit konfrontiert ist, dass man Fehler macht. Habe daher Verständnis. Bei der Zahnchirurgin bin ich ohnehin nicht Dauerpatient.

Was mich bei der ganzen Angelegenheit irritiert, ist, dass man zwar den Kindern in der Schule sagt, dass Zahnerkrankungen Folgeerkrankungen im ganzen Körper verursachen können; dass Internisten hingegen von all dem nicht zu wissen scheinen.

Als ich während und nach der Wurzelbehandlung unter heftigen Kreislaufbeschwerden gelitten habe, habe ich einen Internisten konsultiert. Er meinte, eine Zahnerkrankung käme als Ursache nicht in Frage. Die wäre eine essentielle Hypertonie und verschrieb mir Tabeletten.

Einer Ärztin in der Intensivstation sagte ich, dass ich als Ursache für meinen hohen Blutdruck vor dem Herzinfarkt eine Zahnerkrankung vermute. Immerhin stimmte durch mehr als ein Jahr der Verlauf des Blutdruckes mit der Entwicklung beim Zahn überein. Daraufhin lachte sie mich regelrecht aus.

Zahnklinik wies Bitte ab

Und was mich besonders geärgert hat: Ich vermutete ja während meines Spitalsaufenthaltes, dass im Kiefer etwas nicht in Ordnung ist. Ich dachte auch daran, dass vielleicht ein Stück Wurzel im Kiefer verblieben war. Ich hatte Sorge, dass sich dies auf meinen Gesundungsprozess nicht gerade förderlich auswirkt. Da bat ich darum, dies in der Zahnklinik, die sich zwei Stockwerke unter der kardiologischen Station befand, untersuchen zu lassen. Der maßgeliche Herr fragte mich, ob ich Schmerzen habe. Da ich erfahren hatte, dass Zähne insbesondere dann, wenn sie nicht mehr weh tun, gefährlich sind, empfand ich diese Frage als besonders unpassend. Er wies meine Bitte ab, mit der Begründung, dass die Gefahr bestehe, dass die gerinnungshemmenden Medikamente absetzt würden.

Mehr Zusammenarbeit nötig

Ich glaube, dass hier noch einiges an Informationsbemühungen zwischen den Fachrichtungen vonnöten ist. Unter Augenärzten ist es Standard, die Patienten bei Auffälligkeiten zum Internisten zu schicken. Ähnlich sollten auch die Internisten bei Zuständen, die die Folge von Zahnerkrankungen sein können, die Leute zum Zahnarzt schicken.

Abschließend möchte ich noch an der heiligen Kuh „Direktverrechnung“ kratzen. Bei unserem System sind die Hauptgeschädigten von ärztlichen Kunstfehlern die Krankenkassen und die Dienstgeber. Die können sich noch viel weniger als die Patienten wehren, da sie von der Behandlung nichts mitbekommen. Dewegen scheinen sich auch einige Ärzte ziemlich sicher zu sein.

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