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Zahnbehandlung - Auweh

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Konsument 10/2004 veröffentlicht: 16.09.2004

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Pfusch bei Sozialhilfebezieherin

November 2003 ließ ich mir einen Zahn ziehen, weil er beherdet war. Da meine Teilprothese schon 20 Jahre alt war, schlug mir mein Zahnarzt vor, sie zu erneuern und die restlichen vier Zähne zu überkronen. Ich war einverstanden. Einen weiteren wollte er ziehen, da er nicht so schön dazupassen würde. Ich lehnte ab. Doch als die andern Zähne zugeschliffen wurden, schliff er ohne meine Zustimmung auch diesen Zahn bis unter den Zahnfleischrand ab und machte eine Wurzelbehandlung. Als ich ihn fragte, warum er das machte, meinte er: „Sie wollen den Zahn ja nicht gezogen haben“. Bis Februar ging ich ohne Prothese und Kronen. Und seit die Zähne überkront sind, bin ich noch keinen Tag schmerzfrei gewesen. Nach sechs Monaten sind zwei Kronen rausgefallen, der Zahnstummel darunter verfault. Dafür tun diese beiden nicht mehr weh und die Prothese, die drei Mal neu angefertigt wurde, sitzt nun etwas besser. Die anderen zwei Kronen sitzen nun auch schon etwas locker.

Als ich den Zahnarzt daraufhin ansprach, meinte er: „Kronen können sich auswaschen“.

Suchte daraufhin einen andere Zahnärztin auf, die mich aber ablehnte. Ich müsste, meinte sie, die Zähne von meinem Zahnarzt in Ordnung bringen lassen.

Ich habe Hepatitis C, bin nicht arbeitsfähig und beziehe Sozialhilfe. Vielleicht bin ich deshalb ein Mensch dritter Klasse. Ich schäme mich und traue mich auch nicht wieder einen Zahnarzt aufzusuchen.

Akademikeraufschlag

Beobachtung: Meine Zähne wurden immer mit Amalgamfüllung versorgt. Als ich aber mein Studium abgeschlossen hatte, stand dann auch mein Titel auf dem Zahnschein. Ergebnis: Plötzlich empfahl mein Zahnarzt nachdrücklich die Totalsanierung mit Goldinlays ...

Schmerzhafte Brücke, flotte Ärztin, Behandlung in Ungarn

Ich hatte eine Brücke, die seit dem Einsetzen ein Spannungsgefühl erzeugte (Arzt: „Sie werden sich daran gewöhnen“). Nach sieben Jahren musste die Brücke ersetzt werden (Probleme mit Bakterien). Also ging ich zu einer Innsbrucker Zahnärztin und ließ mich über Implantate informieren. Dabei verlangte ich ausdrücklich einen unverbindlichen Kostenvoranschlag. Als ich ein paar Fragen stellte, meinte sie etwas genervt: „Solche Fragen hat mir noch nie jemand gestellt.“ Die Ärztin wollte es offensichtlich nicht nur beim Kostenvoranschlag bewenden lassen sondern gleich die Behandlung vereinbaren: Mein mitgebrachtes Röntgen wollte sie behalten und ich solle das Infoblatt gleich unterschreiben. Auf dem Informationsblatt stand, Zitat: „Ich habe keine weitere Fragen und benötige keine zusätzliche Überlegungsfrist“ und „Ich willige in den vorgeschlagenen Eingriff ein“. Die Kästchen neben den Sätzen waren schon angekreuzt. Die Dame hatte es offensichtlich sehr eilig.

Ich habe die Implantate und zugehörigen Zahnersatz in Ungarn machen lassen. Sie haben dort mit einem Universitätsprofessor geworben, behandelt hat mich ein anderer Arzt. Aber im Großen und Ganzen war die Arbeit in Ordnung und etwas billiger als bei uns.

Sogenannte Goldkrone

Im Juni 2000 wurde mir von einem Wiener Zahnarzt eine Goldkrone (auf dem von ihm wurzelbehandelten 6. unteren rechten Zahn) mit weißer Keramikabdeckung eingesetzt, wofür ich ATS 4.800 (ohne Rechnung) bezahlte. Die weiße Keramikabdeckung zerbrach Mitte September 2000. Ab 20. Dezember 2000 schmerzte der Zahn fürchterlich und ließen die Schmerzen erst nach Einnahme schmerzstillender Mittel und nachdem sich eine Fistel bildete aus der Eiter abfloß nach. Vor zwei Monaten löste sich auch die Goldkrone.

Da ich einen Verdacht hatte, daß die Krone nicht aus Gold sei, ließ ich sie bei der Fa. Ögüssa prüfen. Man sagte mir, es handle sich um eine Ersatzgoldlegierung in der 18 % Gold enthalten wären. Dieses Material – auch Palladium-Platinmetall genannt - wäre früher anstelle von Gold verwendet worden. - Ich fühle mich getäuscht.

Anmerkung der Redaktion:

Was als "Gold" bezeichnet wird, sollte auch zum größten Teil aus Gold bestehen. Dass Sie sich getäuscht fühlen, verstehen wir. Aber: Echte Goldkronen mit einer Kaufläche aus Keramik um 4800 Schilling wären ein unüblich günstiger Preis. Der Preis für eine Krone mit höherem Goldanteil und Keramikfläche liegt fast immer deutlich höher (450 bis 750 Euro). Zu den Schmerzen: Natürlich können sich auch perfekt wurzelbehandelte Zähne entzünden, das gibt es. Aber es scheint, als hätte der Zahnarzt die Wurzelbehandlung nicht mit größter Sorgfalt durchgeführt. Zumindest deutet die Entzündung darauf hin. Den Patienten gezielt falsch informieren, das Honorar schwarz kassieren und dann auch eine vermutlich nicht ganz saubere Wurzelbehandlung ... das wäre eigentlich ein Fall fürs Gericht.

Beim Dentisten gut aufgehoben

Nach traumatischen Kindheits,- und Jugenderlebnissen mit Zahnärzten besuchte ich diese nur mehr im äußersten Notfall, was immer wieder in traumatischen Zahnentfernungen endete. - Mit 24 heiratete ich. Mein Mann war mit einem Dentisten befreundet, der sich mit viel Geduld, Können und einem ausgezeichneten Zahntechniker meiner „Ruinen“ annahm.

Nach meiner Scheidung trennte ich mich nicht nur von meinem Mann sondern auch vom Dentisten. Mein letzter Besuch war vor 20 Jahren. Da ich mir nicht vorstellen konnte, wieder Bertrauen zu einem Zahnarzt zu bekommen, ging ich nie wieder zu einem.

Vor Weihnachten 2003 brach ein Eckzahn. Eine Kieferchirurgin hat ihn mir in einer komplizierten Operation entfernt. Aber: Meine Inlays, Brücken und Kronen sind nach wie vor o.k. Mein Dentist hat – jetzt auch schon 77 – super Arbeit geleistet!!

Informationen von der Amalgam-Industrie

Bei mir wurde eine Schwermetallvergiftung nachgewiesen in Zusammenhang mit mehreren Amalgam-Plomben, mehrere beherdete Zähne und eine ganz unerträgliche Sammlung verschiedener Metalle.

Ich war in Ihrem Ratgeber „Zähne“ gespannt auf sachlich-unabhängige Information zu obigem Themen, bin aber jetzt mehr als enttäuscht. Die Themen „Amalgam“ und „beherdete Zähne“ werden eher beiläufig abgehandelt, in einer Weise, die ich nicht als informativ empfinde sondern als oberflächlich und tendenziös. Ihre Informationen lesen sich für mich so, als kämen sie von der Amalgam-Industrie.

Antwort der Redaktion:

Wir wissen, dass das Thema Amalgam sehr kontrovers diskutiert wird. Uns ist auch bewusst, dass wir mit unserer Position (Amalgam ist trotz aller Einwände für die allermeisten Patienten geeignet) einige Leser bzw. Patienten nicht zufrieden stellen. Wir kennen diesen sehr alten Konflikt zwischen Befürwortern und Gegner und ebenso deren Argumente. Nach sorgfältiger Prüfung aller glaubwürdiger Quellen sind wir zu genau dem Ergebnis gekommen, das wir veröffentlicht haben. Sie waren, wie Sie schreiben „enttäuscht“, was wir bedauern. Sie waren „gespannt auf sachlich-unabhängige Information“. Die haben wir Ihnen tatsächlich geliefert; leider entspricht sie nicht Ihren Vorstellungen.

Es kommt immer wieder vor, dass uns unterstellt wird, dass wir von der Industrie gekauft sind, nur weil wir zu unerwünschten Ergebnissen und Aussagen kommen. Der Vorwurf entbehrt jeder Grundlage; der Nutzen, den wir davon hätten wäre minimal, der Schaden irreparabel groß.

Letztlich geht es um die Frage: Als wie glaubwürdig bewerten wir die Alternativ- bzw. Komplementärmedizin. Unsere Linie ist hier vorsichtig kritisch. Wir orientieren uns (z.B. in der nächsten Auflage unseres Konsument-Ratgebers „Die andere Medizin“) an der Evidence Based Medicine. Methodisch saubere wissenschaftliche Studien stufen wir höher ein als gut dokumentierte Einzelfälle.

Service- und Adressteil: Die von Ihnen genannten Organisationen sind uns bekannt, da es uns aber an fundierten Informationen über die Wissenschaftlichkeit ihrer Arbeitsweise fehlt, haben wir auch nicht auf sie hingewiesen.

Ihre Beobachtungen und unsere Aussagen müssen übrigens nicht in Widerspruch zueinander stehen. Wir bezweifeln nicht, dass Sie beherdete Zähne haben. Wir bezweifeln auch nicht, dass sich in Ihrem Gewebe Metalle nachweisen lassen. Das ist völlig glaubwürdig und genau das bestätigen wir auf Seite 98. Wir wissen, dass jedes Material und jede Behandlungsmethode unerwünschte Wirkungen haben kann; das gilt für Amalgam und das gilt auch für Ersatzmaterialien. Unsere Aussagen beziehen sich auf die sehr große Mehrheit der mit Amalgam versorgten Patienten.

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