Zahnbehandlung in Ungarn

Pannonisches Roulette

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Konsument 3/2005 veröffentlicht: 10.02.2005

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Was stimmt, was nicht?

Was immer Sie über die Zahnbehandlung in Ungarn hören – gehen Sie davon aus, dass jede Aussage stimmt, ein bisschen zumindest. Hier einige Argumente, mit denen österreichische Patienten in Ungarn immer wieder konfrontiert sind:

Sehr gute Ärzte: „Die Ausbildung der ungarischen Zahnärzte ist sehr gut“: Die Universitätszahnklinik in Budapest hat einen guten Ruf. Es gibt aber auch andere Ausbildungsstätten in Ungarn ... Nur: Was sagt das über die konkrete Leistung von Dr. X in Györ?

Gute Zahntechniker: „Die Ausbildung der Zahntechniker im Osten ist gut“: Stimmt weitgehend. „Die haben“, erklärte ein österreichischer Zahntechniker wörtlich, „eine gewaltige Ausbildung; die Ausbildung in der Slowakei ist sehr gut.“ Nachsatz: „Aber zu viel Theorie verglichen mit unserer.“ Und in Ungarn? In Ungarn wurde 1990 die Meisterprüfung abgeschafft, die Bezahlung ist mit etwa zwei Euro pro Stunde elend, was sich immer wieder auf die Qualität schlägt (siehe Kasten).

Westliche Materialien: „Wir verwenden westliche Materialien“: Stimmt. Aber welche, wie viel, wofür und für wen? Eine Mitarbeiterin eines internationalen Dental-Herstellers bestätigte uns: „Die Osteuropäer verwenden westliche Materialien. Umgang und Verarbeitung entsprechen dem Stand in Österreich.“ Und weiter: „Wir verkaufen unsere Produkte zu den selben Preisen wie nach Österreich oder Deutschland.“ Den Marktanteil des  Unternehmens erfuhren wir nicht. Wie viel hochwertige und wie viel minderwertige Materialien verwendet werden, konnte uns niemand sagen. Gut möglich, dass in einer einzigen Behandlung gleichzeitig hochwertige und sehr einfache Materialien zum Einsatz kommen. Zudem bieten auch westliche Hersteller sehr unterschiedliche Qualitäten an. Welche Materialien tatsächlich in Ihrem Mund eingesetzt werden, erfahren Sie üblicherweise nicht.

In Österreich können Sie die sogenannte Konformitätserklärung von Ihrem Zahnarzt erbitten. Das ist eine Erklärung des Zahntechnikers, auf der u.a. Hersteller und Material genannt sind. Die Zahnärzte sind aber nicht verpflichtet, ihnen die Konformitätserklärung auszuhändigen.

Tochterunternehmen: „Wir sind ein Tochterunternehmen eines deutschen, Schweizer, Luxemburger ... Unternehmens.“ Das sagt etwas über Investitionen und Hoffnungsmärkte aber nichts über die Qualität der Arbeit. Jedes Unternehmen muss Gewinne erwirtschaften, deutsche, österreichische und ungarische.

Mit Schweizer Klinik: „Wir arbeiten mit einer Schweizer Klinik zusammen.“ Welche Klinik damit auch gemeint sein mag, die Schweizer Universitätszahnkliniken haben keine Kooperationen mit ungarischen Ordinationen.

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Dieser Beitrag wurde finanziert mit Unterstützung der Europäischen Kommission (Generaldirektion für Gesundheit und Verbraucherschutz):

 

 

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