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Zahnprothesen

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Konsument 9/2000 veröffentlicht: 01.09.2000

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Prothesenprobleme: Wer schweigt, stimmt zu

Acht Wochen haben Kassenpatienten Zeit, um Probleme mit ihrer Prothese kostenlos beheben zu lassen. Viele versäumen die Frist.

„Der Patient hat Anspruch auf eine sachgerechte prothetische Behandlung und nicht nur auf eine Prothese. Das ist ein großer Unterschied“, erklärt Dr. Stephan Suhsmann, Vorsitzender der zahnärztlichen Schlichtungsstelle in Wien. Das bedeutet, dass der Patient ein Recht auf eine gründliche Vor- und Nachbehandlung hat. Aber was tun, wenn die Prothese Probleme macht? Es gibt kein Gesetz, das die Behebung von Mängeln und Problemen bei der zahnärztlichen Arbeit eindeutig regelt. Eines ist klar: Jede Prothese ist nur ein Behelf und kann nie die eigenen Zähne perfekt ersetzen. Aber Sie haben Anspruch darauf, dass Ihre Probleme beim Einpassen ernst genommen und Mängel behoben werden. Gelingt Letzteres dem Zahnarzt nicht, dann muss er Ihnen eine neue Prothese anfertigen (auf seine Kosten).

Folgende Faustregel sollten Sie beachten: Je länger Sie mit der Beanstandung von Mängeln und Problemen warten, desto eher müssen Sie diverse Anpassungsarbeiten und Reparaturen selbst zahlen. Wer sich nicht rührt, ist selbst schuld; wer schweigt, stimmt zu. Es gibt aber drei Leitlinien, wie Sie handeln sollten, wenn es mit der Prothese ein Problem gibt:

Sechs Monate Gewährleistung: Alle physischen Produkte aus dem Labor des Zahntechnikers oder des Zahnarztes (Prothese, Klammer, Inlay... – also alles, was man angreifen kann) unterliegen sechs Monate der Gewährleistung, gleichgültig, ob Kassen- oder Privatleistung. Wenn ohne Ihre Schuld ein Mangel zu Tage tritt (Prothese oder Klammer bricht, Verblendung löst sich ab...), dann müssen Zahnarzt bzw. Zahntechniker die Sache in Ordnung bringen. – Anders ist es mit der ärztlichen Dienstleistung: Sie haben zwar Anspruch auf eine ordentliche medizinische Behandlung nach dem Stand der Wissenschaft, Recht auf Heilung gibt es aber keines.

Kassenprothese – acht Wochen: Leistet die Krankenkasse einen Zuschuss, dann muss der Zahnarzt die Prothese innerhalb von längstens acht Wochen „objektiv verwendungsfähig“ machen.

So bestimmt es der Kassenvertrag. Das schließt Nacharbeiten wie Unterfüttern, Ab- und Einschleifen... mit ein. Achtung: Tritt ein Mangel auf (Klammer bricht, Verblendung platzt ab...), dann haben Sie nach wie vor sechs Monate Anspruch auf Gewährleistung. Dieser Anspruch kann durch die Acht-Wochen-Frist der Kasse nicht ausgeschlossen oder eingeschränkt werden. Auch die beste neue Prothese ist ein Fremdkörper und wird nach dem Einsetzen Beschwerden verursachen. Aber es genügt natürlich nicht, wenn Zahnarzt oder Zahnarzthelferin Sie mit einem „Das gibt sich schon“ abschasseln.

Sollte die Prothese mehrere Wochen Schwierigkeiten machen, dann können Sie (und das gilt nur für Prothesen, für die Sie einen Kassenzuschuss bekommen), den Chefzahnarzt Ihrer Kasse um eine Beurteilung bitten. Fast alle Krankenkassen haben Stellen eingerichtet, wo dies möglich ist. Sollte der Chefzahnarzt (oder ein Gutachter) vom Zahnarzt oder vom Zahntechniker verursachte Mängel feststellen, dann muss der Zahnarzt (-techniker) diese Mängel beheben. Nach Zustimmung des Chefzahnarztes ist auch eine Neuanfertigung möglich. In den meisten Fällen – es gibt hier keine einheitliche Regelung – brauchen Sie den Patientenanteil kein zweites Mal zu bezahlen.

Privatleistung – individuelle Vereinbarung: Wenn Sie eine Prothese privat anfertigen lassen, dann gelten – siehe oben – sechs Monate Gewährleistung. Für Nachbesserungen und Anpassungen müssen Sie, so erklärte Dr. Suhsmann, „mit dem Zahnarzt eine individuelle Vereinbarung treffen, was bis wann im Honorar inbegriffen ist. Drei Monate sind hier ein sinnvoller Zeitraum“. Manche qualitätsorientierten Praxen geben mehrere Jahre Garantie. Während aber Gewährleistung ein Recht ist, ist Garantie eine freiwillige Leistung. Solche Praxen knüpfen diese Garantie häufig an Bedingungen wie regelmäßige Nachkontrolle und Mundhygienesitzungen (privat zu bezahlen). Das ist meist sehr sinnvoll.

Über strittige Privatleistungen können sich Patienten bei der zahnärztlichen Schlichtungsstelle beschweren. Es gibt sie in jedem Bundesland bei der Ärztekammer (schriftliche Eingabe!). Die Aussagen (siehe dazu: "Dritte Zähne") wurden zwar von mehreren Fachleuten geprüft, sind aber trotzdem nicht verbindlich und verstehen sich nur als grobe Orientierung.

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