KONSUMENT.AT - Greenwashing - Beispiel: Nespresso

Greenwashing

Alles Fassade

Seite 3 von 7

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 31.01.2019

Inhalt

Beispiel: Nespresso

Der Kaffeehersteller verspricht auf seiner Website nachhaltig angebauten Kaffee und 100 % nachhaltig genutztes Aluminium – d.h. eine Steigerung der Rücknahmekapazität für gebrauchte Aluminiumkapseln auf 100 %, "überall dort, wo ­Nespresso tätig ist".

Nunu Kaller (Greenpeace): "Wenn ein Hersteller, der Milliarden Kapseln aus Aluminium herstellt, behauptet, damit etwas für die Umwelt zu tun, braucht man nicht viel über Greenwashing zu wissen, um zu erkennen, dass das nicht stimmen kann. Nespressos Ankündigung, 100 % der Kapseln zu recyceln, ist völlig unrealistisch. Ein großer Teil der Kapseln landet im Restmüll und wird in Österreich verbrannt."

Stefan Grasgruber-Kerl (Südwind): "Wie viele andere Unternehmen im Kaffee-Bereich hat auch Nespresso sein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm, setzt dabei aber auf Zusammenarbeit mit unabhängiger Zertifizierung durch Rainforest Alliance und Fairtrade – was zu begrüßen ist. Aber nur wo Fairtrade drauf ist, ist auch wirklich Fairtrade drin. Also sollten Konsumenten genau hinschauen: Wer Nespresso kaufen will, sollte nur die Kapseln mit Fairtrade-Siegel kaufen. Derzeit ist das allerdings nur eine (!) Kapsel von 28 aktuell verfügbaren im österreichischen Online-Shop.
Auch das Fairtrade-Siegel ändert nichts daran, dass problematische Aluminium-Kapseln verwendet werden, und dass damit zusätzlich der Nestlé Konzern unterstützt wird, der für Wasserprivatisierung und Steuervermeidung steht. An diesen grundsätzlichen Problemen ändern auch Kapsel-Recycling Programme und die „Nespresso Vision“, die die CO2 Bilanz um 10% verbessern möchte, nur wenig."

Raphael Fink (Umweltzeichen):

"Das Kerngeschäft von Nespresso besteht darin, eine kleine Menge eines oftmals unter sozial schwierigen Bedingungen hergestellten Produkts, eine Portion Kaffee, mit sehr viel ökologisch problematischer Verpackung drum herum zu verkaufen. Die besteht neben Kunststoff auch aus Aluminium. Dessen Abbau ökologisch sehr bedenklich (Abholzung von Regenwald, giftiger Rotschlamm als Abfallprodukt), extrem energieaufwändig und sehr treibhausgasintensiv ist.

Damit die Kapseln rezykliert werden können, müssen sie eigens an Nespresso retourniert werden. Nespresso selbst spricht davon, die Recyclingkapazität auf hundert Prozent steigern zu wollen. Die Kapazität ist jedoch etwas anderes als die tatsächliche Recyclingquote – also wie viel Kapseln tatsächlich wiederverwendet und aufbereitet werden. Diese tatsächliche Recyclingquote entscheidet aber, ob die Kapseln mehr oder minder ungenutzter Abfall bleiben oder als Wertstoff in den Kreislauf zurückfinden. Hier wird also unsauber, man möchte sagen: beinahe täuschend, argumentiert.

Auf sozialer Seite hat Nespresso zusammen mit der NGO Rainforest Alliance ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm für Kaffeebauern, das Nespresso AAA Sustainable Quality, lanciert.  Bleibt die Frage offen: Warum nicht bio, warum nicht Fair Trade? Das macht skeptisch: von der Industrie geschaffene, sich selbst aufgelegte und dann promotete Labels sind tendenziell mit Vorsicht und Skepsis zu betrachten.

Selbst wenn Nespresso einen gewissen Aufwand im Bereich sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit betreibt, bleibt der Eindruck, dass einzelne positive Aspekte betont werden, um andere negative Seiten des Produkts zu verschleiern. Es sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei Kapselkaffee per se, aufgrund des Ressourcenaufwands, um kein nachhaltiges, kein grünes Produkt handelt. Auch weiterhin vertreibt Nespresso ein Produkt, das es früher schon gab, nur neu und unökologisch verpackt – aber das eben mit dem intensiven Beigeschmack von Lifestyle.

Wer wirklich grünen Kaffee kaufen möchte, trinkt nicht Nespresso, sondern greift am besten zu Bio-Fair-Trade-Kaffee (am besten in der Ein- oder Fünf-Kilogramm-Verpackung, denn je mehr Produkt in einer Verpackung, desto ökologischer). Und wer gerne Nespresso trinkt, sollte sich des bitteren Nachgeschmacks, den die Nestlé-Tochter mit sich bringt, bewusst sein – und nicht zusätzlich noch ein grünes Gewissen haben."

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
7 Stimmen
Weiterlesen