KONSUMENT.AT - Greenwashing - Beispiel: Nespresso

Greenwashing

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KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 31.01.2019, aktualisiert: 12.03.2020

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Beispiel: Nespresso

Der Kaffeehersteller verspricht auf seiner Website nachhaltig angebauten Kaffee und 100 % nachhaltig genutztes Aluminium – d.h. eine Steigerung der Rücknahmekapazität für gebrauchte Aluminiumkapseln auf 100 %, "überall dort, wo ­Nespresso tätig ist".

Nunu Kaller (Greenpeace): "Wenn ein Hersteller, der Milliarden Kapseln aus Aluminium herstellt, behauptet, damit etwas für die Umwelt zu tun, braucht man nicht viel über Greenwashing zu wissen, um zu erkennen, dass das nicht stimmen kann. Nespressos Ankündigung, 100 % der Kapseln zu recyceln, ist völlig unrealistisch. Ein großer Teil der Kapseln landet im Restmüll und wird in Österreich verbrannt."

Stefan Grasgruber-Kerl (Südwind): "Wie viele andere Unternehmen im Kaffee-Bereich hat auch Nespresso sein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm, setzt dabei aber auf Zusammenarbeit mit unabhängiger Zertifizierung durch Rainforest Alliance und Fairtrade – was zu begrüßen ist. Aber nur wo Fairtrade drauf ist, ist auch wirklich Fairtrade drin. Also sollten Konsumenten genau hinschauen: Wer Nespresso kaufen will, sollte nur die Kapseln mit Fairtrade-Siegel kaufen. Derzeit ist das allerdings nur eine (!) Kapsel von 28 aktuell verfügbaren im österreichischen Online-Shop.
Auch das Fairtrade-Siegel ändert nichts daran, dass problematische Aluminium-Kapseln verwendet werden, und dass damit zusätzlich der Nestlé Konzern unterstützt wird, der für Wasserprivatisierung und Steuervermeidung steht. An diesen grundsätzlichen Problemen ändern auch Kapsel-Recycling Programme und die „Nespresso Vision“, die die CO2 Bilanz um 10% verbessern möchte, nur wenig."

Raphael Fink (Umweltzeichen):

"Das Kerngeschäft von Nespresso besteht darin, eine kleine Menge eines oftmals unter sozial schwierigen Bedingungen hergestellten Produkts, eine Portion Kaffee, mit sehr viel ökologisch problematischer Verpackung drum herum zu verkaufen. Die besteht neben Kunststoff auch aus Aluminium. Dessen Abbau ökologisch sehr bedenklich (Abholzung von Regenwald, giftiger Rotschlamm als Abfallprodukt), extrem energieaufwändig und sehr treibhausgasintensiv ist.

Damit die Kapseln rezykliert werden können, müssen sie eigens an Nespresso retourniert werden. Nespresso selbst spricht davon, die Recyclingkapazität auf hundert Prozent steigern zu wollen. Die Kapazität ist jedoch etwas anderes als die tatsächliche Recyclingquote – also wie viel Kapseln tatsächlich wiederverwendet und aufbereitet werden. Diese tatsächliche Recyclingquote entscheidet aber, ob die Kapseln mehr oder minder ungenutzter Abfall bleiben oder als Wertstoff in den Kreislauf zurückfinden. Hier wird also unsauber, man möchte sagen: beinahe täuschend, argumentiert.

Auf sozialer Seite hat Nespresso zusammen mit der NGO Rainforest Alliance ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm für Kaffeebauern, das Nespresso AAA Sustainable Quality, lanciert.  Bleibt die Frage offen: Warum nicht bio, warum nicht Fair Trade? Das macht skeptisch: von der Industrie geschaffene, sich selbst aufgelegte und dann promotete Labels sind tendenziell mit Vorsicht und Skepsis zu betrachten.

Selbst wenn Nespresso einen gewissen Aufwand im Bereich sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit betreibt, bleibt der Eindruck, dass einzelne positive Aspekte betont werden, um andere negative Seiten des Produkts zu verschleiern. Es sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei Kapselkaffee per se, aufgrund des Ressourcenaufwands, um kein nachhaltiges, kein grünes Produkt handelt. Auch weiterhin vertreibt Nespresso ein Produkt, das es früher schon gab, nur neu und unökologisch verpackt – aber das eben mit dem intensiven Beigeschmack von Lifestyle.

Wer wirklich grünen Kaffee kaufen möchte, trinkt nicht Nespresso, sondern greift am besten zu Bio-Fair-Trade-Kaffee (am besten in der Ein- oder Fünf-Kilogramm-Verpackung, denn je mehr Produkt in einer Verpackung, desto ökologischer). Und wer gerne Nespresso trinkt, sollte sich des bitteren Nachgeschmacks, den die Nestlé-Tochter mit sich bringt, bewusst sein – und nicht zusätzlich noch ein grünes Gewissen haben."

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Kommentare

  • Bitte mehr Objektivität
    von RiSi am 11.10.2020 um 22:27
    Gleich zu Beginn des Newsletter, der mich mittels Link auf diese Seite gebracht hat, werden unter anderem "Erdöl-Konzerne, die mit Windkraft werben" als Beispiel für Greenwashing genannt. Natürlich kommt es auf den jeweiligen Fall an, aber ich frage mich, was daran generell negativ sein soll. Da wird seit langem (zu Recht) gefordert, dass sich solche Unternehmen verändern und in Richtung erneuerbare Energien wandeln sollen. Wenn sie es dann tun, wirft man es ihnen vor!? Dass eine Firma mit neuen Geschäftsfeldern auch wirbt, kann aus meiner Sicht nicht zum Vorwurf gemacht werden. Was wird denn erwartet? Dass über solche (Fort-)Schritte kein Wort verloren wird? Entscheidend ist, dass es nicht ein "Einzelfall" ist, sondern tatsächlich und konsequent die Weichen in Richtung CO2-freie Zukunft gelegt werden. Und da gibt es erfreulicherweise viele Unternehmen in der Erdöl- und Energiebranche, die diesen Weg eingeschlagen haben.

    Zweites Beispiel im erwähnten Newslettter sind "Fluglinien, die CO2-neutrale Flüge versprechen". Das wird mit sogenanntem "Offsetting" realisiert,also den Ausgleich der entstandenen Emissionen durch Investionen in Projekte, durch die eine entsprechende Kohlendioxideinsparung finanziert wird. Wenn das richtig gemacht wird (und namhafte Fluglinien arbeiten meiner Einschätzung nach mit seriösen Partnern zusammen), ist das allemal besser, als so eine Option nicht zu wählen. Noch besser wäre natürlich gar nicht zu fliegen, aber in vielen Fällen ist das Flugzeug wohl die einzige realistische Option um an ein Ziel zu gelangen (nicht jeder kann mit dem Segelschiff den Antlantik überqueren). Offsetting mit den richtigen (also sorgsam ausgewählten und umgesetzten) Projekten vermeidet übrigens nicht nur zusätzliche Treibhausgase, sondern bringen auch positive Effekte bei der Bekämpfung von Armut und anderen UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (durch Studien belegt).

    Ich würde mir eine differenziertere Betrachtung durch den VKI wünschen (z.B. durch Verweis auf das Thema in Heft 4/2020) und nicht solche Angebote pauschal als Greenwashing zu verurteilen.

    Beste Grüße
    (ein jahrzehntelanger und großteils zufriedener Abonnent)
  • wo ist der Expertentalk auf den ich mich gefreut habe?
    von sylphe9 am 11.10.2020 um 18:09
    Ich frage mich, warum im Newsletter Mail ("Umweltzeichen als Barriere gegen Greenwashing") und auch in der Einleitung hier vollmundig von einem Gespräch mit Experten geschrieben wird und es sich dann letztendlich doch nur um eine Ansammlung von Punkten nach einer nicht näher erklärten Organisation handelt.
    Ebenso fehlt die Heranführung des Laien an das Thema. Woher soll der Konsument nach diesem Artikel nun wissen was kein Greenwashing ist? Das Bsp mit den Plastikflaschen war ja sehr gut, aber es fehlt ein ebensolches für Firmen die ihre ökologischen Auswirkungen ernstnehmen. Z.B. Wenn eine kärtnerische Eistee produzierende österreichische Firma wie Makava auf Glasflaschen setzt und in Österreich produziert spricht man zurecht von ökolgisch (Glasflaschen und regional produziert).
    Ebenso ist die Auflistung der Punkte doch ein wenig zu wenig um jeden Konsumenten in dem Bereich wirklich auf einen guten Wissensstand zu bringen.

    Lieber VKI das könnt ihr Besser und das habt ihr schon so oft bewiesen, denn sonst seids ihr total spitze!
    Ich bitte also auch bei dem Thema Nachhaltigkeit um eure gewohnte Qualität.

    Hochachtungsvoll,
    eine langjährige Abonnentin