KONSUMENT.AT - Greenwashing - Beispiel: H & M

Greenwashing

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KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 31.01.2019

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Beispiel: H & M

Der Modegigant verspricht seinen Kunden Nachhaltigkeit auf allen Ebenen, etwa mit dem Conscious-Siegel und "nachhaltigerer Baumwolle", oder mit dem Recycling von zurückgebrachter Kleidung, die weiterverkauft oder wieder verarbeitet werden soll.

Nunu Kaller (Greenpeace): "Ein Unternehmen, das wöchentlich neue Produkte in den Läden hängen hat und ein minimaler Anteil davon ist ,conscious’, ist per se schwierig. Nur ein Prozent dessen, was an Altkleidern gesammelt wird, lässt sich wirklich als Recycling-Faser in neue Kleidung mischen. Bei einer rundherum schlechten Produktion an ein, zwei Hebeln zu drehen, macht noch lange keine Nachhaltigkeit."

Stefan Grasgruber-Kerl (Südwind):

"Die „Conscious-Kollektion“ ist klares Greenwashing, da nur eigene Unternehmensverpflichtung. Ehrlicherweise sollte H&M statt "Conscious" einfach klar kommunizieren, was genau drin ist; also bio-zertifiziert oder recycelt oder BCI (Better Cotton Initiative).

Die Verwendung echter zertifizierter Bio-Baumwolle ist natürlich zu begrüßen. BCI ist zu wenig (siehe Antwort bei IKEA). Im Verarbeitungsbereich zahlt H&M trotz seines eigenen Versprechens aus 2013 bis heute keine existenzsichernden Löhne (siehe dazu www.cleanclothes.at/de/themen/news/krieg-die-kurve-h-m/. 
Das Fazit fällt somit ident aus, wie bei IKEA: Wenn H&M seine Conscious Kollektion wirklich verantwortlich produzieren würde, würde er Fairtrade oder/und biozertifizierte (z.B. GOTS)-Baumwolle verwenden, seinen Nähern existenzsichernde Löhne zahlen und einer glaubwürdigen sozialen Überprüfungsinitiative beitreten (wie z.B. Fair Wear Foundation).

Prinzipiell ist es gut, dass sich H&M um Altkleidung Gedanken macht. Leider ist es noch zu unklar, was genau damit passiert. Kleidung in gutem Zustand wird laut Website "als Second-Hand-Ware auf der ganzen Welt verkauft". Welche verheerenden Auswirkungen das auf lokale Märkte hat, ist mittlerweile bekannt."

Raphael Fink (Umweltzeichen):

"Alte Kleidung zurückgeben, die als Second-Hand-Kleidung verkauft, als Füllstoff oder Putzlappen weitergenutzt oder überhaupt rezykliert wird. Dafür vielleicht sogar einen Gutschein für den nächsten Kauf bekommen. Klingt gut?

Ist es nicht unbedingt. Das Problem beginnt damit, dass billige Kleidung, die mit den neuesten Trends mithält, und Nachhaltigkeit kaum Hand in Hand gehen. Gerade im Textilbereich ist weniger oft mehr.
Alte Kleidung zurückgeben, dafür einen Gutschein zu erhalten, um sich neues Gewand zu kaufen – das löst keine Probleme, sondern trägt dazu bei, dass sie weiter bestehen. Weil weiter gekauft wird, immer mehr vom selben. 
Alte Kleidung in anderen Märkten der Welt als Second-Hand-Kleidung zu verkaufen, klingt ebenfalls besser als es ist. In Tansania beispielsweise hat der Verkauf von billiger Second-Hand-Kleidung dazu beigetragen, dass die lokale Textilproduktion zusammengebrochen ist. In weiterer Folge eine ganze Bevölkerungsschicht verarmte. 
Und die Rezyklierung von Textilfasern ist aufgrund der Mischgewebe oft sehr schwierig und nur unter sehr  großem Aufwand herstellbar.

Hier appelliert H&M also an das öko-soziale Gewissen seiner Kunden, um Probleme zu lösen – die Kleiderriesen wie H&M überhaupt erst mitverursacht haben. Das entbehrt nicht einer gewissen Doppelbödigkeit. Aber natürlich kann theoretisch so auch eine Strategie aussehen, umweltbewusste und sozial eingestellte Kunden überhaupt erst in die eigenen Filialen zu bekommen. Ein klassischer Fall von Greenwashing.

Die echte Lösung liegt hier einfach darin, weniger, faire und nachhaltig erzeugte Kleidung (z.B. aus Bio-Baumwolle) zu kaufen. Die Textilbranche ist ein Bereich, der die Grenzen nachhaltigen Konsums aufzeigt: nicht Konsum bringt hier die Lösung, sondern erst die Reduktion beziehungsweise noch besser der Verzicht. Eine alte Socke zu bringen und stattdessen ein neues T-Shirt zu kaufen, löst aber mit Sicherheit kein Problem – weder aus sozialer Sicht noch aus Umweltperspektive."

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