KONSUMENT.AT - Gutscheine: FAQ - Barablöse, Teilbeträge, Insolvenz, Gewährleistung, Corona, Reisen

Gutscheine: FAQ

Nicht immer gut

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KONSUMENT 9/2021 veröffentlicht: 26.08.2021

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Kann man einen Gutschein auch in Teilbeträgen einlösen?

Ja, das ist normalerweise kein Problem. Wenn es sich um elektronische "Wertkarten" handelt, verbleibt der Restbetrag auf der Karte, andernfalls stellt der Händler eine neue – eben reduzierte – Gutschrift aus. Eine Verpflichtung, den Restbetrag in bar auszuzahlen, gibt es nicht.

Ich hatte einen Gutschein in Höhe von 500 Euro für ein Modehaus geschenkt bekommen. Dann kam Corona – und das Unternehmen schlitterte in die ­Insolvenz. Daraufhin wollte ich sofort den Gutschein einlösen. Er wurde aber nicht mehr angenommen, weil ich angeblich Gläubiger bin! Wie ist die rechtliche Lage?

Ein Gutschein stellt eine Vorauszahlung des Kunden für eine noch nicht spezifizierte, in der Regel erst zu erbringende Leistung des Unternehmens dar. Ihr Gutschein ist daher rechtlich gesehen eine Forderung gegen das Unternehmen. Sie sind daher tatsächlich Gläubiger – wie sämtliche Personen, die eine Forderung gegen das betroffene Unternehmen haben. Daher darf ein in Insolvenz befindliches Unternehmen keine Gutscheine mehr einlösen, da das andere Gläubiger benachteiligen würde und somit strafrechtlich relevant wäre. Die Rechtslage ist hier eindeutig. Sie haben nur noch einen Ersatzanspruch, der grundsätzlich im Konkurs angemeldet werden kann. Zu bedenken ist aber, dass sich eine Anmeldung in den meisten Fällen nicht auszahlt, da in einem Insolvenzverfahren oft nur geringe Quoten erreicht werden und eine Anmeldegebühr von 23 Euro zu zahlen ist.

Wir bekommen von unserem Dienst­geber Sodexo-Gutscheine. Unlängst wollte ich im Supermarkt bei einem Rechnungsbetrag von 4,93 Euro mit ­einem 5-Euro-Sodexo-Gutschein ­bezahlen. Die Kassiererin wollte mir aber die 7 Cent nicht rausgeben. Ich finde das sehr irritierend, dass diese Gut­scheine, die als Zahlungsmittel gelten, nicht als solches behandelt werden und dieser Supermarkt seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anweist, kein Geld auf die Gutscheine rauszugeben.

Das ist aber korrekt so. Wir nehmen an, dass Ihr Arbeitgeber die Gutscheine im Zuge ­eines Verpflegungszuschusses an Sie ausgibt. Verpflegungszuschüsse können bis zu einer gewissen Höhe steuerfrei gewährt werden. (Für eine Konsumation im Betrieb sind das 4,40 Euro, außerhalb 1,10 Euro ­ pro Tag.) Eine auch nur teilweise Ablöse der Gutscheine in bar würde also streng gesehen diese steuerliche Begünstigung auf­heben. Daher sind solche Gutscheine auch nicht teilweise (z.B. durch Wechselgeld) in Bargeld zu verwandeln. Dies ist auch in den entsprechenden Verträgen zwischen Sodexo und den Einzelhändlern geregelt.

Ich möchte eine vor Kurzem gekaufte Wanderjacke zurückgeben, im Gegenzug wird mir ein Gutschein angeboten. Muss ich das akzeptieren?

Das kommt darauf an: Wenn das gekaufte Produkt einen Mangel hatte (etwa undicht war), dann wäre das ein Gewährleistungsfall und Sie haben ein Recht auf Austausch, Verbesserung oder Geld zurück. Wenn Sie die Regenjacke aus anderen Gründen zurückgeben wollen, dann ist das Kulanz und ein Gutschein für Sie ohnehin die beste Lösung.

Kann man für einen Gutschein eine Barablöse verlangen?

Es gibt (juristisch gesehen) in der Praxis kaum relevante Ausnahmen, aber wenn das nicht extra vereinbart wurde (was sehr unüblich wäre): nein.

Ich habe einen Geschenkgutschein für ein Motorsportereignis, das nunmehr von Österreich nach Ungarn verlegt wurde. Ich will derzeit nicht dorthin. Was tun?

Wenn der Leistungsumfang des Gutscheins sich wesentlich ändert (und das liegt in einem solchem Fall zweifellos vor), haben Sie (bzw. der Käufer des Gutscheins) Anspruch auf Rückerstattung des Gegenwerts.

Ich hatte in einem Wiener Veranstaltungslokal für einen April-Termin 2020 Konzertkarten gekauft. Das Konzert wurde – angesichts der COVID-Situa­tion – auf 2021, der neue Termin um ein weiteres Jahr auf April 2022 verschoben und die Tickets wurden sozusagen „gutgeschrieben“. Die Karten sind schon lange bezahlt. Was, wenn ich zu diesem Termin nicht kann?

Für den Veranstaltungsbereich gibt es anlässlich der Pandemie sogar ein eigenes Gesetz. Es gilt für Veranstaltungen im Kunst-, Kultur- und Sportbereich, die aufgrund der Corona- Pandemie im Jahr 2020 oder 2021 nicht stattfinden konnten (ausgenommen jene, die vom Bund, dem Land oder einer Gemeinde durchgeführt werden). Veranstalter müssen demzufolge nicht in jedem Fall den vollen Betrag rückerstatten, sondern können in ­gewissen Fällen eine Gutscheinregelung ­nutzen. Dabei entscheidet die Höhe des ­Ticketpreises: Bis 70 Euro kann der Veranstalter einen Gutschein ausstellen, zwischen 70 und 250 Euro haben Sie das Recht auf Rück­erstattung, für Beträge über 250 Euro gilt wieder eine Kompensation als Gutschein als zulässig. Ab 01.01.2023 (für Veranstaltungen, die bis zum 30.06.2021 entfallen sind) oder 01.01.2024 (für Veranstaltungen, die nach dem 30.06.2021 entfallen sind) kann man Gutscheine, die nicht eingelöst wurden, in bar auszahlen lassen. ­Natürlich bleibt es ­Ihnen unbenommen, ­einen Ersatztermin zu akzeptieren. Bei Abos (etwa eines Fußballvereins) kann man alternativ zu einem ­Gutschein auch die Anrechnung auf ein folgendes Abo verlangen.

Ich hatte für September 2020 eine ­Andalusien-Rundreise gebucht, die aufgrund von Corona nicht statt­gefunden hat. Der Veranstalter hat uns eine Gutschrift ausgestellt, aber wie ist die rechtliche Lage, was die ­Einlösung dieser Gutschrift betrifft?

Wenn eine Pauschalreise wegen Corona abgesagt wurde, muss man keinen Gutschein akzeptieren. Sie haben Anspruch auf Rückerstattung Ihrer geleisteten Zahlungen.

Mag. Maria Ecker - Leiterin des VKI-Beratungszentrums (Bild: A. Thörisch/VKI) "Mein Tipp:Wenn Sie Probleme mit der Einlösung von Gutscheinen haben, sind wir mit einem ersten kostenlosen Rat für Sie da: Montag bis Freitag unter (01) 588 77-0, jeweils 9 bis 13 Uhr." - Mag. Maria Ecker MA, Leiterin der VKI-Beratung

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