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Fertigrasen

Sattes Grün zu stolzen Preisen

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Konsument 5/2009 veröffentlicht: 30.04.2009

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Praxistipps: Bodenvorbereitung, Rasenansaat, Pflege

Von der Verlegung bzw. Aussaat abgesehen, unterscheiden sich Fertigrasen und angesäter Rasen nicht von ihren Ansprüchen an den Untergrund, den Standort und die Pflege.

Standortvoraussetzungen und Bodenvorbereitung

Für Rasenflächen sind vor allem sonnige Standorte mit ausgewogen lehmig-sandigen Bodenverhältnissen geeignet. Der pH-Wert sollte zwischen 5,5 und 6,5 liegen, also im schwach sauren Bereich. Bei lehmigen Böden mit Staunässeproblemen ist eine tiefgründige Lockerung (mittels Motorfräse aus dem Geräteverleih) und eine Bodenverbesserung über die Zugabe von Quarzsand mit 3 bis 5 mm Körnung sinnvoll.

Sehr sandige Böden werden durch Beigabe von humusreicher Acker- oder Gartenerde bzw. von Komposterde verbessert, sodass der Boden Nährstoffe und Wasser besser speichern kann (Komposterde gibt es – zum Teil sogar kostenlos – bei öffentlichen Kompostierungsanlagen, sie sollte aber wegen möglicher Schwermetallrückstände nur bei Rasenflächen, nicht bei zukünftigen Gemüsebeeten verwendet werden).

Bei einer Neuanlage wird der Oberboden gefräst, Unebenheiten werden durch zusätzliche Materialaufbringung ausgeglichen und die Fläche wird von Steinen, Wurzeln und anderem groben Unrat gesäubert. Danach erfolgt die Feinplanie zur Vorbereitung für die Ansaat. Auf einer Baustelle vorhandenen, aufgehäuften Humus gegen Verunkrautung mit Kunststoff-Folie abdecken!

Ideal als Bodenvorbereitung ist eine Gründüngung mit Leguminosen, die den Boden tief auflockern und wertvolle organische Substanz und Nährstoffe liefern. Die Aussaat der Gründüngung erfolgt im Frühjahr, danach wird etwa Mitte August der Aufwuchs in den Boden eingefräst. Wenn sich der Boden gesetzt hat und ein feinkrümeliges Saatbett vorbereitet wurde, erfolgt die Einsaat dann Anfang bis Mitte September.

Als schnellere Alternative zur Gründüngung können Sie eine handelsübliche Düngermischung aus Stickstoff, Phosphat und Kalium im Verhältnis 3 : 1 : 1 einarbeiten.

Rasenansaat

Die Ansaat ist im Vergleich zum Fertigrasen sehr kostengünstig und bietet eine größere Auswahl. Es ist ratsam, nur Qualitätssaatgut mit gekennzeichneten Mischungszusammensetzungen zu verwenden.

Der günstigste Aussaatzeitpunkt für Rasensaatgut ist der Herbst, solange die Bodentemperatur noch hoch genug ist. Für eine gute Keimung benötigt das Saatgut eine Temperatur von mindestens 10 oC. Im Frühling ist der Boden ab Ende April warm genug, allerdings ist hier der Bewässerungsaufwand gegenüber einer Herbstansaat höher. Je nach Saatgutmischung müssen 20 bis 25g/m² per Hand oder mittels Streuwagen aufgebracht und mit einem steil gestellten Rechen 1,5 bis 2 cm in den Boden eingearbeitet werden. Eine zu dichte Aussaat unterdrückt die langsamer keimenden Gräser und Kräuter und bewirkt eine höhere Anfälligkeit für Pilzerkrankungen. Mittels Walze oder Trittbrettern wird der Samen dann angedrückt.

Bis zur vollständigen Entwicklung der Gräserwurzeln muss die Ansaat so beregnet werden, dass die obersten 4 cm des Bodens befeuchtet sind (ca. drei Wochen lang; am schonendsten mittels Balkenregner). Ein Austrocknen während der Keimphase bewirkt ein Absterben der Grassamen. Bedenken Sie die unterschiedliche Wuchsgeschwindigkeit der Gräser und hören Sie keinesfalls mit dem Bewässern auf, wenn die ersten horstbildenden Halme heraußen sind.

Der erste Schnitt erfolgt bei einer Aufwuchshöhe von etwa 6 bis 8 cm. Die Schnitthöhe für Gebrauchsrasen beträgt etwa 4 bis 5 cm. Eine dichte Rasenfläche benötigt mit einer Ansaat mindestens 6 Monate, bis sie vollständig benutzbar ist.

Rasenpflege

Jeder Rasen benötigt regelmäßige Pflege. Deren Art und Umfang wird von der Funktion und der Nutzungsintensität bestimmt, aber auch von Ihren persönlichen Ansprüchen und dem Zeit- und Arbeitsaufwand, den Sie zu treiben bereit sind. Oder mit einem Augenzwinkern ausgedrückt: Jeder hat den Rasen, den er verdient.

Darf auch das eine oder andere Unkraut im Rasen vorkommen, so verringert sich der Pflegeaufwand beträchtlich. Die meisten Rasenprobleme lassen sich durch die Auswahl des richtigen Saatguts, regelmäßiges Mähen, Düngen, Wässern und Vertikutieren vermeiden bzw. beseitigen.

Mähen: Durch den regelmäßigen Schnitt werden die Gräser zu einer dichten Bestockung angeregt, die höheren Unkräuter verdrängt und die Belastbarkeit erhalten. Der erste Schnitt erfolgt im März nach Beginn des Gräserwachstums. Dabei sollte nie mehr als ein Drittel des Aufwuchses entfernt werden.

Damit er nicht zu sehr austrocknet, sollte Rasen allgemein nicht kürzer als vier Zentimeter geschnitten werden. Vor längerer Abwesenheit im Sommer den Rasen keinesfalls „kurz scheren“. Nach der Rückkehr nur wenig einkürzen und etappenweise zur gewünschten Schnitthöhe zurückkehren. Der letzte Schnitt erfolgt im Herbst, Ende Oktober/Anfang November.

Wässern: Für die Entwicklung einer stabilen Rasensode sollte seltener, aber umso durchdringender gewässert werden (ca. 20 bis 25 l/m²). Meist genügt einmal pro Woche. Bester Bewässerungszeitpunkt: die frühen Morgenstunden (Bewässern am späten Abend kann Schnecken anlocken. Das Wasser sollte tief in den Boden eindringen, um die Gräser und Kräuterwurzeln zum Wachstum nach unten zu bewegen. Dann können sie auch trockenere Perioden schadlos überstehen. Bei Wassermangel färben sich die Blätter der Gräser braun und rollen sich ein. Die Pflanzen treiben aber bei Befeuchtung wieder aus.

Düngen: Die Dünger werden grundsätzlich nach der Wirkungsdauer eingeteilt. Mineralische Dünger sind leicht löslich und schnell wirkend; organische Dünger haben aufgrund von humusfördernden Umsetzungsprozessen eine Langzeitwirkung; organisch-mineralische Dünger erzielen durch die Kombination nicht wasserlöslicher Nährstoffe mit mineralischen Salzen eine Sofort- und Langzeitwirkung; umhüllte Dünger mit Langzeitwirkung garantieren eine Versorgung über einen längeren Zeitraum von bis zu 6 Monaten.

Zu hohe Gaben von mineralischem Dünger haben allerdings ein Auswaschen des überschüssigen, leicht löslichen Nitrats und damit eine Belastung des Grundwassers zur Folge. Für normalen Gebrauchsrasen ist ein Dünger mit sich langsam lösenden Nährstoffen ratsam. Ein hoher Düngeeinsatz hat einen erhöhten Bewässerungseinsatz zur Folge.

Siedeln sich hingegen diverse anspruchslose Kräuter im Rasen an, zu denen z.B. auch das häufig zu sehende Gänseblümchen zählt, ist dies ein Hinweis auf Wasser- und Nährstoffmangel.

Günstig ist es, dreimal im Jahr zu düngen. Im Frühjahr und Sommer mit einer Düngermischung aus Stickstoff, Phosphat und Kalium im Verhältnis 3 : 1 : 1, und im Herbst sollte dann mit Kalium gedüngt werden, weil dies die Grashalme stärkt und die Frosttoleranz erhöht. Vor dem Düngen den Rasen schneiden, Schnittgut entfernen und beregnen, weil sonst „Verbrennungsschäden“ auftreten könnten.

Vertikutieren: Unter Vertikutieren versteht man das Herauskämmen von abgestorbenem Gras und Moos mittels Vertikutierrechen oder Vertikutiergerät. Durch das Vertikutieren wird der verdichtete Rasenfilz aufgerissen und zerschnitten, sodass die Gräser wieder genügend Licht, Luft und Wasser erhalten und auch die Nährstoffzufuhr wieder funktioniert. Die beste Jahreszeit für das Vertikutieren ist das Frühjahr, nach Vegetationsbeginn. Nach dem Vertikutieren muss die Rasenfläche gesäubert und bei Bedarf gewässert und gedüngt werden.

Aerifizieren und Besanden: Eine Maßnahme, die speziell dem Erhalt älterer Rasenflächen dient. Beim Aerifizieren werden mechanisch (Geräteverleih) bis zu 8 cm tiefe Löcher in den Rasen gestochen. Entweder mit „Vollzinken“, das sind angespitzte Metallstäbe, die das Erdreich nach außen verdrängen, oder mit „Hohlzinken“, also Metallhülsen, die in den Boden eindringen und den in der Hülse steckenden Boden entfernen. Die „Stöpsel“ bleiben auf dem Rasen liegen und können entfernt werden.

Die Effektivität der Maßnahme hängt sehr stark von der Dichte der Zinken bzw. der Einstiche ab. Je mehr Einstiche pro Flächeneinheit gemacht werden, desto wirksamer ist die Maßnahme.

Die Löcher werden mit trockenem Quarzsand verfüllt. Dieser wird flächig ausgebracht und schließlich leicht in die Löcher gekehrt. 1 bis 3 Liter pro m² sind sinnvoll und notwendig.

Verwendet werden sollten grobe und scharfkantige Sande. Das erhöht das Porenvolumen. So kann Wasser leichter abfließen und Luft besser an die Wurzeln gelangen. Gewaschener Sand, bei dem abschlämmbare Feinteile entfernt wurden, ist empfehlenswert.

Unkrautbekämpfung: In den meisten Rasenansaaten, aber auch im Fertigrasen, siedeln sich nach einiger Zeit ausdauernde, flachwüchsige und damit schnittverträgliche Wildstauden an. Diese können Sie mechanisch entfernen und die entstandenen Lücken locker mit Rasensamen bestreuen. Alternativ dazu gibt es natürlich Herbizide, die zum Teil auch Düngermischungen beigefügt werden.

Es gibt freilich noch eine andere Sichtweise: Gebrauchsrasen mit einem hohen Kräuteranteil weist im Gegensatz zum Zierrasen eine wesentlich höhere Trockenresistenz auf und bietet über das Jahr auch noch einen reizvollen Blühaspekt.

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