Orientteppiche - Kommerz in Wolle

Qualität am Boden

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Konsument 6/1999 veröffentlicht: 01.06.1999

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Ein Jahr Arbeit für 2 mal 3 Meter

Eines der wichtigsten Kriterien für den Preis ist die Zahl der Knoten (siehe Kasten). Je mehr Knoten, desto mehr Arbeit, umso höher der Preis. Wobei der Preis sehr stark vom Lohnniveau im Erzeugerland abhängt. Am „teuersten“ ist die Arbeitskraft in der Türkei, gefolgt vom Iran, extrem niedrig sind die Löhne in Pakistan, Indien und China. Ob die Zahl der Knoten auch ein Zeichen für Qualität ist, darüber streiten die Experten, der Grazer Ombudsmann Reinisch: „Was nützen mir eine Million Knoten pro Quadratmeter, wenn der Teppich fad ist?“ Die Produzenten passen sich an die Käufer an, und von denen will keiner gern viel Geld ausgeben. Also werden im Iran, aber auch in den anderen Ländern, vermehrt Teppiche geringerer Qualität angeboten – mit 150.000 bis 500.000 Knoten pro Quadratmeter. Teppiche mit über 800.000 Knoten sind seltener. Sayahpour: „Das Verhältnis von feinen zu gröberen Teppichen ist zirka 30 : 70.“

Lohn: 40 Schilling pro Tag

Meistens machen Frauen und Mädchen diese Arbeit; Kinderarbeit ist nicht selten. Geschickte Knüpferinnen benötigen nur drei bis vier Sekunden, um einen Knoten zu machen. Das ergibt bei einem mittelfeinen Teppich (zwei mal drei Meter) eine theoretische Herstellungszeit von fünf Monaten. Mit allen anderen Zusatzarbeiten dauert es in der Regel aber ein Jahr, bis so ein Stück fertig ist. Reich wird weder das fleißige Bauernmädchen noch der fleißige Manufakturarbeiter: Im Iran verdient ein Knüpfer pro Tag in der Manufaktur zwischen 25 und 40 Schilling, in Indien und China noch viel weniger.

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Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo