Geldanlage: Strukturvertriebe

Interview mit einem Aussteiger

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KONSUMENT 11/2011 veröffentlicht: 11.10.2011

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Wie viel wurde angehenden Beratern an monatlichem Einkommen versprochen?
Diese Strukturvertriebe sind ja klug, die versprechen nichts. Es wurden damals immer durchschnittliche Beispielrechnungen präsentiert, die sie mit monatlichen Cash-Schecks von Mitarbeitern und Führungskräften via Overhead belegten. Ich habe in den Präsentationen Beträge gesehen, die lagen für einen Anfänger zwischen 10.000 und 20.000 Euro und im visionär suggerierten MLM-Karriereaufstieg zwischen 100.000 und 1.000.000 Euro und mehr. - Außerdem kann jeder Mitarbeiter im monatlichen internen Report die Brutto-Verkaufs-  und Verdienstzahlen seiner Kolleginnen und Kollegen nachlesen.

In Schulungen argumentiert der Strukturvertrieb wie folgt:

Die Arbeit des Vertriebes teilt sich auf in A, also Analyse, in B, das ist Beratung und in S, also Service. Als Vereinfachung aller mathematischen Berechnungen zu Geldwerten wird mit einem Einheiten-System gearbeitet. Das heißt: Jeder Mitarbeiter bekommt für seine Arbeit einen bestimmten Einheitswert aus einer vordefinierten Liste gutgeschrieben. - Ich ergänze: Nicht gesagt wird, dass Arbeit Verkauf heißt.

Die Einheiten werden dann mit dem Geldwert der jeweiligen Karrierestufe multipliziert.

Womit verdienen die kleinen Berater hauptsächlich ihr Geld?
Mit dem Verkauf von vorgegebenen Finanzprodukten.

… und die Führungskräfte?
Die verdienen an den Provisionen der kleinen Agenten mit.

Prüfen höhere Mitarbeiter die Eignung der neuen Mitarbeiter?
Nein. Eine Prüfung der Person im Sinne des Wortes gibt es nicht. Überprüft werden Einsatz- und Vertrauensbereitschaft des Mitarbeiters. Erfüllt jemand diese Vorgaben nicht oder fragt jemand zu oft und zu kritisch nach, dann ist die Person ungeeignet. Im Laufe der Zeit werden aber von einem Agenten externe Prüfungen gefordert, etwa bei Wirtschafts- und Handelskammern.

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Kommentare

  • Staatsanwaltschaft
    von REDAKTION am 14.12.2011 um 11:24
    Seit Ende November/Anfang Dezember 2011 liegt die Angelegenheit beim Staatsanwalt. Ihr KONSUMENT-Team
  • super aktuell....
    von arsenal06 am 01.11.2011 um 15:17
    sehr "aktuelle" aussagen von einem, der 1989 - 1996 branchenerfahrung sammelte (also in summe um die 7 jahre) und die letzten 15 jahre (also mehr als doppelt soviel) einfach mit "das system ist bis heute immer das gleiche" abtut. und "zucki" gebe ich durchaus recht, dass das alles ein fall für den staatsanwalt wäre. die frage ist nur, wenn das alles genau so ist, wie oben "aktuellst" beschrieben - warum kümmert sich dann die staatanwaltschaft nicht darum???
  • Amway für Finanzprodukte
    von DanDocPeppy am 31.10.2011 um 22:31
    Im Grunde nichts anderes als Amway für Finanzprodukte...
  • Wie ist das bloß alles möglich?
    von powerplana am 12.10.2011 um 19:55
    Bin ja rechtlicher Laie, aber sind solche Dinge nicht ein Fall für den Staatsanwalt? Und wo bleibt eigentlich die Finanzmarktaufsicht? Und wenn ich seh, wie die Konsumenten bei solchen Machenschaften immer die Blöden sind und dann noch jahrelang herumklagen müssen, kommt mir überhaupt die Galle hoch!
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