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mit dem Rollstuhl unterwegs -
sind nicht nur sportliche junge Leute, sondern es gibt zunehmend ältere Personen, die zur Fortbewegung auf den Rollstuhl angewiesen sind. Den sie dann mangels Kraft und Beweglichkeit nicht selbst dahinrollen können, sondern auf eine Begleitperson angewiesen sind. Diese Begleitpersonen schieben dann den Rollstuhl mit einem Eigengewicht von ca. 12 bis 25 Kilo. Plus der erwachsenen Person mit weiteren 60 bis 85 Kilo. Und ggf. noch eine angehängte Tasche mit persönlichen Sachen.

Nun hat das Bundesministerium für Soziales den ganzen Herbst hindurch mit teuren halb- und ganzseitigen Inseraten in Tageszeitungen hingewiesen, wie behindertenfreundlich Österreich doch wäre ... Dem muß ich widersprechen. Noch immer sind Gehsteigkanten nicht genügend abgeflacht, Haltenstellensteige mit mehreren Zentimetern erhöht, Gehsteigbreiten durch Werbeaufsteller von Geschäften und Verkehrszeichenständern deutlich verengt. Bei jedem Gehsteig und in jedem Haltestellenbereich muß man als Begleitperson also mühsam ungefähr 100 Kilo aufkippen, weil diese noch immer vorhandenen Erhöhungen sonst den Rollstuhl durchs Anstoßen zum Umfallen bringen.

Bahnhöfe (auch solche die Hauptumstiegsbahnhöfe sind wie bsp. Hadersdorf am Kamp) sind noch immer nicht mit einem Lift ausgestattet. Oder man nehme den Bahnhof Meidling, der zwar über einen Aufzug verfügt und nun zu noch größerem Personenaufkommen gelangt, weil die Züge nicht mehr vom Westbahnhof fahren sondern vom Hauptbahnhof mit Umstiegsstelle Bahnhof Meidling - hier jedoch nur ein ziemlich kleiner Aufzug das gar nicht alles bewältigen kann. Unzählige Menschen, Kinderwagen, Rollatoren, Einkaufswagerl, Koffer, Rollstühle - der Aufzug ist oft außer Betrieb und absolut zu klein dimensioniert.

Die Haltestelle der Linie 9 am Westbahnhof ist auch ein Thema für sich: eine tiefgelegte Rundung der Haltestelle und eine eckige Bim - der klaffende Spalt ist gefährlich. Die Niederflurbims laufen vorne schmäler zusammen, damit ist ein größerer Spalt zur Haltestelle. Wenn Öffi und Haltestelle eng parallel sind, kann man den Rollstuhl ohne Hilfe rein und raus schieben; so aber muß der Bimfahrer immer extra aussteigen und die Rampe ausklappen - also Zeitverlust. Kein Wunder, daß viele Bimfahrer, Busfahrer lieber "weg sehen".

Aber auch die Erreichbarkeit viele Ärzte und Labors (bsp. Blutabnahme) hat sich nicht verbessert. Immer noch sind Stufen und keine verfügbaren Rampen. Oder Miniaufzüge, wo bloß der Rollstuhl nicht aber die Begleitperson rein paßt. Zum Jubeln also kein Grund. Da hätte das Ministerium sein Geld besser investieren können als in diese nutzlosen Inserate. Und vom Patientenanwalt kam eine Liste, wer aller wofür im einzelnen zuständig wäre zur Beseitigung dieser Mißstände. Unzählige einzelne Ansprechpartner.

Besser wäre wohl, diese Problemstellen mal mit einem derartigen Rollstuhl-Gewicht abzufahren - dann wüßten die Verantwortlichen wohl wortlos Bescheid, worauf es wirklich ankommt. Ich stelle mich (uns - mit Rollstuhl) gerne für Testfahrten zur Verfügung, denn man muß es wohl mit eigenen Augen sehen und mit eigenem Körper erleben, um es ändern zu können.
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Angemeldet als: Gast      Die aktuelle Uhrzeit ist: 18. June 2021 23:16