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Jedes Jahr bringt der VKI die mehr oder minder gleiche Hitparade der Beschwerden über die ÖBB. Der VKI fungiert als verstärkendes und dramatisierendes Sprachrohr und inszeniert ein "ÖBB-Theater" statt "EU-Theater", wie es vom Boulevard bekannt ist.
Die Verantwortung für die eigene Vergesslichkeit und das selbstverschuldete unbekümmerte Handeln wird quasi den ÖBB in die Schuhe geschoben. "Kulanz, Kulanz!" ruft der VKI im Namen all jener, die falsche Daten beim Kauf von Sparschiene-Tickets angegeben oder ihre Zeitkarten vergessen haben.
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Ist die vernichtende Kritik an den ÖBB in allen Fällen wirklich gerechtfertigt? Ich erlaube mir im Folgenden, einige Fälle zu hinterfragen (Überschriften und Zitate sind dem Artikel "ÖBB: Ärger – Null Toleranz statt Kulanz" entnommen: https://www.konsument.at/oebb-aerger032020). Der VKI erweckt den Eindruck, dass es mehr um Kritik der Kritik wegen geht. Das wiedergekäute, einseitig kritische Auflisten der Fahrgastbeschwerden zeigt, wo das Lesen des "Konsument" zum Ärgernis wird.

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Teure Vergesslichkeit
Gering ist die Toleranz, wenn mal einem Fahrgast ein Irrtum unterläuft. So hatte Thomas E. seine Jahresstreckenkarte vergessen und bekam im Zug eine Nachforderung in der Höhe von 135 Euro aufgebrummt. Laut Zugbegleiter sollte er sich an die Mailadresse fahrgeldnachforderung@pv.oebb.at wenden, damit von der Nachforderung abgesehen werde. Die Mailadresse erwies sich als „tot“. Telefonische Kontaktversuche blieben erfolglos, niemand fühlte sich zuständig. Auch auf das digitale ÖBB-Kontaktformular war nach 10 Tagen noch immer keine Rückmeldung eingelangt. Die Zahlung ist aber binnen 14 Tagen zu leisten. Dann kam doch noch eine Antwort: Die Nachforderung werde auf 10 Euro reduziert.
Wieso teure Vergesslichkeit? Der Einspruch wurde doch anerkannt und auf 10€ Überprüfungsgebühr reduziert. Die Bearbeitung nimmt halt wie überall einige Zeit in Anspruch.
HINWEIS: In einem solchen Fall sollte man sich nicht nur an die ÖBB, sondern gleichzeitig auch an die apf (Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte) wenden, denn dadurch wird automatisch die Inkasso-Instanzen-Eskalation gestoppt.
Beim VKI sollte man eigentlich wissen, dass die Fahrgeldnachforderungsstelle telefonisch nicht erreichbar ist.
Apropos Toleranz: Bei zu großer Toleranz könnte man mit dem Schmäh der vergessenen Jahreskarte jeden Tag gratis fahren. Ist das im Sinn des VKI?
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Überprüfung vergessener Zeitkarten
Es bleibt die Frage: Warum schaffen es die ÖBB nicht, die Zugbegleiter mit der Möglichkeit auszustatten, selbst sofort zu überprüfen, ob jemand eine (angeblich) vergessene Zeitkarte, Vorteilscard etc. wirklich besitzt.
Der Zugbegleiter hat an sich die Möglichkeit, zu Bürozeiten (!) bei einer internen Stelle telefonisch nachzufragen, ist aber nicht verpflichtet dazu, wie ich herausgefunden habe. Grundsätzlich fällt bei einer Überprüfung eine Gebühr von 10€ an. (Ich habe einmal miterlebt, wie es einer telefonisch nachgefragt hat – ohne die Gebühr einzuheben).
Das Nachfragen ist aber nur betr. Vorteilscard und Österreichcard möglich. Denn alle sonstigen Jahreskarten sind Verbundfahrausweise, da hat ÖBB-Personal generell keinen direkten Zugang (auch am Schalter nicht). Und falls es sich um Wochen- oder Monatskarten handelt, gibt es sowieso keine Möglichkeit, weil die nirgends registriert, anonym und übertragbar sind – außer sie wurden online gekauft, dann kann man es nachträglich nachweisen.
(An VKI: Es bleibt die Frage: Wieso hat das beim VKI bzgl. Zeitkarten niemand bedacht? Unbedarftheit oder Hauptsache ÖBB-Bashing?)
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Die Qual der Zugwahl
Renate K. hatte keine Zeit mehr, das Ticket am Automaten zu kaufen, und wollte ich es online erwerben. Obwohl noch zwei Minuten bis zur Abfahrt, war dies nicht mehr möglich, da der Zug laut Anzeige bereits abgefahren war – was nicht korrekt war. … Letztlich brummte ihr der Schaffner in Hütteldorf 105 Euro Strafe auf.
Wenn das so stimmt, wie geschildert („noch zwei Minuten bis zur Abfahrt“), ist es natürlich sehr ärgerlich. Online-Fahrkarten können bis 1 Minute vor der fahrplanmäßigen Abfahrt gekauft werden.
In Nahverkehrszüge darf man grundsätzlich nur mit gültiger Fahrkarte einsteigen. Sie im Zug zu kaufen, ist nur vorgesehen, wenn in der Einstiegsstation kein Automat vorhanden ist oder er nicht funktioniert (wobei man Letzteres am besten durch Anruf bei der Störungshotline gemeldet haben sollte und dann einen Code erhält oder, wenn möglich, durch ein Foto belegt).
HINWEIS: Hat man wegen Zeitknappheit keine Fahrkarte, sollte man sich trotzdem sofort aktiv an den Zugbegleiter wenden (d.h. ihn suchen) und um den Verkauf einer Fahrkarte ersuchen. Verpflichtet ist er nicht, es gibt bösartige Schaffner, die es nicht tun. Die meisten machen es aber. Aber es gibt auch Zugbegleiter, die keine Fahrkarten verkaufen können, sondern nur Kontrollfunktion ausüben (ohne Kontrolleure zu sein.) [Pech ist natürlich, wenn keiner mitfährt oder sich in der Triebfahrzeug-Kabine versteckt. Dann müsste man bei jeder Station schauen, ob einer einsteigt oder ständig aufmerksam sein, ob er auftaucht. Damit käme die Fahrt einem Sitzen auf Nadeln gleich.]
Fernverkehrszüge: ÖBB: "Bitte teilen Sie unseren Mitarbeitern im Rahmen der erstmaligen Ticketkontrolle sofort und unaufgefordert mit, dass Sie ein Ticket benötigen." Zudem wird ein Aufpreis von 3€ verrechnet. Aber auch hier sollte man am besten gleich beim Einsteigen den Zugbegleiter ansprechen und nicht warten, bis er kommt.
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Umbuchung nicht möglich
Auch die Sparschiene-Tickets sind eine stete Quelle für teure Irrtümer.
Irgendwie wundere ich mich schon: Die Leute wollen so billige Fahrkarten wie möglich, achten aber nicht genau darauf, was sie eingeben: falsches Datum, falscher Name (!). Und der Fehler fällt auch erst zwei Tage später auf (!?). Wird bei der Buchung von Flügen auch so schlampig vorgegangen? Dort gibt es in der billigsten Kategorie auch keine Umbuchungsmöglichkeit.
Andererseits sollte es schon möglich sein, am selben (!) Tag falsch gebuchte Tickets umzubuchen – gegen eine Gebühr von z.B. 5€. Denn wenn es ohne Zeitlimit und ohne Gebühr ginge, könnte man vorsorglich Sparschiene-Tickets für einen Zug buchen und kurz vor dem Reisedatum umbuchen, weil man seine Reispläne kurzfristig geändert hat. Das würde das Kontingent für andere verringern. Ist das im Sinn des VKI?
HINWEIS: Sparschiene-Tickets für Nachtzüge sowie generell für Fahrten ins Ausland (z.B. Frankfurt) können auch an einem Bahnschalter gekauft werden. Ich nehme an, wenn dabei eine Fahrkarte mit falschen Daten ausgestellt wird und es sofort bemerkt wird, kann der Kauf rückgängig gemacht werden, denn es könnte sich ja auch der ÖBB-Mitarbeiter vertan haben, was natürlich nicht zulasten des Bahnkunden gehen darf.
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Verwirrspiel Vorteilscard Senior
Renate R.: „Mit der ÖBB-Vorteilscard Senior, habe ich mir gedacht, erhalte ich laut Werbung der ÖBB österreichweit immerhin 45 Prozent Ermäßigung auf Standard-Einzeltickets beim Schalter. Ja, das war einmal. Bei meiner vergangenen Fahrt … habe ich lediglich eine Ermäßigung von 20 Prozent erhalten. Laut Auskunft der ÖBB gelangt bei Fahrten innerhalb eines Verkehrsverbundes stets der jeweilige Verbundtarif (und die Verbund-Ermäßigung) zur Anwendung. Da habe ich mich gefrotzelt gefühlt.“
Da frage ich mich schon, ist Renate R. keine oder erst eine neue VKI-Abonnentin, denn sonst müsste sie Bescheid wissen, da das Thema jedes Jahr aufs neue aufgewärmt wird. Wenn man sich nicht ordentlich informiert und dann aufregt, fühle ich mich gefrotzelt.
Die ÖBB müssen die Karte mit "bis zu 50% Ermäßigung bewerben" – wenn nicht, sollte der VKI die ÖBB wegen irreführender Angaben verklagen – genauso, wie er es bei Media Markt und anderen Unternehmen erfolgreich getan hat. (An VKI: Bitte ernst nehmen ) Das würde aber letztlich auch nichts nützen, weil die Omas dann glauben, es müssten 45% sein. Gegen vorgefasstes Glauben ist die umfassendste Information machtlos.
Übrigens: Auch Inhaber einer VC Classic erhalten bei Verbundfahrten nicht 50% Ermäßigung vom angezeigten Normalpreis (Verbundtarif), sondern meistens weniger.
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Unklare Zuganzeige
Für Verwirrung sorgen im Bereich Wien missverständliche Zuganzeigen betreffend Fahrten nach Norden. So wird bei Zügen zwar augenfällig das (Zwischen-)Ziel Floridsdorf angezeigt, aber die Endbahnhöfe sind nicht mehr angeführt.
Das betrifft nicht nur den Norden (Floridsdorf), sondern auch den Süden (Meidling). (Hallo VKI-Redaktion, ist von Euch noch niemand mit der Wiener Schnellbahn gefahren?)
Diese Anzeigen sind wirklich ärgerlich, vor allem wenn ein Zug Verspätung hat. Dazu müsste man mit einer großangelegten Petition Druck auf die ÖBB ausüben, um das wieder abzuschaffen. Denn die geänderten Anzeigen sind ein Anliegen des obersten ÖBB-Managements, das beweisen will, dass die ÖBB-Züge auf der Stammstrecke in gleichen oder sogar kürzeren Intervallen als die U-Bahn verkehren – daher 2 Anzeigen: der nächste und der übernächste Zug. Nur: ÖBB-Züge haben ganz unterschiedliche Ziele auf unterschiedlichen Strecken.
Bei Zügen, die Richtung Flughafen fahren, steht "Rennweg". Das dient auch nur der Verwirrung von nicht besonders Ortskundigen und vor allem von Touristen, die sich mit "Rennweg" nichts anfangen und zum Flughafen wollen.
Wenn man schon partout auf U-Bahn machen will, sollte man das Ziel anzeigen und darunter fix Meidling bzw. Floridsdorf bzw. Rennweg anzeigen und nur die anderen Halte abwechselnd einblenden.
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Das Hoffen auf Kulanz
Langjährige Vorteilscard-Besitzerin und Vielfahrerin mit der Bahn löste am Automaten das Ticket zum Vorteilscard-Preis. Bei der Kontrolle stellte sich aber heraus, dass die Vorteilscard am Vortag abgelaufen war. Daraufhin wurde die VC ohne Erklärung abgenommen. Am nächsten Tag kaufte sie die neue VC. Nach etwa zwei Monaten kommt Mahnschreiben mit einer Forderung von 153 Euro … „Der Schaffner hatte nichts von einer Bezahlung erwähnt. Es stand Aussage gegen Aussage – und der Fahrgast sagt natürlich nicht die Wahrheit! Kulanz? Fehlanzeige!“
Das Vorgehen ohne Erklärung und ohne Bezahlmöglichkeit ist natürlich nicht in Ordnung. Tatsache ist, dass die Person für diese Fahrt keine gültige Vorteilscard hatte. Da die Bahnfahrerin ausdrücklich als langjährige Vorteilscard-Besitzerin und Vielfahrerin beschrieben wird, wundere ich mich schon. Denn ungefähr 2 Monate vor Ablauf der Vorteilscard erhält man ein Erinnerungsschreiben mit Zahlschein für die Verlängerung. Wieso wurde nicht rechtzeitig verlängert?
Okay, in einem solchen Fall (VC ein Tag vorher abgelaufen und neue VC am nächsten gekauft) hätte man ein Auge zudrücken können. Andererseits: Wieso wurde die neue VC eigentlich erst am nächsten Tag gekauft? Selbst wenn in der Ausstiegsstation kein Bahnschalter vorhanden ist, online kann man die Vorteilscard wohl auch für ein Datum ab dem Kauftag bestellen. Das spricht nicht für Gewissenhaftigkeit.
HINWEIS: In einem solchen Fall unbedingt die apf einschalten, obwohl das natürlich auch keine Garantie auf Nachsicht ist.
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PS: Jetzt werden einige wieder argwöhnen, dass ich ein ÖBB-Agent sei. Ich sehe mich als "kritischen Freund der ÖBB". Die ÖBB sehen mich als lästigen Beschwerdeführer, obwohl sie mir eigentlich dankbar sein sollten, weil ich schon auf viele (echte) Fehler hingewiesen habe: falsche oder widersinnige Tarifbestimmungen, fehlende Preisangaben, falsche Fahrkarten im Ticketshop oder am Automaten etc. Manchmal bewirkt es rasch etwas, meistens erhalte ich mittlerweile als Persona non grata gar keine Stellungnahme mehr, dann muss ich mich an die apf wenden, die dann vermittelnd einschreitet, oft nur halbherzig, um die Angelegenheit so rasch wie möglich ad acta legen zu können.

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Angemeldet als: Gast      Die aktuelle Uhrzeit ist: 03. June 2020 20:15