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8 Antworten Seiten:  1
Vor kurzem in einer Gaststätte beim Wandern mit einem Freund im Wienerwald: hingesetzt, auf Karte gesehen, dass Wasser verrechnet wird, 2x1/4 Obi in 1/2 Liter Gläser bestellt, die wir selbst mit Wasser aus unseren Wasserflaschen auffüllen wollten. Auch Essen wollten wir. Vom Kellner angeschnauzt, dass wir unser Wasser nicht reinmischen dürfen, denn selbst mitgebrachte Getränke sind verboten, auch Wasser. Gegangen ohne Konsumation.

Immer öfters gibt es "Service Gebühren" für Leitungswasser. Was in der Toilette literweise kostenlos runterfließt, kostet im Glas plötzlich ~0,5 Euro.

Da die Wirte nun aber das Wasser nicht verkaufen, sondern nur eine Servicegebühr für den Aufwand nehmen, müsste es doch gestattet sein, sein eigenes Wasser (kein Mineral, keine Softdrinks usw) mitzubringen oder auch das Wasser selbst beim Waschbecken zu zapfen, solange man kein Glas des Wirtes benutzt.

Wäre das nicht ein sanfter Protest, den man als Konsument ausüben könnte?
Wir berichten dazu folgendes:
http://www.konsument.at/cs/Satellite?pagename=Konsument/MagazinArtikel/Detail&cid=318881930866 Hier finden Sie auch eine umfassende Diskussion.



User Morgenstern - Sie fragen nach der rechtliche Lage:

Es gibt unseres Wissen nach keine Rechtsvorschrift, die das regelt, die es erlaubt oder verbietet. Hier zählt ein anderer Aspekt: Ein Wirt hat so etwas wie Hausherrn-Rechte. Ein Wirt darf im eigenen Lokal die Spielregeln bestimmen, darf bestimmen, was es zum Essen und Trinken gibt (sofern es nicht sittenwidrig ist) und was es kostet. Eine Mutter, die den Brei fürs Baby anrührt, wird er nicht rauswerfen dürfen, denn er hat dem Kind bzw. der Mutter wahrscheinlich nichts Angemessenes anzubieten.
Ein Unternehmer ist in der Regel auch nicht gezwungen einen Kunden (und dessen Wünsche) zu akzeptieren – kein Kontrahierungszwang nennen das die Juristen. Der Wirt muss also den Wunsch des Kunden nach Gratis-Leitungswasser nicht akzeptieren. Ob, in welcher Situation und wie weit das kaufmännisch klug ist ist natürlich eine andere Sache.

Ihre KONSUMENT-Redaktion

This message was edited 5 times. Last update was at 24. July 2012 17:08

REDAKTION wrote:Wir berichten dazu folgendes:
http://www.konsument.at/cs/Satellite?pagename=Konsument/MagazinArtikel/Detail&cid=318881930866

Ihre KONSUMENT-Redaktion


Ich würde gerne noch immer die rechtliche Lage dazu erfahren, ob man reines Trinkwasser selbst mitnehmen darf oder zb einen leeren Plastikbecher mitnehmen und das Wasser selbst am Klo zapfen?
Einre rechtliche Beurteilung kann ich Ihnen freilich nicht liefern, aber ein historische, eine faktische und eine menschliche-persönliche:

Historisch: Das "Stoppelgeld" hat in Wien Tradition. Googeln Sie danach. Für mitgebrachte Getränke muss - sofern das der Wirt überhaupt zulässt - bezahlt werden.


Faktisch: Wenn Sie meinen: " Was in der Toilette literweise kostenlos runterfließt, kostet im Glas plötzlich ~0,5 Euro. "

Kostenlos?

Sie haben eine Mietwohnung, jede Wette.

Andernfalls würden Sie wissen, wieviel Wasser kostet. Ihr Wirt zahlt dafür sogar zweimal: Wenn er es bezieht UND wenn SIE es "literweise runterfließen" lassen.

Die Stadt Wien hat die entsprechenden Gebühren mit Anfang vergangene Jahres um, wenn ich mich recht entsinne, sogar um die Hälfte angehoben (könnte aber auch "nur" ein Drittel sein). Ist Ihnen bewusst, dass das für einen Gastro-Betrieb mehrere 100 Euro pro Monat ausmachen kann?

Ganz offensichtlich nicht. Deshalb BIN ICH FÜR DIE INSTALLATION VON WASSERZÄHLERN in jeder Wohnung und die verbrauchsabhängige Abrechnung pro Wohneinheit, damit sich auch Menschen wie Sie endlich des Wertes UND der Kosten von Wasser bewusst werden (wie bei Strom und Gas auch) und diesen nicht nur über die Betriebskostenabrechnung anonymisiert präsentiert bekommen.

Unterm Strich: Wenn Sie "das Wasser selbst am Klo zapfen", nehmen Sie ein zu bezahlende Leistung in Anspruch.

Menschlich-persönlich: Der Preisunterschied zwischen Apfelsaft pur und "mit Wasser aufgespritzt" hätte wohl 50 Cent ausgemacht. Wollen Sie das Ihrem Wirten wirklich nicht gönnen? Nun gut.

Dann wäre es doch eine naheliegende Alternative, die mir aus meiner Kindheit noch geläufige Tradition wieder aufleben zu lassen: Mama packt das Schnitzel und den Gurkensalat im Glasl ein, und es geht hinaus auf die Wiese am Laaerberg oder in den Wienerwald - ganz ohne ausbeuterische Wirtsleut', aber halt mit EIGENER Arbeit und gegebenenfalls mit Amweisen unter dem Allerwertesten verbunden.

Pfennigfuchsereien wie die Ihre empfinde ich als widerlich, hoffe aber für Sie, dass Sie diese auch beim Kauf Ihres letzten Smartphones und des TV-Flatcscreens haben walten lassen ...

This message was edited 8 times. Last update was at 25. January 2013 02:22

REDAKTION wrote:Wir berichten dazu folgendes:
http://www.konsument.at/cs/Satellite?pagename=Konsument/MagazinArtikel/Detail&cid=318881930866 Hier finden Sie auch eine umfassende Diskussion.



User Morgenstern - Sie fragen nach der rechtliche Lage:

Es gibt unseres Wissen nach keine Rechtsvorschrift, die das regelt, die es erlaubt oder verbietet. Hier zählt ein anderer Aspekt: Ein Wirt hat so etwas wie Hausherrn-Rechte. Ein Wirt darf im eigenen Lokal die Spielregeln bestimmen, darf bestimmen, was es zum Essen und Trinken gibt (sofern es nicht sittenwidrig ist) und was es kostet. Eine Mutter, die den Brei fürs Baby anrührt, wird er nicht rauswerfen dürfen, denn er hat dem Kind bzw. der Mutter wahrscheinlich nichts Angemessenes anzubieten.
Ein Unternehmer ist in der Regel auch nicht gezwungen einen Kunden (und dessen Wünsche) zu akzeptieren – kein Kontrahierungszwang nennen das die Juristen. Der Wirt muss also den Wunsch des Kunden nach Gratis-Leitungswasser nicht akzeptieren. Ob, in welcher Situation und wie weit das kaufmännisch klug ist ist natürlich eine andere Sache.

Ihre KONSUMENT-Redaktion


Liebe Redaktion! Das ist keine Frage der "kaufmännischen Klugheit", sondern mittlerweile der "kaufmännischen Notwendigkeit".

Mittagsmenüs und -tagesteller etwa sind immer eine Mischkalkulation zwischen erwartetem Essen UND Trinken. Fällt letzterer Teil weg - weil halt die Gäste lieber Wasser trinken oder sich die Getränke gar selbst mitbringen - wird mittelfristig das Essen um genau diesen Betrag teurer werden (müssen). Abgesehen davon, bedeutet selbst das scheinbar simple Servieren von Wasser einen - von den Gästen freilich nicht so wahrgenommen - Aufwand "hinter den Kulissen":

  • Das Glas muss gekauft werden.
    Das Glas geht zu Bruch oder wird mitgenommen.
    Das Glas muss eingeschenkt werden.
    Das Glas muss zum Tisch gebracht werden.
    Das Glas muss von dort abgeholt werden.
    Das Glas muss in den Gläserspüler verbracht werden.
    Der Gläserspüler muss gekauft worden sein.
    Der Gläserspüler muss im Rahmen der Betriebsstättengenehmigung abgenommen worden sein.
    Der Gläserspüler verbraucht erheblich elektrische Energie.
    Der Gläserspüler benötigt Spülmittel.
    Der Gläserspüler muss regelmäßig gewartet werden.
    Der Gläserspüler muss gelegentlich repariert werden.
    Das Glas muss dem Gläserspüler entnommen werden.
    Das Glas much auf Sauberkaut geprüft werden.
    Das Glas muss von Restverschmutzungen händisch befreit werden (Lippenstift)
    Das Glas muss getrocknet/poliert werden.
    Das Glas muss in das Regal gestellt werden.
    Das ausgeschenkte Wasser muss bezahlt werden.
    Das vom Gläserspüler bezogene Wasser muss bezahlt werden.
    Das vom Gläserspüler abgepumpte Wasser muss bezahlt werden.


  • Alles Dinge, die nicht nur Geräte, sondern auch Menschen erfordern, welche die entsprechenden Handlungen vornehmen. In einem "normalen Haushalt" mag das kaum ins Gewicht fallen, obwohl es selbst da schon öfters zu Diskussionen gekommen sein soll, wer denn nun den Tisch abräumt und den Geschirrspüler füllt/ausräumt....

    Und das nehme man jetzt mal 10 oder 100 mal täglich - das schlägt personell wie finanziell in einem Betrieb unübersehbar zu Buche. Da bekommt der vermeintliche verbürgte Anspruch auf das Gratis-Glas Wasser als alleinigem Getränk vielleicht doch eine andere Färbung.

    Nicht zuletz deshalb gibt es auch entsprechende Empfehlungen der Wirtschaftskammer, die das Glas Wasser zum Kaffee oder zum Wein als traditionelle, kostenlose Beigabe sehen, für dieses als "Stand alone-Getränk" aber dessen Verrechnung nahelegen.

    Dies finde ich nicht nur aus Gastro-wirtschaftlichen Aspekten gerechtfertigt, sondern auch unter dem Gesichtspunkt, dass dem Konsumenten Wert und Kosten des nur scheinbar allzeit und zum Nulltarif verfügbaren Gutes Wasser ins Bewusstsein gerückt werden. Die aktuelle EU-Diskussion über die mögliche Privatisierung der Wasserrechte ist - insofern - gar nicht so schlecht ....


    This message was edited 1 time. Last update was at 25. January 2013 02:19

    NETclub50plus wrote:
    Dies finde ich nicht nur aus Gastro-wirtschaftlichen Aspekten gerechtfertigt, sondern auch unter dem Gesichtspunkt, dass dem Konsumenten Wert und Kosten des nur scheinbar allzeit und zum Nulltarif verfügbaren Gutes Wasser ins Bewusstsein gerückt werden. Die aktuelle EU-Diskussion über die mögliche Privatisierung der Wasserrechte ist - insofern - gar nicht so schlecht ....


    Sofern Sie Ihr Posting von allen emotionalen und persönlich untergriffigen Unterstellungen bereinigt habe, gebe ich gern Antwort darauf.

    Aber zu Ihrem Abschlusswort fällt mir nur die höchst menschenfeindliche Ansicht des Nestlé-Konzernchef Peter Brabeck ein: https://www.youtube.com/watch?v=nTqvBhFVdvE



    Noch zum Nachdenken
    http://blog.fefe.de/?ts=affc45e9

    Zitat
    "Ich habe vor einer Weile mal eine Dokumentation über die öffentliche Wasserversorgung gesehen, bei der sie eindrücklich den Punkt machten, dass die Wasserabrechnung pro Wasserverbrauch totaler Mumpitz ist, weil das teure die Fixkosten sind und nicht das Wasser. Und weil man mit den Kosten pro Wasserverbrauch die Leute zum Sparen bringt, was dann zu weniger Wasserbewegung führt, was zu mehr Keimen im Wasser führt, was die Wasserqualität senkt. In Berlin war die Reaktion der Wasserwerke darauf, dass sie periodisch die Hydranten aufdrehen und sinnlos Wasser in die Gegend pumpen."

    Dazu eine Bestätigung der Stadt Berlin:
    http://www.berlin.de/ba-neukoelln/presse/archiv/20120913.1350.375347.html

    "Um die Desinfektionsmaßnahmen zu optimieren und zu beschleunigen, ist die Mitarbeit der Mieterinnen und Mieter durch regelmäßiges Öffnen der Zapfstellen wie z.B. dem Wasserhahn, der Dusche, und der Toilettenspülung erforderlich."
    Es ist schon interessant, wie man hier auf ein sachliches Thema, derart emotional reagiert.

    Aus rechtlicher Sicht kann ich nur den Eintrag von Konsument bestätigen. Im österr. Gesetz http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010290&FassungVom=2013-01-30 findet sich soweit auch kein Hinweis.

    Im der Standard vom 29. Juli 2010, ist Wasser als Menschenrecht dargestellt;
    Auf Antrag Boliviens erklärte die UN-Vollversammlung am 28. Juli 2010 mit den Stimmen von 122 Ländern und ohne Gegenstimme den Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitärer Grundversorgung zu Menschenrechten. 41 Länder enthielten sich der Stimme, darunter USA, Kanada und 18 EU-Staaten. Da Menschenrechte nach Völkerrecht nicht einklagbar sind, ergeben sich zunächst keine rechtlichen Konsequenzen. Jedoch könnte die neue Resolution nun die Auffassung stützen, dass sauberes Wasser und Sanitäranlagen zu einem „angemessenen“ Lebensstandard gehören und somit aufgrund des völkerrechtlich bindenden Internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, der das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard enthält, eingeklagt werden. Einige Länder wie Südafrika oder Ecuador haben das Recht auf Wasser in ihre Verfassung übernommen.

    Zur Überlegung:
    Wasser ist immer noch Grundbaustein unseres Lebens.
    Der menschliche Körper besteht zu über 70 % aus Wasser. Ein Mangel an Wasser führt daher beim Menschen zu gravierenden gesundheitlichen Problemen (Dehydratation, Exsikkose), da die Funktionen des Körpers, die auf das Wasser angewiesen sind, eingeschränkt werden. Gerade ältere Leute sind davon mehr betroffen, und sollen für jeden Schluck bezahlen? Das animiert außer Haus eher dazu, weniger zu trinken.

    Und was ist mit der christlichen Taufe? Rein theoretisch müsste das noch teurer sein, weil doch geweiht? Die Taufe bedeutet Hinwendung zu Christus und Aufnahme in die Kirche, aber Abzocke macht auch vor Gott nicht halt?

    An der Tankstelle? Dort verplempern wir es mit Scheibenwaschen und für den Kühler – natürlich ohne zu zahlen.

    Und natürlich die Notfälle nach einem Unfall: hier bekommt man ebenfalls Wasser injiziert. Hier werden wir User NETclub50plus aber vorher einen Obulus abverlangen bevor wir helfen, denn diese Dienstleistung (professionelle Hilfe) ist teurer als die DL im Gasthof.

    Und die Hundebesitzer, die mit einem 4beiner einen Gastgarten aufsuchen an einem heißen Sommertag? Waldi muss wohl aus der Kloschüssel schlürfen – Wie pervers ist denn unsere Gesellschaft geworden?
    Nur zur Richtigstellung: in der zuletzt EU-weit diskutierten zukünftigen Konzessions-Richtlinie geht es um die Organisation der Trinkwasserversorgung, und nicht um den Zugriff auf unsere Wasserressourcen. Näheres entnehmen Sie hier: http://www.lebensministerium.at/wasser/wasser-eu-international/europaeische_wasserpolitik/eu_trinkwasserver.html

    This message was edited 2 times. Last update was at 30. January 2013 13:18

    Im Prinzip ist es ganz einfach:
    Der Preis für ein Glas Wasser muss, wenn dafür Geld verlangt wird, auf der Karte angeführt sein - Preisauszeichnungspflicht.
    Ist das in einem Lokal der Fall, dann verlasse ich dieses wieder.

    Ein Glas Wasser zu einer Konsumation welcher Art auch immer ist Gastfreundlichkeit und muss kostenlos sein. Punkt. Ich kenne glücklicherweise ausreichend Gaststätten, die aufgrund ihrer hohen Qualität für ihre Produkte jenen Preis verlangen können (und auch bezahlt bekommen), der es ihnen ermöglicht, ohne "Quersubventionierung" aus überteuerten Getränken oder "Wassergebühren" auszukommen.

    Ansonsten ist es Sache des Gastwirtes im Rahmen seines Hausrechtes zuzulassen was er will und was nicht, solange keine Gesetze gebrochen werden. Es ist Sache des Kunden, das zu tolerieren oder das Lokal zu verlassen.
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    Angemeldet als: Gast      Die aktuelle Uhrzeit ist: 17. July 2019 15:26