KONSUMENT.AT - Kreuzfahrtschiffe - Energieverbrauch einer Kleinstadt

Kreuzfahrtschiffe

Leistbarer Luxus?

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KONSUMENT 11/2018 veröffentlicht: 25.10.2018, aktualisiert: 22.11.2018

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Energieverbrauch: wie Kleinstadt, aber Schweröl

Im Gegensatz zu anderen (ebenfalls umweltschädlichen) Transportmitteln wie Flugzeugen oder Autos werden Schadstoffe bei Schiffen nicht nur während der Fahrt ausgestoßen, sondern rund um die Uhr. Denn auch wenn die Schiffe vor Anker gehen, wird der volle Betrieb aufrechterhalten – für Beleuchtung, Klimaanlage, Küche, Events etc. Der Energieverbrauch entspricht dem einer Kleinstadt, und das alles wird mit Schweröl betrieben.

Die an sich logische Inanspruchnahme des an Land vorhandenen Stromnetzes ist meist nicht möglich, da überwiegend weder die Häfen noch die Schiffe dafür gerüstet sind. Der Grund liegt in den Kosten: Strom aus dem eigenen Schweröl ist konkurrenzlos billig. Für Strom, den sie an ihrem Ankerplatz beziehen, müssten die Reedereien gut dreimal so viel zahlen. "Selbst die Reedereien, die es könnten, tun es nicht", so Malte Siegert, Leiter der Umweltpolitik von NABU Hamburg.

Leichte Verbesserungen

Die Situation wendet sich zum Besseren – wenn auch langsam. Ab 2020 sinkt der Grenzwert für Schwefeloxid-Emissionen von 3,5 auf 0,5 Prozent. Bei Schweröl wird eine Reduktion der Emissionen in ähnlichem Umfang wohl kaum möglich sein. Man hofft, dass die Reedereien bis dahin großteils auf Marinediesel – eine Art gereinigtes Schweröl – umgestiegen sind. Allerdings kommt auch Marinediesel auf einen 100-mal höheren Schwefelanteil als herkömmlicher Diesel.

Flüssiggas keine Lösung

Eine spürbare Entlastung der Umwelt könnte durch die Verwendung von Flüssiggas (LNG – liquefied natural gas) erzielt werden. Luftschadstoffe wie Schwefel- oder Stick­oxide würden dadurch stark reduziert. Doch auch hier verläuft die Entwicklung schleppend. Das erste Kreuzfahrtschiff der Welt, das mit LNG betrieben wird, ist erst kürzlich vom Stapel gelaufen – die AIDA Nova.

Den Klimawandel kann im Übrigen auch Flüssiggas nicht aufhalten; was den Kohlen­dioxidausstoß betrifft, unterscheidet es sich kaum von Diesel oder Schweröl. Das hehre Ziel, das sich die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO gesetzt hat – Halbierung der Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 – kann mit LNG nicht realisiert werden.

Es geht auch ohne Emissionen

Klimaschutz ist nur mit alternativen Antriebsformen zu erreichen, mit Elektro- oder Wasserstoffmotoren. Ein vielversprechendes Projekt wurde im Juni 2018 in Graz vorgestellt. Ausgerechnet dem Binnenland Österreich ist es gelungen, das Innovationsprojekt der EU HyMethShip an Land zu ziehen. Die Leitung des Projekts wurde dem Großmotoren-Forschungszentrum LEC an der TU Graz zugeschlagen.

Ziel: eine fast vollständige Eliminierung des CO2-Ausstoßes, 80 Prozent weniger Stickoxide und eine um 45 Prozent höhere Energieeffizienz. Das Konzept: Aus Methanol wird Wasserstoff hergestellt, der einen Verbrennungsmotor antreibt. Methanol wiederum wird aus dem anfallenden CO2 gewonnen – ein geschlossener CO2-Kreislauf.

Umsetzung noch weit entfernt

Im Labor funktioniert das Ganze bereits … Bis zur Umsetzung in der Praxis werden allerdings noch viele Jahre vergehen. Dabei sind es nicht die Forschungsarbeiten, die eine so lange Zeit in Anspruch nehmen würden. Für das EU-Projekt sind laut LEC-Pressesprecherin Nina Simon drei Jahre veranschlagt. Es liegt vielmehr an den Reedereien, die ihre alten Schiffe erst dann aus dem Verkehr ziehen, wenn sie schrottreif sind. 

Die Lebensdauer eines Kreuzfahrtschiffes beträgt rund 40 Jahre, und auch heute noch werden Schiffe gebaut, die auf Schweröl ausgelegt sind und keine effiziente Abgasreinigung besitzen.

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Kommentare

  • Schweröl
    von Heto am 14.11.2018 um 18:05
    Es ist noch krasser. Die 4 größten Containerschiffe verschmutzen die Umwelt mehr als alle Pkw der Welt.
    Aber die Autofahrer kann man ja sekkieren.
    In Hamburg wurde eine Straße für ältere Dieselfahrzeuge gesperrt. Ca 100 m weiter im Hafen stehen die Schiffe mit laufenden Generatoren.
    Eines stimmt aber nicht: Im Hafenbereich darf kein Schweröl verfeuert werden.
  • Abgaswerte sind ein von der Politik und der EU geduldeter Wahnsinn
    von gerhard56 am 05.11.2018 um 08:59
    1 Kreuzfahrtschiff produziert so viele Emissionen wie 5 Mio. Pkw. Es gibt rund 300 große Kreuzfahrtschiffe, d.h. die Abgase sind so viel wie 1,5 Mrd. (1.500.000.000) Pkw's. Es gibt aber lt. Internetrecherche weltweit rd. 680 Mio. Pkw. ! Dies bedeutet, dass nur die 300 größten Kreuzfahrtschiffe mehr als doppelt so viele Emissionen produzieren wie alle Pkw's weltweit zusammen. Dann gibt es aber noch unzählige kleinere Kreuzfahrtschiffe und Containerschiffe. Da fragt man sich: Das stört unsere EU-Politiker nicht ? Hauptsache Glühlampen sind weg und Dieselfahrer bzw. alle Autofahrer werden mit hohen Steuern und Fahrverboten etc. schikaniert. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Ich denke mir, dass die Vertreter der Schifffahrtskonzerne wohl in Brüssel mit Geldgeschenken ein und aus gehen.
  • Royal Clipper
    von skipper54 am 30.10.2018 um 10:54
    Wir machen nur Segelkreuzfahrten mit einem 5 Master,da passen nur 200 Passagiere drauf und 100 Besatzungsmitglieder.Hat natürlich seinen Preis,die Kabine kostet 3000€ pro Person für 1 Woche.