Kürbiskerne gegen Reizblase

Blasenschwäche oder Inkontinenz

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KONSUMENT 3/2017 veröffentlicht: 15.02.2017

Inhalt

Können Kürbiskerne oder Kürbiskern-Präparate Frauen und Männern mit Reizblase, Blasenschwäche oder Inkontinenz helfen?

Wir sagen: Es gibt keine Beweise, dass Kürbiskerne oder Präparate bei Blasenschwäche oder Inkontinenz helfen können.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend


Der Gang zur Toilette ist noch nicht lange her, doch schon wieder signalisiert die Blase das Bedürfnis nach Entleerung. Menschen mit einer Reizblase (überaktive Blase) ist das Gefühl bekannt. Manche verlieren ungewollt Urin. Mediziner bezeichnen das als Inkontinenz. Als pflanzliches Mittel bei Reizblase oder Inkontinenz werden Präparate aus Kürbiskernen beworben. Dass sie wirksam sind, haben Studien bislang jedoch nicht belegen können.

Mangelhafte Studie

Trotz intensiver Suche fanden die Wissenschaftler von medizintransparent nur eine klinische Studie. Daran hatten 120 Frauen teilgenommen, die an einer Reizblase litten. Die Arbeit ist allerdings mangelhaft. Untersucht wurde zudem nicht die Wirkung von Kürbiskernen alleine, sondern die einer Kombination von Kürbiskernextrakt und einemExtrakt aus Sojakeimlingen. Nach zwölf Wochen Behandlung ließ sich keine Besserung erkennen. Die Frage, ob die Probleme durch Kürbiskern- Präparate längerfristig gelindert werden können, lässt sich nicht beantworten, da die Studiendauer zu kurz war.

Männer ebenso betroffen

Auch Männer können an einer Reizblase und an Inkontinenz leiden. Ursache ist häufig eine gutartig vergrößerte Prostata. Das Problem tritt bei Männern mit fortschreitendem Alter zunehmend auf. Auch hier gibt es keine überzeugenden Hinweise, dass Kürbiskerne die Beschwerden bessern können. Eine Studie, in der dies untersucht worden wäre, war nicht auffindbar.

Blasentraining als Abhilfe

Bei Problemen durch eine Reizblase kann ein Blasentraining helfen, den starken Drang zu kontrollieren. Dabei „lernt“ die Blase, sich stärker zu dehnen und mehr Harn zu speichern. Bei Inkontinenz kann ein Beckenboden-Training helfen. Es stärkt die Muskeln, die den Austritt von Urin aus der Blase kontrollieren. Bei Frauen sind Blasentraining und Beckenbodentraining erwiesenermaßen wirksame Hilfen gegen Blasenprobleme. Bei Männern ist die Wirksamkeit nicht gut untersucht. Fachleute vermuten jedoch, dass die Übungen auch ihnen helfen können. Frauen leiden deutlich häufiger an einer Reizblase als Männer.

Muskeln als Ursache 

Das liegt vermutlich an den die Harnblase umgebenden Muskeln. Diese scheinen übermäßig aktiv zu sein und sich öfter zusammenzuziehen. Besonders häufig betroffen sind Frauen in der Menopause, übergewichtige Menschen sowie Männer mit gutartiger Prostatavergrößerung bzw. nach einer Prostataoperation. Manche Medikamente können Beschwerden durch eine überaktive Blase lindern, sie haben jedoch oft unerwünschte Wirkungen wie Mundtrockenheit oder Konzentrationsschwierigkeiten. Helfen andere Maßnahmen nicht, können Operationen die Beschwerden bessern, doch sie sind ebenfalls mit Risiken und unerwünschten Wirkungen verbunden.

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Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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