KONSUMENT.AT - Knirps & Co Familienbox - Verteilung süßer Lebensmittel in Kindergärten

Knirps & Co Familienbox

Werbung im Kindergarten für gesüßte Lebensmittel

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veröffentlicht: 14.10.2021

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Diesmal im Lebensmittel-Check: Die von der Agentur Sachen & Machen in Kindergärten verteilten „Familienboxen“ geben kein gutes Beispiel für gesunde Ernährung. Die Werbung für süße Lebensmittel kann bei Kindern den Zuckerkonsum erhöhen.

 

Das steht drauf: Knirps & Co Familienbox

Verteilt in: Kindergärten im Burgenland und in Wien

Das ist das Problem

Eine Konsumentin informierte uns, dass sogenannte „Familienboxen“ als Werbeaktion in Kindergärten im Burgenland und teilweise auch in Wien verteilt werden. Sie enthalten Produkte wie Nestlé Kakao, Prinzenrolle Doppelkekse und Rauch Eistee, also ein ganze Reihe an gesüßten Lebensmitteln.

Sehr verärgert über den Inhalt der verteilten Schachteln schrieb uns die Konsumentin: „Solche Samplings machen sämtliche Bestrebungen, von Anfang an ein gesundes Ernährungsverhalten zu prägen und damit die Ursachen von Übergewicht und Adipositas bei Kindern wirksam zu bekämpfen, zunichte. Vielmehr werden dadurch schon die ganz Kleinen geradezu angeleitet, sich ungesund zu ernähren.“ Auch das Verteilen der bunten Päckchen mit teilweise süßem Inhalt in Kindergärten findet die Konsumentin bedenklich: „Muss und darf das sein? In Zeiten, wo alles beschränkt und geregelt wird, kommen Leute in den Kindergarten und verteilen solche Boxen?“

Keine Werbung im Kindergarten!

Auch unserer Meinung nach ist es ganz und gar nicht in Ordnung, in Kindergärten Werbeproben für zuckerhaltige Produkte zu verteilen. Generell sind Kindergärten als sensible Umgebung keine Orte für Werbeaktionen. Bei der Knirps & Co Familienbox der Agentur Sachen & Machen handelt es sich um Zielgruppenmarketing für unterschiedliche Unternehmen. Laut Homepage der Marketingagentur geht es bei den „Produktproben für Kinder“ darum, die Zielgruppe Familie direkt zu erreichen. Die Aufmachung der Kartonschachtel wendet sich jedoch eindeutig an Kinder.

Auch wenn die Werbegeschenke laut Agentur nur die Eltern erhalten sollen, macht es den Nachwuchs neugierig. Welches kleine Kind will nicht wissen, was sich in einer im Kindergarten ausgehändigten Box „Geheimnisvolles“ befindet? Gelangt der süße Inhalt der Päckchen direkt in Kinderhände, kann dies zum sorglosen Umgang mit Naschwerk beitragen. Nicht zuletzt werden die Bemühungen von Eltern, denen daran gelegen ist, die Entwicklung ihrer Kinder mit einer ausgewogenen Ernährung zu unterstützen, durch solche Aktionen unterlaufen.

Essgewohnheiten: frühe Prägung

Eine gesunde Ernährung beinhaltet viel Gemüse, Obst und andere pflanzliche Lebensmittel, tierische Produkte in Maßen sowie wenig fette, stark verarbeitete und süße Lebensmittel. Zur Flüssigkeitsversorgung sind ungesüßte Getränke ideal. Eine gute Orientierung für Kinder wie auch für Erwachsene bietet die „Österreichische Ernährungspyramide“ (siehe KONSUMENT 6/2018, Ausgewogene Ernährung für Kinder ). Da die Prägung von Ernährungsgewohnheiten bereits in früher Kindheit erfolgt, ist vor allem auch die Vorbildwirkung der Eltern wichtig.

Mit der richtigen Ernährung lassen sich auch Übergewicht bzw. Adipositas im Kindes- und Erwachsenenalter sowie durch falsche Ernährung mitbedingte Krankheiten reduzieren. Erhalten stark gesüßte Produkte bedeutende Präsenz im Umfeld von Kindern, wie das durch diese im Kindergarten verteilte „Familienbox“ der Fall ist, kann das ungesundem Ernährungsverhalten Vorschub leisten.

Agentur will Familienbox künftig zukleben

Die Agentur Sachen & Machen, die bereits langjährig direktes Zielgruppenmarketing betreibt, beteuert als Reaktion auf unser Anschreiben, nun die Knirps & Co Familienbox besser zu verschließen. Das ist gut, aber die Aufmachung und die Produktproben werden weiterhin die Kleinsten als Zielgruppe ansprechen. Daran ändern auch die aufgedruckten Hinweise „Die Produkte können Zucker enthalten“ nichts. Es ist zwar begrüßenswert, dass sich laut Stellungnahme bald ein Hinweis auf den Schachteln befinden soll, dass diese nur an Eltern zu verteilen seien, das grundsätzliche Problem bleibt jedoch bestehen: Werbung für diverse süße Produkte von Lebensmittelkonzernen hat im Kindergarten nichts verloren.

Die beigelegten Broschüren, zum Beispiel für die Freizeitgestaltung, mögen sinnvoll sein, sofern sie nicht ebenso hauptsächlich als Werbemedium für süße Snacks & Co zum Einsatz kommen.

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