KONSUMENT.AT - NÖM Schlagobers länger frisch - Unleserliche Beschriftung am Schraubverschluss

NÖM Schlagobers länger frisch

Recyceltes PET versus Getränkekarton

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veröffentlicht: 14.09.2021

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Was alles versprochen und dann nicht gehalten wird. Diesmal im Lebensmittel-Check: Was bringt die PET-Flasche des NÖM Schlagobers anstelle des Getränkekartons? Jedenfalls Ärger wegen des unleserlichen Aufdrucks des Mindesthaltbarkeitsdatums auf dem Deckel.

Das steht drauf: NÖM Schlagobers länger frisch

Gekauft bei: in vielen Geschäften erhältlich

Das ist das Problem

Wenn ein Produkt in einer anderen als der gewohnten Verpackung im Regal steht, wollen Konsumentinnen und Konsumenten den Grund für die Veränderung wissen. Oft ist nicht ganz klar, warum ein Verpackungsmaterial dem anderen vorgezogen wird. Ein Konsument hat uns geschrieben: „Mir ist aufgefallen, dass Schlagobers von NÖM nun nicht mehr im Tetra Pak [Markenname, landläufig für Getränkekartons gebräuchlich; Anmerkung Red.], sondern in einer PET-Flasche verkauft wird. Selbst wenn diese zu 100 Prozent aus rePET, also recyceltem PET hergestellt wird, ist es für mich fraglich, ob das für die Umwelt dennoch nachhaltiger ist als Tetra Pak.“ Neben dieser Frage übermittelt uns der Konsument eine Beschwerde zum Produkt: „Besonders ärgerlich finde ich außerdem den Aufdruck des Mindesthaltbarkeitsdatums am Deckel. Die schwarze Schrift auf dunkelblauem Hintergrund ist so gut wie unlesbar!“ 

Frage der Ökobilanz

Wir sind der Frage des Konsumenten nachgegangen, ob die Änderung der Verpackung des NÖM Schlagobers länger frisch vom Getränkekarton (technisch korrekt als Getränkeverbundkarton bzw. Verbundkarton bezeichnet) zur rePET-Flasche eine nachhaltige Maßnahme ist. Diese ist nicht so einfach zu beantworten, denn die Umweltauswirkungen eines Produkts berechnen sich über den gesamten Zyklus von der Rohstoffproduktion über die Transportdistanz bis zur Entsorgung und Verwertung. Je nach Berechnung kann es dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

PET versus Getränkekarton

Grundsätzlich ist jedes Recyclingsystem von der Rücklaufquote der Materialien abhängig. Also nur, wenn Konsumentinnen und Konsumenten Verpackungsmüll entsprechend sammeln, finden die Verpackungsmaterialien ihren Weg zurück in den Recyclingkreislauf. Laut einer Studie des Klimaschutzministeriums betrug die Sammelquote bei Kunststoffgetränkeflaschen 2020 rund 70 %, davon wurden rund 40 % recycelt. Bei Getränkekartons lag die Sammelquote im Jahr 2018 bei etwa 51 %. Etwa ein Drittel davon wurde recycelt.

Getränkeverbundkartons bestehen aus verschiedenen Schichten an Karton, Plastik und Aluminium. Während der verwendete Karton recycelbar ist, werden Kunststoff- und Aluminiumreste schlussendlich der thermischen Verwertung zugeführt, also verbrannt.

rePET als Alternative zu klassischem PET

Sogenanntes sortenreines PET lässt sich einfacher recyceln als Verbundmaterialien wie Getränkekartons. Es liegt auf der Hand, bereits recyceltes PET, auch rePET genannt, gegenüber klassischem PET im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes zu bevorzugen. Denn Flaschen und Verpackungen aus rezykliertem Rohstoff sparen Kunststoffgranulat ein, das ansonsten neu produziert wird, beispielsweise aus Erdöl.

Aus ökologischer Sicht wären übrigens Mehrweg-PET-Flaschen eine sinnvolle Alternative. Diese zeichnen sich durch ihr geringes Transportgewicht und die Möglichkeit der mehrfachen Befüllung aus.

NÖM strebt nachhaltige Verpackung an

Wir haben bei NÖM nachgefragt, wie es sich beim konkreten Fall der Verpackung des NÖM Schlagobers länger frisch verhält. Der Hersteller berichtet, stets nach Verpackungslösungen mit geringerem CO2-Fußabdruck zu suchen. Man habe aus Gründen der Nachhaltigkeit beim Schlagobers auf eine Flasche aus zu 100 % recyceltem PET umgestellt. Zudem bestünde die Möglichkeit, diese von einem nur 17 km entfernten Lieferanten zu beziehen. Dieser liefere die Verpackungen als leichte und platzsparende sogenannte Preformen, die erst im Betrieb zu Flaschen aufgeblasen würden. Somit seien ein regionaler Einkauf und ein möglichst umweltschonender Transport möglich, schreibt der Hersteller. Und das sei dem Unternehmen wichtig. Zudem könne das transparente Material der rePET-Flaschen, wie NÖM anmerkt, nach der Verwendung auch wieder in den Recyclingprozess einfließen.

Bitte PET-Flaschen und Getränkekartons recyceln!

Für die Ökobilanz ist Ihre Mithilfe definitiv gefragt. Bitte entsorgen Sie PET-Flaschen und Getränkekartons stets korrekt. In Wien gehören diese zum Beispiel in die gelbe Tonne, in anderen Bundesländern in den gelben Sack.

NÖM sucht Lösung für leichter lesbaren Aufdruck

Für eine bessere Recyclingfähigkeit und um umweltbelastendes Material einzusparen, schreibt NÖM, verzichte das Unternehmen auf das Etikett am Deckel der Flaschen. Deshalb sei das Mindesthaltbarkeitsdatum direkt auf den Deckel aufgedruckt. Dass die schwarze Schrift auf dem dunkelblauen Deckel zu einer erschwerten Lesbarkeit geführt hat, bedauert der Hersteller und versichert, bereits an einer Lösung zu arbeiten. Wir sind gespannt, wie sie aussehen wird.

Noch immer ohne deutlichen Hinweis auf Zusatzstoff Carrageen (E 407)

Was uns beim NÖM Schlagobers länger frisch übrigens noch aufgefallen ist: Wir haben uns dieses Produkt schon 2015  angeschaut. Damals bemängelten wir, dass unter anderem die Bezeichnung „frisch“ suggeriert, es handle sich um ein natürliches Produkt ohne Zusatzstoffe. In der Zutatenliste entdeckten wir jedoch den Zusatzstoff Carrageen (E 407), der gemäß Zusatzstoffverordnung zugesetzt sein darf. Rechtlich war alles in Ordnung. Allerdings kann Carrageen allergieähnliche Symptome auslösen. Wir regten daher an, bereits auf der Vorderseite des Produkts deutlich auf den Zusatzstoff zu verweisen.

Leider blieb unser Vorschlag ungehört. Unsere Recherche ergab: NÖM Schlagobers länger frisch enthält auch in der aktuellen Verpackung Carrageen, das nach wie vor nicht prominent auf der Schauseite ausgewiesen, sondern in der Zutatenliste versteckt platziert ist. Schade.

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