Arbeitsrecht: atypische Beschäftigung

Beschäftigt - aber wie?

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Konsument 10/2006 veröffentlicht: 13.09.2006

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Mir wurde ein relativ gut bezahlter Job angeboten, bei dem allerdings mit dem vereinbarten Entgelt alle Überstunden und Mehrleistungen abgegolten sind. Soll ich mich darauf einlassen?

Hier ist Vorsicht angebracht! Derartige All-in(clusive)-Klauseln bergen nämlich ein hohes Risiko: Fallen in Wirklichkeit sehr viel mehr Überstunden als erwartet an, kann Ihr tatsächlicher Stundenlohn weit unter das branchenübliche Niveau sinken. Damit relativiert sich das auf den ersten Blick hohe Gehalt und entpuppt sich gelegentlich als „Mogelpackung“. Die Anzahl der Überstunden bzw. die dafür vorgesehene Entlohnung sollte konkret genannt sein. Im Übrigen soll klar definiert sein, wie hoch das Entgelt für die im Rahmen der Normalarbeitszeit erbrachte Arbeitsleistung ist!

Sofern für das Arbeitsverhältnis ein Kollektivvertrag Anwendung findet, wäre die für Sie vorgesehene Verwendung und kollektivvertragliche Entlohnung im vom Arbeitgeber auszufolgenden Dienstzettel anzugeben.

Ist es erlaubt, dass bei uns Teilzeitbeschäftigten die Vor- und Nacharbeiten nicht in die Arbeitszeit eingerechnet werden, bei unseren Vollzeitkollegen aber schon?

Nein. Teilzeitbeschäftigte haben die gleichen Rechte und Pflichten wie ihre Vollzeit beschäftigten Kollegen und dürfen ihnen gegenüber nicht benachteiligt werden. Das gilt für echte und freie Dienstverhältnisse gleichermaßen.

An meiner Arbeitsstelle sind Bonuszahlungen und Lohnabzüge üblich, z.B. für Zuspätkommen oder zu häufige Pausen. Laut unserem Chef ist das zulässig, weil wir die entsprechenden Vereinbarungen im Arbeitsvertrag unterschrieben haben.

Es stimmt zwar, dass im Arbeitsvertrag individuelle Zusätze vereinbart werden können. Aber selbst wenn diese von beiden Seiten unterschrieben wurden: Vertragsbestimmungen, die gegen gesetzliche und/oder kollektivvertragliche Regelungen und die guten Sitten verstoßen, sind nichtig. Das gilt für fix angestellte und fixe freie Mitarbeiter ebenso wie für geringfügig Beschäftigte oder selbstständige Auftragnehmer.

Insbesondere sittenwidrige Vereinbarungen sind gesetzlich verboten, z.B. Lohnabzüge wegen Zuspätkommens oder Prämienzahlungen bei möglichst wenigen Krankenstandstagen. Auch die Arbeitszeiten und die Urlaubsdauer müssen dem Gesetz oder dem jeweiligen Kollektivvertrag entsprechen und können nicht durch eine individuelle Vereinbarung zulasten der Arbeitnehmer geändert werden.

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