KONSUMENT.AT - Digitalkameras: Hersteller im Ethik-Test - Sechs Hersteller kooperierten

Digitalkameras: Hersteller im Ethik-Test

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Konsument 3/2010 veröffentlicht: 17.02.2010

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Sechs Hersteller kooperierten

Der vorliegende Ethiktest wurde im Auftrag europäischer Konsumentenschutzorganisationen von einer branchenkundigen Audit-Organisation durchgeführt. Neben der Überprüfung aller öffentlich verfügbaren Quellen wurde (nach Möglichkeit) die Zentrale sowie jeweils ein Montage- und ein Komponentenwerk jedes Herstellers besucht und Einblick in relevante Unterlagen genommen; neben dem Management wurden auch Arbeiter interviewt. Sinn der Vor-Ort-Untersuchung ist es, zu überprüfen, inwieweit die behauptete Unternehmenspolitik zum Thema Ethik (CSR) in die Praxis umgesetzt wird.

Von den zehn großen Playern auf dem Digitalkameramarkt haben vier eine Kooperation bei der Untersuchung abgelehnt, es sind dies Fujifilm, Kodak, Olympus und Pentax. Von ihnen konnten daher nur öffentlich zugängliche Berichte zur Beurteilung herangezogen werden. Da diese nicht weiter überprüft werden konnten, wurden sie deutlich niedriger bewertet. Entsprechend bescheiden fielen die Testurteile für die vier Unternehmen aus.

Marktführer als Nachzügler

Die sechs kooperierenden Unternehmen weisen einen sehr unterschiedlichen Grad unternehmerischer Verantwortung auf. Spitzenreiter ist Nikon, der 77 Prozent der Kriterien erfüllt. Mit Respektabstand folgen Casio, Samsung und Panasonic, Nachzügler sind Sony und Canon.

Dass gerade die beiden Marktführer den Mitbewerbern unterlegen sind, kommt überraschend. Denn üblicherweise nehmen die marktbeherrschenden Firmen auch in ethischen Belangen eine Frontstellung ein: Sie stehen am stärksten im Licht der Öffentlichkeit, müssen also als Erste auf Kritik reagieren. Und es ist für sie auch ein Leichtes, finanzielle Mittel für eine Politik der sozialen Verantwortung bereitzustellen.

Canon erhob Einspruch

Jedenfalls ist CSR in der Unternehmenspolitik der sechs Testteilnehmer recht gut verankert, wobei Sony sogar den Spitzenplatz einnimmt. Lediglich die Umsetzung in die Praxis konnte oft nur mangelhaft nachgewiesen werden. Am größten ist die Diskrepanz bei Canon. Auffassungsunterschiede zwischen dem Unternehmen und den Testern über die Bewertung einer Produktionsstätte konnten nicht bereinigt werden, woraufhin Canon forderte, konkrete Angaben über die Produktionsbedingungen strikt vertraulich zu behandeln. Daher mussten diese so bewertet werden, als hätte keine Werksbesichtigung stattgefunden.

Generell sind die Umweltstandards in der Branche besser umgesetzt als die sozialen. Umweltzertifizierungen gelten als selbstverständlich. Im sozialen Bereich ist das Niveau hingegen deutlich niedriger. „Wir halten die Gesetze ein“, ist eine gängige Reaktion, wenn man nach der Einhaltung von Sozialstandards fragt.

Wenig Informationen im Internet

Auch die Informationsfreudigkeit lässt zu wünschen übrig. Die Websites der Kamerahersteller verraten in der Regel nur wenig zum Thema gesellschaftliche Verantwortung. Einigermaßen konkrete Daten bieten lediglich Olympus, Casio und Sony. Dies allerdings nur auf der internationalen Homepage (in englischer Sprache). Auf der österreichischen Homepage bzw. in deutscher Sprache finden sich Hinweise zur Unternehmensethik nur marginal. So können auch die Besten im Punkt Information insgesamt nur ein schwaches „C“ erzielen

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