KONSUMENT.AT - Ethiktest: Spielzeug - Korruption, Nutznießer

Ethiktest: Spielzeug

Getrübte Freude

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Konsument 12/2003 veröffentlicht: 13.11.2003

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Korrupte Behörden

Das Mündungsdelta des Pearl-Flusses ist seit 1984 "offenes Gebiet": Internationalen Investoren werden dort nahezu alle Freiheiten geboten. Sie finden da ein gigantisches Arbeitskräftereservoir vor. Rund 100 Millionen Wanderarbeiter aus dem Landesinneren suchen in den Wirtschaftszonen an der Küste Zuflucht vor der verbreiteten Armut. Zwei Drittel sind Frauen, zum überwiegenden Teil nicht älter als 24 Jahre. Sie sind gefügiger als ältere oder männliche Arbeitskräfte und haben keinen Anspruch auf Kündigungsschutz oder öffentliche Sozialleistungen. Selbst bei groben Gesetzesübertretungen drücken die korrupten lokalen Behörden beide Augen zu.

Mattel, Hasbro, Walt Disney, Warner, Ferrero ...

Hauptnutznießer dieser Verhältnisse sind nicht die Inhaber der oft recht kleinen Fabriken; auch nicht die Firmeneigentümer aus Hongkong, die Aufträge aus aller Welt bekommen. Den größten Profit streifen die internationalen Markenkonzerne ein: Dies sind zum einen die Spielzeughersteller, allen voran die Weltmarktführer Mattel und Hasbro. Dazu zählen aber auch Unternehmen, die Spielwaren in Lizenz erzeugen lassen: Unterhaltungsriesen wie Walt Disney, Warner Brothers oder LucasFilm, die ihre Leinwandhelden in Spielzeug umwandeln lassen, um ein zweites Mal kräftig absahnen zu können (von Micky Mouse bis zu Action-Figuren aus Star Wars).

Nutznießer: Handelskonzerne

Aber auch Unternehmen aus dem Lebensmittelsektor verwenden gerne Spielzeug zur Verkaufsunterstützung (z.B. Happy-Meal-Figuren von McDonald’s oder Überraschungseier von Ferrero). Nutznießer sind weiters die Handelskonzerne, ob sie nun Fremdmarken verkaufen oder unter eigenem Namen Spielzeug anfertigen lassen. Auch im Spielzeughandel ist die Konzentration weit fortgeschritten, in vielen Industriestaaten beherrschen eine Handvoll Unternehmen den Markt, wie Wal-Mart und Toys R US in den USA.

1  Prozent bleibt dem Arbeiter

Am Beispiel eines Baby-Spielzeuges von Mattel, das bei Toys R US für 12,99 Dollar gekauft wurde: Die gesamten Produktionskosten (Material, Löhne samt Nebenkosten, Gewinn des Herstellers und Verschiffung) machen nur 13,5 Prozent des Verkaufspreises aus. Und davon kriegen die Arbeiter wiederum nur einen Bruchteil – der Anteil am Endpreis liegt häufig unter 1 Prozent. Den großen verbleibenden Rest können Handel, Markeninhaber und Werbeagenturen untereinander aufteilen.

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