KONSUMENT.AT - Ethiktest: Spielzeug - Unfälle, Termindruck

Ethiktest: Spielzeug

Getrübte Freude

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Konsument 12/2003 veröffentlicht: 13.11.2003

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Sony und Sega

Nicht alles Spielzeug kommt aus den Sonderwirtschaftszonen Chinas oder anderen Ländern der Dritten Welt. Auf dem Sektor Computerspiele sind die japanischen Konzerne Nintendo, Sony und Sega führend, die großteils noch im Inland produzieren. Bei Modelleisenbahnen oder Autobahnen konnten sich europäische Produktionsstandorte halten, wenn auch die Elektronikbauteile aus Fernost zugeliefert werden (zum Beispiel Roco-Eisenbahnen, neben dem Spielehersteller Piatnik der letzte größere Spielwarenproduzent aus Österreich). Überwiegend aus China (oder Ländern mit ähnlichen sozialen Verhältnissen) kommen hingegen Puppen, Action-Figuren, Plüschtiere, Spielzeugautos, Kunststoffspielzeug, aber auch Gesellschaftsspiele.

Schwere Unfälle

Aufgrund der prekären Sicherheitsbedingungen in den Fabriken des Fernen Ostens kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Einer der verhängnisvollsten ereignete sich im Mai 1993, als in der Kader Toy Factory in Thailand ein Feuer ausbrach. Weil sämtliche Türen und Fenster versperrt waren, kamen 188 Menschen darin um, 500 erlitten Verletzungen. Meldungen über diese und andere schockierende Missstände veranlassten die Branche umzudenken. Im Jahr 2001 einigten sich die großen nationalen Spielzeugindustrieverbände, die im Internationalen Council of Toy Industries (ICTI) zusammengeschlossen sind, auf einen gemeinsamen Code of Conduct, der soziale Mindeststandards festschreibt.

Verhaltenskodex ist zu wenig

Der ICTI-Code bleibt jedoch ein Stück Papier, solange sich an den eingangs erwähnten Praktiken nichts ändert. Betriebsprüfungen müssen unangemeldet und unter Beiziehung lokaler Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) erfolgen. Vor allem aber muss die Produktionsweise umgestellt werden. Derzeit ist es gängige Praxis, dass die Produktion für das Weihnachtsgeschäft binnen drei Monaten zwischen Juli und September erfolgt.

Radikaler Termindruck

Arbeitszeiten von 12 bis 18 Stunden am Tag, siebenmal die Woche, sind keine Seltenheit. Die Konzerne fordern immer kürzere Lieferfristen ein – zwei bis vier Wochen selbst bei hohen Stückzahlen. Daher sind Verhaltenskodizes gut und schön. Doch, so geben Menschenrechtsorganisationen zu bedenken, müssten die Lieferanten auch in die Lage versetzt werden, diese einhalten zu können. Die Markenfirmen müssten den Termin- und Preisdruck auf ihre Zulieferer radikal verringern.

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