KONSUMENT.AT - Garnelen - Verwirrung um Gütesiegel

Garnelen

Umstrittene Delikatesse

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KONSUMENT 9/2015 veröffentlicht: 27.08.2015

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Verwirrung um Gütesiegel

Der WWF empfiehlt BIO- oder ASC-zertifizierte Produkte bei Zuchtgarnelen und das MSC- Siegel bei Garnelen aus Wildfang.

Marine-Stewardship-Council (MSC) steht für nachhaltige Fischerei. Kritiker werfen dem MSC jedoch vor, zerstörerische Fischereien mit hohen Beifangraten zu zertifizieren. In den MSC-Kriterien sei der Vorsorgeansatz so schwach formuliert, dass er selbst hinter internationalen Vereinbarungen zurückfalle.

Auch Greenpeace sieht das MSC-Siegel kritisch: So könnten erschöpfte Bestände unter bestimmten Umständen weiter befischt werden und die Mindestanforderungen an die Fischereien seien zu niedrig. Nur 60 bis 80 Prozent der Standards müssten erfüllt sein, damit eine Fischerei das Gütesiegel erhält.

Der positive Effekt durch die Gründung des MSC, so Greenpeace, sei jedoch unbestritten. Das Interesse vieler Produzenten und des Lebensmittelhandels an der Möglichkeit eines Gütesiegels für Fischprodukte nehme stetig zu.

Seit 2014 gibt es zusätzlich das ASC-Siegel (Aquaculture Stewardship Council) für Zuchtgarnelen, das unter anderem Kriterien zur Herkunft des Fischfutters enthält: Sie muss rückverfolgbar sein und das Futter darf nicht von überfischten Beständen stammen. Antibiotika dürfen nur unter medizinischer Überwachung und nur für erkrankte Tiere angewendet werden.

Der WWF räumt ein, dass das ASC-Label "eine Kompromisslösung aller Interessengruppen" und daher kein "Premium"-Label wie etwa die Naturland-Zertifizierung für Zuchtfische sei.

Die wichtigsten Richtlinien für Naturland-zertifizierte Garnelen sind der Schutz bestehender und die Wiederaufforstung früherer Mangrovenwälder, niedrige Besatzdichten, Verbot von Antibiotika sowie die Einhaltung von Sozialstandards.

Das FOS-Programm (Friend of the Sea – Freund des Meeres) folgt ähnlichen Leitlinien wie MSC, bisher gibt es in Österreich jedoch noch keine Produkte mit FOS-Zertifikat.

Viele Hersteller von Garnelen und Meeresfrüchten, darunter Iglo, beziehen sich auf GlobalG.A.P., eine privatwirtschaftliche Organisation, die "gute landwirtschaftliche Methoden" (Good Agricultural Practices – G.A.P.) als Zertifizierungsstandards von Fischen und Shrimps aus Aquakulturen setzt. Greenpeace betrachtet die GLOBALG.A.P.-Zertifizierung nicht als eine Garantie für nachhaltige Aquakulturprodukte.

Obwohl GLOBALG.A.P. einige strenge Umweltauflagen vorgibt, bestehen noch Lücken, etwa bezüglich des Fischfutters oder unzureichende sozio-ökonomische Standards. Vor allem der fehlende Zugang zu den Zertifizierungsdokumenten untergräbt das Vertrauen in das Zertifikat.

Auch der WWF empfiehlt Global G.A.P. oder GAA/BAP (Global Aquaculture Alliance/Best Aquaculture Practice) nicht direkt, sie sind laut WWF-Sprecherin Simone Niedermüller jedoch besser als kein Label und sollten als Mindeststandard beim Einkauf auf Händlerseite gelten.

Greenpeace Fischratgeber

"Greenpeace ist im Zusammenhang mit der Aktualisierung des Fischratgebers gerade dabei, umfangreiche wissenschaftliche Bewertungen zu Fischfang und Aquakulturen zu erstellen", sagt Greenpeace-Sprecherin Melanie Aldrian. Sie rät Konsumenten, nicht blind auf Zertifizierungen zu vertrauen, sondern immer auch mit dem Greenpeace Fischratgeber zu vergleichen; eine umfassende Neuauflage des Fischratgebers soll im Januar 2016 erscheinen.

Der WWF hat das Fish Forward Projekt gestartet, um darauf aufmerksam zu machen, wie sich die Kaufentscheidungen bezüglich Fisch- und Meeresfrüchten auf das Leben von Menschen in Entwicklungsländern auswirken, auf sozialer und auf Umweltebene.

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Kommentare

  • Ich kenne viele Garnelenzüchtungen in Thailand, sind aber sicher NICHT BIO, sondern sehr schlimm !
    von Hueher am 31.08.2015 um 18:56
    Es wird in Europa dem Konsumenten vorgegaukelt etwas von "Bio-Garnelen Zucht", das ist Schwachsinnig! Es werden Unmengen von irgendwelchen Futtermitteln verteilt, das überprüft niemand! Ich lebe sehr lange Zeit in Thailand, kenne die Küstengebiete und deren Zuchtteiche, es stinkt zum Himmel dort. Nach ein paar jahren werden die Zuchtbecken aufgelassen und neue angelegt, weil....., dort der gesammte Boden verseucht von Chemie wurde. Wenn man die leeren Becken sieht kommt das Grauen hoch, auf lange Jahre wird dort nichts mehr wachsen oder gedeien, und das sind teilweise Naturschutzgebiete,bzw. Nationalparks vorher gewesen, nachher eine Mondlandschaft!! Wenn man diese Bilder sieht, ißt man keine Zuchtgarnelen mehr............. Ich bevorzuge, wenn, dann nur solche die vom Fischer im offenem Meer gefangen wurden. Leider werden die Fänge hier in Thailand immer weniger, dank der Überfischung! Das Fleisch einer im Meer lebenden Garnele ist fleischiger und fester, das Fleisch einer Zuchtgarnele ist eher matschig. Ich kaufe in Österreich keine Garnelen mehr, man sollte der Zucht-chemie keinen Beitrag leisten................. Alles was aus Zucht kommt, ob Huhn, Fisch( Pangasius )oder Garnele, sämtliches ist fraglich geworden, zumindestens Fisch oder garnelen aus dem asiatischen Raum!