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Hotel-Gruppen: Ethik-Test

Wenig Sterne für Hilton & Co

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Konsument 3/2011 veröffentlicht: 14.02.2011

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Internationale Hotelgruppen getestet

Für den Ethik-Test wurden sechs inter­nationale Hotelgruppen ausgewählt, von denen jede eine Reihe von Hotelketten betreibt. So steht die französische Accor-Gruppe unter anderem für die Hotelmarken Ibis, Mercure und Novotel. Weiters wurden vier spanische Hotelgruppen ausgewählt, die nicht direkt auf den Markt treten, sondern nur über Reiseveranstalter. Viele Spanien- und Karibikurlauber sind in Hotels dieser Gruppen untergebracht: Sol Meliã, Barceló, Iberostar und Riu.

Untersucht wurden Nachhaltigkeitspolitik und -praxis der Konzerne anhand von ­Fragebögen, Interviews und der zur Ver­fügung gestellten Dokumentation; außerdem wurde mindestens zwei Hotels jeder Gruppe ein Besuch abgestattet, und zwar in den Tourismuszentren am Mittelmeer (Nizza bzw. Mallorca), in Thailand (Phuket) sowie in Mexiko (Cancún).

Nur einer hat verweigert

Die Kooperationsbereitschaft war ungewöhnlich hoch. Neun der zehn Hotelgruppen beteiligten sich an der Untersuchung, nur die spanische Riu verweigerte jede Auskunft. Auch Hotelbesichtigungen ­wurden generell ermöglicht, einzige Ausnahme: Hilton wollte den Zutritt zu einem Hotel in Südeuropa nicht gewähren.

Sechs Gruppen erzielten ein gutes Ergebnis, im Ethik-Rating bedeutet das die Note B. Dabei führt die Accor-Gruppe (Ibis, Novotel) die Rangliste mit deutlichem Vorsprung an (79 Prozent der Kriterien erfüllt), die fünf folgenden Gruppen liegen fast gleichauf (64 bis 66 Prozent). Klares Schlusslicht ist Riu.

Praxis besser als Unternehmenspolitik

Die meisten Gruppen haben sich zur Einhaltung internationaler Konventionen verpflichtet, allerdings ist selten nachvollziehbar, wie sich dies auf das konkrete Verhalten der Unternehmen auswirkt. Auffällig ist allerdings, dass die Performance der Hotels gar nicht so schlecht ist, wie die Unternehmenspolitik vermuten ließe. Ein Blick in die Tabelle zeigt: Bei den meisten Hotelgruppen sind die formalen Voraussetzungen (eben die Unternehmenspolitik) nur mittelmäßig ausgeprägt, während die praktischen Ergebnisse häufig eine Stufe besser sind.

Engagement unterschiedlich

Keines der untersuchten Hotels hat gar nichts in Sachen Nachhaltigkeit unternommen, wenngleich das Ausmaß des Engagements und die Qualität der Maßnahmen sehr unterschiedlich ist. Hotels, die einer großen Gruppe gehören (wie die im Test vertretenen), sind tendenziell eher bereit, in Nachhaltigkeit zu inves­tieren. Wesentlich schlechter steht es um Franchise-Hotels (mangels Vergleichbarkeit nicht getestet), wo die Hotelgruppe nur ihren Namen an einen unabhängigen Hotelbesitzer verleiht, der das Hotel in eigener Verantwortung führt. Dieser zeigt in der ­Regel kaum Bereitschaft, langfristige Inves­titionen zu tätigen, beispielsweise im Bereich Umweltschutz.

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