KONSUMENT.AT - Jeans im Qualitätstest - Markenproblem

Jeans im Qualitätstest

Außenseiter am ersten Platz, Nobelmarken abgeschlagen

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Konsument 2/2002 veröffentlicht: 01.02.2002

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Im Produkt-Test landete ein Außenseiter auf dem ersten Platz. Dagegen haben einige der ganz großen Marken Probleme mit der Qualität ihrer Beinkleider.

In der repräsentativen Auswahl von dunkelblauen Stretch-Jeans finden sich die renommiertesten Hersteller und Handelsmarken – und zu Vergleichszwecken eine Hose aus dem Versandhandel. In sieben Fällen handelt es sich um Stretch-Jeans, in den anderen Fällen waren zum Testzeitpunkt keine Stretch-Modelle erhältlich, daher wurden klassische Baumwoll-Jeans (100 Prozent) ausgewählt.

Stretch-Jeans bieten Tragekomfort

Glaubt man den Branchenkennern, so sind Stretch-Jeans nicht mehr ausschließlich Damen vorbehalten, immer öfter greifen auch Herren zu den elastischen Hosen. Der Elasthan-Anteil zwischen zwei und vier Prozent vergrößert den Tragekomfort, und er verhindert, dass die Hose schon nach kurzer Zeit die typischen Ausbuchtungen am Knie und am Gesäß aufweist.
Es gibt aber einen weiteren Grund, der für Stretch spricht: Diese Hosen gelten als strapazierfähiger. An den so genannten Problemzonen, an den Knien, im Schritt und am Gesäß, wird der Stoff üblicherweise als Erstes abgescheuert. Die Probe aufs Exempel ergab: Nur zwei Testkandidaten, Replay und Levi’s, hatten Probleme mit der Scheuerbeständigkeit.

Beim Reiben sterben Favoriten

Deutlichere Unterschiede zeigten sich bei den Farbechtheiten. Wenn Farbstoffe durch Einwirkung von Schweiß oder durch Reiben an die Haut abgegeben werden, so kann dies auch ein gesundheitliches Problem darstellen (Allergie). Vor allem in der Reibechtheit erwiesen sich die Blue Jeans fast durchwegs als mangelhaft. Bis auf den Testsieger Cyrillus hagelte es schlechte Noten.
Etwas besser, aber dennoch mäßig, fiel die Bilanz bei der Waschechtheit (Anfärben anderer Wäschestücke) aus. Auch dabei machte Cyrillus eine gute Figur. Bei diesem Versandhausmodell werden Puristen die Nase rümpfen: Die Hose enthält nicht nur Elasthan, sondern auch Wolle und Polyester, nur 38 Prozent entfallen auf Baumwolle. Das Mischgewebe hat in der textiltechnischen Prüfung alle Baumwollhosen hinter sich gelassen.
Die Überprüfung der Farbechtheiten wurde nach einem ersten Waschgang vorgenommen. Bei fabrikneuen Jeans wären die Ergebnisse (noch) schlechter. Jeans sollten daher immer vor dem ersten Tragen gewaschen werden.

Abgewetzt und eingegangen

Womit wir schon beim Waschverhalten wären. Alle Modelle sind „eingegangen“; das ist umso ärgerlicher, als ein nachträgliches Auslassen der Länge in der Regel nicht möglich ist. In den meisten Fällen beträgt die Maßänderung rund drei Prozent (rund drei bis vier Zentimeter) in Längsrichtung. Am schlechtesten (mehr als vier Prozent) schnitten Diesel und Clockhouse (von C&A) ab. Daher sollte man nicht vorgewaschene Jeans immer um ein paar Zentimeter zu lang kaufen.
Durch Waschen wird die Farbe der Jeans heller und stumpfer. Die Farbtonänderung war bei H.I.S. am stärksten. Viele Jeansträger werden das allerdings sogar begrüßen. Die ursprünglich tiefblauen Hosen bekommen nach mehreren Wäschen die typische Jeans-Blau-Färbung. Es gibt aber auch Aussehensveränderungen, die unerwünscht sind. Das betrifft vor allem Waschknitter sowie unterschiedlich starke Gewebe- und Farbabscheuerungen an den Nahtstellen, beim Reißverschluss oder an den Taschen. Leute, die künstlich gealterte Jeans (stonewashed) kaufen, mögen dies schätzen. Wer aber eine einheitlich gefärbte Hose gekauft hat, wird unregelmäßige Abscheuerungen eher als Mangel betrachten. Besonders stark war der Waschknitter bei Tommy Hilfiger, Diesel und Trussardi sichtbar.

Chaotische Größenangaben

Noch ein Ärgernis: die völlig chaotischen Größenangaben. Selbst bei Markenjeans kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Größe vom letzten Mal auch diesmal wieder passt. Da heißt’s durchprobieren.