KONSUMENT.AT - Laufschuhehersteller im Ethik-Test - Konsumenteninformation

Laufschuhehersteller im Ethik-Test

Raus aus dem Hinterhof

Seite 6 von 11

Nächsten Inhalt anzeigen
Konsument 6/2009 veröffentlicht: 29.05.2009

Inhalt

Information an die Konsumenten (Teilurteil)

Ein Teil des Ethiktests befasste sich mit der Informationsoffenheit der Laufschuhhersteller gegenüber Konsumenten. Mit der ist es nicht weit her, wie sich mit wenigen Ausnahmen zeigen sollte (siehe auch Tabelle, Konsumenteninformation).

Die meisten geben sich verschlossen

Zur gesellschaftlichen Verantwortung eines Unternehmens gehört auch die Bereitschaft, die Konsumenten und Konsumentinnen offen und umfassend zu informieren. Um das zu überprüfen, haben wir anonyme Anfragen an die Unternehmen gerichtet sowie die über deren Homepage verfügbaren Informationen zum Thema Ethik (bzw. CSR, wie es im Fachjargon genannt wird) bewertet.

Die anonymen Anfragen hatten durchwegs CSR-Belange zum Thema:

Schadstoffe: Sind in Ihren Schuhen Schadstoffe enthalten? Welche Maßnahmen treffen Sie, um deren Einsatz zu reduzieren?

Als Antwort hätten wir erwartet, dass konkrete Angaben zum Einsatz von krebserregenden oder allergenen Farbstoffen, PVC oder flüchtigen organischen Verbindungen gemacht werden und ein Ausstiegsszenario skizziert wird.

Ethische Produktion: Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Laufschuhe nach ethischen Grundssätzen produziert werden?

Im Speziellen: Was unternehmen Sie, um Kinderarbeit zu vermeiden? Hier wäre zu erwarten gewesen, dass die Befragten Angaben zum Code of Conduct (Verhaltenskodex) machen und dazu, wie die Einhaltung desselben in den Produktionswerken kontrolliert wird.

Öko-Design: Ist Öko-Design in Ihrer Unternehmenspolitik integriert und wie wird eine umweltgerechte Produktgestaltung sichergestellt?

Öko-Design ist ein Schlagwort, das besagt, dass das betreffende Unternehmen bei der Entwicklung und Gestaltung seiner Produkte Umweltaspekte einbezieht. Dazu gehört beispielsweise, in der Erzeugung Recycling-Stoffe einzusetzen, den Verpackungsmüll zu minimieren bzw. Vorsorgen zu treffen, dass Schuhe am Ende ihres Lebenszyklus eingesammelt und die Bestandteile einer Wiederverwertung zugeführt werden.

Arbeitsrecht in China: Inwieweit ist Ihr Unternehmen vom neuen Arbeitsrecht in China betroffen?

Welche Vorkehrungen haben Sie getroffen, um die neuen Bestimmungen zu erfüllen? Das neue Arbeitsrecht in China ist seit 2008 in Kraft und sieht verbesserte Rechte für die Arbeitnehmer vor. So müssen sie einen Arbeitsvertrag ausgestellt bekommen, was bislang Wanderarbeitern vorenthalten wurde. Auch ohne Fixanstellung müssen Mindestlöhne gezahlt werden.

Mit Anfragen überfordert

Mit so vielen Detailinformationen waren die befragten Unternehmen heillos überfordert. Manche Gesprächspartner waren Kundenkontakt offensichtlich nicht gewöhnt: „Wie sind Sie zu meiner Nummer gekommen?“, so die spontane Reaktion in einem Fall. Daher haben wir die Antworten äußerst nachsichtig beurteilt. Insbesondere bei der ersten Frage, die telefonisch an die auf der Homepage angegebene Kontaktstelle gerichtet wurde (die anderen drei wurden per E-Mail gestellt).

Wir waren schon mit sehr allgemeinen Antworten zufrieden, die wenigstens ein bisschen Problembewusstsein vermuten ließen. Wir haben akzeptiert, wenn statt einer ausformulierten Antwort ein Link angegegeben wurde, also ein Hinweis, wo man auf den Internetseiten des Unternehmens konkrete Angaben zum Thema finden konnte. Es wurde auch der bloße Versuch einer Antwort honoriert, also wenn das Unternehmen auf unsere Anfrage (telefonisch oder per E-Mail) reagierte, auch wenn es keine brauchbare Antwort gab. In diesem Fall gab es immerhin für den Ablauf der Beantwortung (volle) Punkte, der Inhalt wurde mit Null gewertet.

Nur Adidas wusste Bescheid

Dennoch waren die Ergebnisse äußerst dürftig. Einzig Adidas gab in allen vier Anfragen einigermaßen substanzielle Antworten. Mit deutlichem Abstand folgten Nike und New Balance. Als völlig indiskutabel ist das Informationsverhalten der US-Hersteller Brooks und Saucony zu bewerten, die auf keine Mail-Anfrage reagierten. Brooks hat das Kunststück zuwege gebracht, auf der Homepage eine Mailadresse anzugeben, die offenbar gar nicht existiert.

Selbst die Handelsunternehmen schnitten da etwas besser ab, wobei diese vor allem im Ablauf fleißig punkteten (das heißt, sie reagierten auf Anfragen innerhalb einer akzeptablen Frist). Inhaltlich hatten sie allerdings wenig zu bieten. Fast schon skurril mutet die Vorgehensweise von Reno auf die telefonische Anfrage an. In der Verwaltungszentrale für Österreich schlug man uns vor, doch in einer Filiale nachzufragen. Das taten wir auch, nur: Die Verkäuferin, die sich dort meldete, konnte mit der Frage nach Schadstoffen in Schuhen nicht viel anfangen und legte kurzerhand auf.

Auch Internetauftritt kein Ruhmesblatt

Der zweite Teil im Testbereich Konsumenteninformation betraf den Internetauftritt: Welche Informationen zum Thema Ethik werden auf der Homepage der Unternehmen geboten? Werden soziale und ökologische Problemfelder aufrichtig und ausführlich geschildert, gibt es eine kritische Bestandsanalyse, werden Verbesserungsmaßnahmen getroffen? Und wie aktuell sind all diese Informationen?

Die Informationen an Konsumenten sollten möglichst in deutscher Sprache erfolgen. Wer Interessierte nur über seine internationale Homepage in englischer Sprache informiert, konnte daher nicht besser als mit D beurteilt werden. Besser wurden nur jene Unternehmen bewertet, die ausreichende Daten in deutscher Sprache boten.

Adidas war hier natürlich im Vorteil, es war das einzige Unternehmen, das auch in diesem Fall die Bestnote A erhielt. Die zweite deutsche Markenfirma, Puma, hat den Vorteil nicht genutzt, die CSR-Thematik wird überwiegend in englischer Sprache abgehandelt. Kurioserweise beschränkt sich die Adidas-Tochter Reebok ausschließlich auf Informationen in Englisch, obwohl diese inhaltlich ident mit den deutschsprachigen Angaben von Adidas sind.

Lässt man die Sprache außer Betracht, so sind es vier Laufschuhhersteller, die auf ihren Websites ausführlich über Ethik-Belange informieren: Adidas, Nike, Puma und Reebok. Sehr wenig bis gar keine Ethik-Informationen werden auf den Websites der Handelskonzerne geboten, aber auch auf jener der Markenfirma Saucony.

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
10 Stimmen
Weiterlesen