KONSUMENT.AT - Lederschuhhersteller - Testkriterien

Lederschuhhersteller

Blut ist im Schuh

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KONSUMENT 4/2012 veröffentlicht: 27.03.2012, aktualisiert: 26.04.2012

Inhalt

Testkriterien

Die Untersuchung wurde im Rahmen einer internationalen Kooperation von einer branchenkundigen Audit-Organisation durchgeführt. Fokus sind soziale, ökologische und Tierhaltungs-Aspekte bei der Ledergewinnung und bei Gerbereiprozessen. Ausgewählt wurden große, international tätige Markenfirmen.

Fragebogen, Unterlagen, Field-Studies

Die Untersuchung basiert auf einer Erhebung mittels Fragebogen und einer Analyse von Sekundärmaterial. Im Fragebogen wurden rund 40 Kriterien zur gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung (CSR) abgefragt, jedes davon unterteilt in eine Reihe von Subkriterien. Sekundäre Quellen bildeten die interne Dokumentation der Unternehmen, Jahresberichte, Untersuchungsberichte sowie Interviews mit Experten und Stakeholdern.
Außerdem führten zwei Reporterteams Field-Studies (Vor-Ort-Untersuchungen) in Rinderzuchtbetrieben, Schlachthäusern und Gerbereien durch, jeweils in Brasilien und in Indien. Eine direkte Zuordnung von Zulieferfirmen zu bestimmten Marken war (von einer Ausnahme abgesehen) nicht möglich.
Erhebungszeitraum: September bis Dezember 2011, Nacherhebungen bis Februar 2012.

So wird beurteilt

Die Erfüllung jedes einzelnen Kriteriums wird in 5 Abstufungen beurteilt – von umfassend bis unzureichend erfüllt.
Zusätzlich wird eine Gewichtung durchgeführt: Je nach Nachweisbarkeit der zur Verfügung stehenden Informationen werden die Beurteilungen der Einzelkriterien mit einem Faktor zwischen 0 und 1 gewichtet. Gibt es seriöse Quellen, die den Angaben klar widersprechen, so wird mit Faktor 0 gewichtet, d.h. das Kriterium gilt als nicht erfüllt. Gibt es keine Belege (Dokumentation, Reports, Experteninterviews) für die eigenen Angaben des Unternehmens, wird mit Faktor 0,5 gewichtet. Nur wenn die Angaben zur Gänze bestätigt werden können, gehen sie mit vollem Gewicht (Faktor 1) in die Bewertung ein.

Dargestellt werden die Gruppenurteile und das Gesamturteil in einer fünfstufigen Skala von A bis E. Stufe A bedeutet, dass zumindest 80 Prozent aller Kriterien erfüllt sein müssen; E am anderen Ende der Skala steht für ein Ergebnis, bei dem unter 20 Prozent der Kriterien erfüllt wurden.

Die Kriterien im Einzelnen:

Sozialpolitik

Leitlinien: Gibt es eine veröffentlichte Sozialpolitik? Grundsätze, öffentliche Bekenntnisse, Leitlinien für die Wertschöpfungskette, Managementsysteme, quantitative und qualitative Ziele.

Standards und Maßnahmen: Bewertet wurden soziale Mindeststandards für die Fertigung – die Definition von Anforderungen (betreffend z.B. Mindestlohn, Überstundenregelung, Gesundheit, Sicherheit) sowie Maßnahmen auf Grundlage dieser Standards.

Monitoring: Kontrolle in der Schuhproduktion und in Gerbereien, Anmeldung der Arbeitnehmer, laufende interne und externe Überwachung, Hilfestellung der Zulieferer, konkrete Maßnahmen und Aktivitäten.

Umweltpolitik

Leitlinien: Gibt es eine veröffentlichte Umweltpolitik? Grundsätze, öffentliche Bekenntnisse, Leitlinien für die Wertschöpfungskette, Managementsysteme, Öko-Design der Produkte, quantitative und qualitative Ziele.

Standards und Maßnahmen: Bewertet wurden das Chemikalienmanagement, das Abfallmanagement, Maßnahmen gegen den Klimawandel, die Beschaffung von Rohhäuten und Komponenten usw.

Monitoring: Kontrolle in der Schuhproduktion und in Gerbereien, interne und externe laufende Überwachung, Hilfestellung für Zulieferer, konkrete Maßnahmen und Aktivitäten.

Beschaffung Leder

Anforderungen an Viehzucht und Rohmaterialgewinnung: Einhaltung bestimmter Grundsätze, z.B. der SCPS für Nachhaltige Landwirtschaft, kein Kahlschlag von Regenwäldern, keine Belieferung durch Rinderfarmen im Amazonas-Gebiet oder solche, die auf der IBAMA-Liste für Sklavenarbeit stehen ...

Gerbereien: Einhaltung der Leitlinien für Umweltmaßnahmen der Leather Working Group (LWG), Belieferung durch Gerbereien, die ein LWG-Audit vorweisen können und/oder solchen, die ein Umweltmanagementsystem eingerichtet haben ...

Artgerechte Tierhaltung: Eine entsprechende Unternehmenspolitik ist vorhanden, die Einhaltung der Verpflichtungen wird laufend überprüft.

Transparenz

Teilnahme an der Untersuchung: Bewertung der retournierten Fragebögen auf Vollständigkeit, Zusatzangaben, Unterlagen ...

Öffentliches Berichtswesen: Vorliegen von Nachhaltigkeitsreports, regelmäßiges Erscheinen, Informationstiefe, Informationsbreite.

Konsumenteninformation (auf der Homepage): Ausgewertet wurden Informationen zum Thema CSR (soziales und ökologisches Engagement) auf den internationalen Websites der Unternehmen (in der Regel in englischer Sprache).

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
39 Stimmen
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Kommentare

  • Zum Thema Schächten
    von Morgenstern am 25.04.2012 um 17:08
    Ich war vor einiger Zeit mit einem Wanderschäfer unterwegs und habe dort das Schächten live erlebt. Es wurde dort nicht aus religiösen Motiven eingesetzt, sondern weil es die schmerzfreieste und sicherste Methode ist, um ein Tier zu schlachten. Die Schafe erleiden innerhalb von Sekunden einen Blutsturz, werden also ohnmächtig, da das Blut aus dem Hirn fließt. Natürlich gibt es auch unter den Schächtern "schwarze Schafe" und als Veganer verwende ich keinerlei Tierprodukte. Aber das Schächten an sich würde ich jederzeit dem Schlachten per Schlachtschußapparat vorziehen, denn dort werden sehr viele Tiere nicht sofort getötet und erleben Dinge wie das Aufhängen auf Haken inkl. dem Brechen der Knochen und Reißen der Sehnen unter dieser Last bei vollem Bewußtsein mit.
  • Schächten
    von Biene7 am 09.04.2012 um 15:24
    Sehr geehrtes Team vom "Konsument". Gratulation zu obigem Artikel. Ein bißchen mehr Kritik hätte ich mir betreffend des Schächtens erwartet, d.h. "Moslems in Indien töten die Rinder", indem sie diese schächten, d.h. bei lebendigem Leib ausbluten lassen. Diese Schlachtpraxis gibt es auch bei uns (zur Produktion von "Halal"-Fleisch). Tierschutz hört bei mir bei - angeblich - religiösen Motiven nicht auf. Bitte mal um eine Untersuchung dieser Schlachtmethoden. Vielleicht gibt es irgendwann einmal sogar eine Kennzeichnung über besonders "schonende" Schlachtmethoden oder "garantiert nicht halal". Bei anderen Tieren (z.B. Thunfischen gibt es ja schon eine ähnliche Kennzeichnung [Delphin-schonender Fang]). Vielen Dank im Voraus für Ihr konsequentes Eintreten für den Tierschutz. Sabsi
  • Alternativen
    von MargotBelyus am 07.04.2012 um 15:48
    Schade, daß Sie - wie auch beim Kinderschuhetest - DIE österreichischen Schuhe Waldviertler nicht dabei hatten. Der Bericht ist gut, rüttelt auf, hinterläßt aber wiedermal zerknirschte Konsumenten mit wenig Möglichkeit zur Vermeidung.
  • danke, super test
    von powerplana am 03.04.2012 um 19:18
    bitte mehr infos wie diese, das finde ich interessanter als ob die digitalkamera xy sehr gut, gut oder durschnittlich ist
  • Wo sind die Waldviertler, Ganter, usw.
    von REDAKTION am 02.04.2012 um 17:46
    Die Untersuchung wurde im Rahmen einer Kooperation mehrerer europäischer Verbraucherorganisationen durchgeführt, nur große, international bekannte Marken wurden berücksichtigt. Leider können aus Kostengründen nicht alle, für den heimischen Markt interessanten Marken untersucht werden. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass kleinere Firmen, wie Waldviertler, im direkten Vergleich mit Konzernen unter ihrem Wert abschneiden würden, da sich kleinere Unternehmen in der Regel keine eigene CSR-Abteilung (zuständig für soziale Verantwortung in der Produktion und bei der Beschaffung von Vorprodukten) und eine ausführliche Information der Öffentlichkeit (auf der Homepage oder durch Nachhaltigkeitsreports) leisten könnten. Auch die Beantwortung des umfangreichen Fragebogens ist für kleinere Unternehmen sicher schwieriger zu bewerkstelligen als für einen Konzern. Ihr Konsument-Team