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Lederschuhhersteller

Blut ist im Schuh

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KONSUMENT 4/2012 veröffentlicht: 27.03.2012, aktualisiert: 26.04.2012

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"Ich brauche das Geld"

Bild: danwatch.dk
Transport: zusammen-
gepfercht und gefesselt

Die Rinder stehen so dicht gedrängt auf der Ladefläche des Lastwagens, dass sie nicht angebunden zu werden brauchen, sie können gar nicht umfallen. Eine kleinere Kuh hat ­Mühe, ihren Kopf über den Leibern der anderen zu halten. "Ich weiß, dass es illegal ist, 21 Rinder zu laden, aber ich brauche das Geld", rechtfertigt sich der Fahrer. Auf einem Lkw dieser Größe dürften maximal sechs ­Rinder transportiert werden. Er fährt in der Nacht, um nicht die Aufmerksamkeit der ­Polizei zu wecken.

Bei Tierschutz und Personal wird gespart

Sowohl Viehzucht als auch Weiterverarbeitung sind in Indien klein strukturiert, ein beträchtlicher Wettbewerbsnachteil gegenüber Ländern wie Brasilien oder auch China; die Produktivität der chinesischen Arbeitskräfte ist um 33 Prozent höher. Als Ausgleich wird beim Tierschutz und beim Personal gespart: Die Lohnstückkosten liegen um 41 Prozent unter denen des Niedriglohnlandes China.

Das sind nur einige Ergebnisse einer Vor-Ort-Untersuchung der dänischen Organisation DanWatch in Rinderfarmen und Lederindus­triebetrieben Brasiliens und Indiens.

Bild: danwatch.dk
Die Rinder sehen zu, wie ihre Artgenossen sterben.

400.000 Tonnen im Jahr

Indien ist einer der fünf größten Hersteller von Rinderhäuten, die Produktion beläuft sich auf 400.000 Tonnen (2009). Und das in einem Land, in dem Kühe als heilig ange­sehen werden. Hindus töten sie nicht und würden sie auch nicht essen. Daher werden in den Schlachthäusern hauptsächlich Moslems beschäftigt.

Gesetze: "Die Umsetzung ist gleich Null"

Der Vizepräsident der indischen Tierschutz­organisation Animal Welfare Board of India, Chinny Krishna, meint, dass Indien wahrscheinlich die besten Tierschutzbestimmungen der Welt habe, "aber die Umsetzung ist gleich null; ich garantiere, dass nicht ein Viehtransporter die Gesetze einhält". Schuld daran sei verbreitete Korruption in den Behörden und das geringe Interesse, das die Regierung dem Tierschutz im Vergleich zu ökonomischen Interessen einräume.

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Kommentare

  • Zum Thema Schächten
    von Morgenstern am 25.04.2012 um 17:08
    Ich war vor einiger Zeit mit einem Wanderschäfer unterwegs und habe dort das Schächten live erlebt. Es wurde dort nicht aus religiösen Motiven eingesetzt, sondern weil es die schmerzfreieste und sicherste Methode ist, um ein Tier zu schlachten. Die Schafe erleiden innerhalb von Sekunden einen Blutsturz, werden also ohnmächtig, da das Blut aus dem Hirn fließt. Natürlich gibt es auch unter den Schächtern "schwarze Schafe" und als Veganer verwende ich keinerlei Tierprodukte. Aber das Schächten an sich würde ich jederzeit dem Schlachten per Schlachtschußapparat vorziehen, denn dort werden sehr viele Tiere nicht sofort getötet und erleben Dinge wie das Aufhängen auf Haken inkl. dem Brechen der Knochen und Reißen der Sehnen unter dieser Last bei vollem Bewußtsein mit.
  • Schächten
    von Biene7 am 09.04.2012 um 15:24
    Sehr geehrtes Team vom "Konsument". Gratulation zu obigem Artikel. Ein bißchen mehr Kritik hätte ich mir betreffend des Schächtens erwartet, d.h. "Moslems in Indien töten die Rinder", indem sie diese schächten, d.h. bei lebendigem Leib ausbluten lassen. Diese Schlachtpraxis gibt es auch bei uns (zur Produktion von "Halal"-Fleisch). Tierschutz hört bei mir bei - angeblich - religiösen Motiven nicht auf. Bitte mal um eine Untersuchung dieser Schlachtmethoden. Vielleicht gibt es irgendwann einmal sogar eine Kennzeichnung über besonders "schonende" Schlachtmethoden oder "garantiert nicht halal". Bei anderen Tieren (z.B. Thunfischen gibt es ja schon eine ähnliche Kennzeichnung [Delphin-schonender Fang]). Vielen Dank im Voraus für Ihr konsequentes Eintreten für den Tierschutz. Sabsi
  • Alternativen
    von MargotBelyus am 07.04.2012 um 15:48
    Schade, daß Sie - wie auch beim Kinderschuhetest - DIE österreichischen Schuhe Waldviertler nicht dabei hatten. Der Bericht ist gut, rüttelt auf, hinterläßt aber wiedermal zerknirschte Konsumenten mit wenig Möglichkeit zur Vermeidung.
  • danke, super test
    von powerplana am 03.04.2012 um 19:18
    bitte mehr infos wie diese, das finde ich interessanter als ob die digitalkamera xy sehr gut, gut oder durschnittlich ist
  • Wo sind die Waldviertler, Ganter, usw.
    von REDAKTION am 02.04.2012 um 17:46
    Die Untersuchung wurde im Rahmen einer Kooperation mehrerer europäischer Verbraucherorganisationen durchgeführt, nur große, international bekannte Marken wurden berücksichtigt. Leider können aus Kostengründen nicht alle, für den heimischen Markt interessanten Marken untersucht werden. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass kleinere Firmen, wie Waldviertler, im direkten Vergleich mit Konzernen unter ihrem Wert abschneiden würden, da sich kleinere Unternehmen in der Regel keine eigene CSR-Abteilung (zuständig für soziale Verantwortung in der Produktion und bei der Beschaffung von Vorprodukten) und eine ausführliche Information der Öffentlichkeit (auf der Homepage oder durch Nachhaltigkeitsreports) leisten könnten. Auch die Beantwortung des umfangreichen Fragebogens ist für kleinere Unternehmen sicher schwieriger zu bewerkstelligen als für einen Konzern. Ihr Konsument-Team