KONSUMENT.AT - Lederschuhhersteller - Konzerne wissen nicht, wo ihr Leder herkommt

Lederschuhhersteller

Blut ist im Schuh

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KONSUMENT 4/2012 veröffentlicht: 27.03.2012, aktualisiert: 26.04.2012

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16 Markenfirmen auf dem Prüfstand

Wie gehen die Hersteller von Markenschuhen damit um? In einer Kooperation europäischer Verbraucherorganisationen (darunter der VKI) wurden international tätige Unternehmen auf ihre gesellschaftliche Verant­wortung hin geprüft, der Schwerpunkt lag in der Lederbeschaffung. Die vergleichsweise kleinen österreichischen Produzenten (wie Humanic) finden sich ebenso wenig darunter wie Diskontmarken (z.B. Deichmann). Grundlage der Untersuchung waren ein umfang­reicher Fragebogen sowie alle verfügbaren Sekundärquellen (von der internen Dokumentation der Unternehmen bis zu Experteninterviews).

Bis auf eine Ausnahme (eine indische Großgerberei, die Clarks und Timberland beliefert) konnten die Ergebnisse der Vor-Ort-Unter­suchung keiner einzigen Schuhmarke zugeordnet werden. Daher können sie auch nicht wie sonst üblich in die Beurteilung einbe­zogen werden.

Konzerne wissen nicht, wo ihr Leder herkommt

Die Markenkonzerne wissen tatsächlich nicht, wo das Leder für ihre Schuhe herkommt. Sie haben vielleicht noch einen Überblick über die Schuhfabriken, die sie be­liefern, aber woher diese die Vorfabrikate beziehen, bleibt im Dunkeln. Das trifft vor ­allem in Indien zu, wo Tausende von Klein­betrieben Leder für den Weltmarkt erzeugen.

Zulieferer: Zustände bleiben im Dunkeln

So konnte zwar beurteilt werden, wie streng die Auflagen an die Zulieferer sind, ob Leder nur von geprüften Betrieben bezogen wird, ob schwarze Listen berücksichtigt werden oder beispielsweise überhaupt auf Leder aus dem Amazonasgebiet wegen der Bedrohung des Regenwaldes verzichtet wird. Wie es in den Zulieferbetrieben von Timberland & Co aber tatsächlich aussieht, wissen auch wir leider nicht.

Das Ergebnis wird dadurch ­klarerweise relativiert und kann daher etwa nicht mit Ethik-Tests anderer Branchen verglichen werden. Generell sei daran erinnert: Ein sehr gutes oder gutes Ergebnis (A bzw. B) im Ethik-Test bedeutet, dass das betreffende Unternehmen zu den Besten in der Branche zählt, aber nicht, dass es dort keine Miss­stände gibt.

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Kommentare

  • Zum Thema Schächten
    von Morgenstern am 25.04.2012 um 17:08
    Ich war vor einiger Zeit mit einem Wanderschäfer unterwegs und habe dort das Schächten live erlebt. Es wurde dort nicht aus religiösen Motiven eingesetzt, sondern weil es die schmerzfreieste und sicherste Methode ist, um ein Tier zu schlachten. Die Schafe erleiden innerhalb von Sekunden einen Blutsturz, werden also ohnmächtig, da das Blut aus dem Hirn fließt. Natürlich gibt es auch unter den Schächtern "schwarze Schafe" und als Veganer verwende ich keinerlei Tierprodukte. Aber das Schächten an sich würde ich jederzeit dem Schlachten per Schlachtschußapparat vorziehen, denn dort werden sehr viele Tiere nicht sofort getötet und erleben Dinge wie das Aufhängen auf Haken inkl. dem Brechen der Knochen und Reißen der Sehnen unter dieser Last bei vollem Bewußtsein mit.
  • Schächten
    von sabsch70 am 09.04.2012 um 15:24
    Sehr geehrtes Team vom "Konsument". Gratulation zu obigem Artikel. Ein bißchen mehr Kritik hätte ich mir betreffend des Schächtens erwartet, d.h. "Moslems in Indien töten die Rinder", indem sie diese schächten, d.h. bei lebendigem Leib ausbluten lassen. Diese Schlachtpraxis gibt es auch bei uns (zur Produktion von "Halal"-Fleisch). Tierschutz hört bei mir bei - angeblich - religiösen Motiven nicht auf. Bitte mal um eine Untersuchung dieser Schlachtmethoden. Vielleicht gibt es irgendwann einmal sogar eine Kennzeichnung über besonders "schonende" Schlachtmethoden oder "garantiert nicht halal". Bei anderen Tieren (z.B. Thunfischen gibt es ja schon eine ähnliche Kennzeichnung [Delphin-schonender Fang]). Vielen Dank im Voraus für Ihr konsequentes Eintreten für den Tierschutz. Sabsi
  • Alternativen
    von MargotBelyus am 07.04.2012 um 15:48
    Schade, daß Sie - wie auch beim Kinderschuhetest - DIE österreichischen Schuhe Waldviertler nicht dabei hatten. Der Bericht ist gut, rüttelt auf, hinterläßt aber wiedermal zerknirschte Konsumenten mit wenig Möglichkeit zur Vermeidung.
  • danke, super test
    von powerplana am 03.04.2012 um 19:18
    bitte mehr infos wie diese, das finde ich interessanter als ob die digitalkamera xy sehr gut, gut oder durschnittlich ist
  • Wo sind die Waldviertler, Ganter, usw.
    von REDAKTION am 02.04.2012 um 17:46
    Die Untersuchung wurde im Rahmen einer Kooperation mehrerer europäischer Verbraucherorganisationen durchgeführt, nur große, international bekannte Marken wurden berücksichtigt. Leider können aus Kostengründen nicht alle, für den heimischen Markt interessanten Marken untersucht werden. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass kleinere Firmen, wie Waldviertler, im direkten Vergleich mit Konzernen unter ihrem Wert abschneiden würden, da sich kleinere Unternehmen in der Regel keine eigene CSR-Abteilung (zuständig für soziale Verantwortung in der Produktion und bei der Beschaffung von Vorprodukten) und eine ausführliche Information der Öffentlichkeit (auf der Homepage oder durch Nachhaltigkeitsreports) leisten könnten. Auch die Beantwortung des umfangreichen Fragebogens ist für kleinere Unternehmen sicher schwieriger zu bewerkstelligen als für einen Konzern. Ihr Konsument-Team