KONSUMENT.AT - Reifenhersteller im Ethik-Test - Testkriterien

Reifenhersteller im Ethik-Test

Dem Gummi auf der Spur

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KONSUMENT 4/2013 veröffentlicht: 18.03.2013

Inhalt

Testkriterien

Die Untersuchung wurde im Rahmen einer internationalen Kooperation von einer branchenkundigen Audit-Organisation durchgeführt. Fokus sind soziale und ökologische Aspekte bei der Kautschukgewinnung und der Weiterverarbeitung bis zur Herstellung der Reifen. Ausgewählt wurden große, international tätige Markenfirmen.

Fragebogen, Unterlagen, Field-Studies

Die Untersuchung basiert auf einer Erhebung mittels Fragebogen und einer Analyse von Sekundärmaterial. Im Fragebogen wurden umfassende Kriterien zur gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung (CSR) abgefragt. Sekundäre Quellen bildeten die interne Dokumentation der Unternehmen, Jahresberichte, Untersuchungsberichte sowie Interviews mit Experten und Stakeholdern.

Außerdem führten Reporterteams Field-Studies (Vor-Ort-Untersuchungen) in Kautschukplantagen, bzw. -farmen durch. Eine direkte Zuordnung von Zulieferfirmen zu bestimmten Marken war nicht möglich.

Vorgesehen war auch der Besuch von Produktionswerken, um zu überprüfen, ob die Unternehmenspolitik tatsächlich in die Praxis umgesetzt wird. Doch war kein einziger Hersteller bereit, eine Besichtigung zu ermöglichen bzw. zuzulassen, dass die Ergebnisse der Besichtigung auch veröffentlicht werden.
Erhebungszeitraum: August bis Dezember 2012.

So wird beurteilt

Die Erfüllung jedes einzelnen Kriteriums wird in 5 Abstufungen beurteilt – von umfassend bis unzureichend erfüllt.
Zusätzlich wird eine Gewichtung durchgeführt: Je nach Nachweisbarkeit der zur Verfügung stehenden Informationen werden die Beurteilungen der Einzelkriterien mit einem Faktor zwischen 0 und 1 gewichtet. Gibt es seriöse Quellen, die den Angaben klar widersprechen, so wird mit Faktor 0 gewichtet, d.h. das Kriterium gilt als nicht erfüllt. Gibt es keine Belege (Dokumentation, Reports, Experteninterviews) für die eigenen Angaben des Unternehmens, wird mit Faktor 0,5 gewichtet. Nur wenn die Angaben zur Gänze bestätigt werden können, gehen sie mit vollem Gewicht (Faktor 1) in die Bewertung ein.

Dargestellt werden die Gruppenurteile und das Gesamturteil in einer fünfstufigen Skala von A bis E. Stufe A bedeutet, dass zumindest 80 Prozent aller Kriterien erfüllt sein müssen; E am anderen Ende der Skala steht für ein Ergebnis, bei dem unter 20 Prozent der Kriterien erfüllt wurden.

Die Kriterien im Einzelnen:

Sozialpolitik

Grundsätze: Gibt es eine veröffentlichte Sozialpolitik? Grundsätze, öffentliche Bekenntnisse, Leitlinien für die Wertschöpfungskette, Managementsysteme, quantitative und qualitative Ziele.
Standards und Maßnahmen: Bewertet wurden soziale Mindeststandards für die Fertigung – die Definition von Anforderungen (betreffend z.B. Mindestlohn, Überstundenregelung, Gesundheit, Sicherheit) sowie Maßnahmen auf Grundlage dieser Standards.
Monitoring: Anmeldung der Arbeitnehmer, laufende interne und externe Überwachung, Hilfestellung der Zulieferer, konkrete Maßnahmen und Aktivitäten.

Umweltpolitik

Grundsätze: Gibt es eine veröffentlichte Umweltpolitik? Grundsätze, öffentliche Bekenntnisse, Leitlinien für die Wertschöpfungskette, Managementsysteme, Öko-Design der Produkte, quantitative und qualitative Ziele.
Standards und Maßnahmen: Bewertet wurden das Chemikalienmanagement, das Abfallmanagement, Maßnahmen gegen den Klimawandel, die Beschaffung von Rohmaterial und Komponenten usw.
Monitoring: laufende interne und externe Überwachung, Hilfestellung für Zulieferer, konkrete Maßnahmen und Aktivitäten.

Beschaffung Kautschuk

Anforderungen bei der Naturkautschukgewinnung auf den Plantagen/den Farmen: Bedingungen für Wanderarbeiter, Arbeitsbedingungen generell, Behandlung der Kleinbauern, Beachtung der Artenvielfalt, Umweltverschmutzung, …
Anforderungen bei der Weiterverarbeitung von Naturkautschuk
Beziehungen zu den benachbarten Gemeinden, Korruption

Transparenz

Teilnahme an der Untersuchung: Bewertung der retournierten Fragebögen auf Vollständigkeit, Zusatzangaben, Unterlagen ...
Öffentliches Berichtswesen: Vorliegen von Nachhaltigkeitsreports, regelmäßiges Erscheinen, Informationstiefe, Informationsbreite.
Ermöglichung von Werksbesichtigungen

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