KONSUMENT.AT - Schadstoffe in Alltagsprodukten - KIK und SEWA: Weichmacher

Schadstoffe in Alltagsprodukten

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KONSUMENT 7/2011 veröffentlicht: 14.06.2011

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Einige der Produkte ließen wir darüber hinaus beim österreichischen Umweltbundesamt gezielt auf die fraglichen Chemikalien untersuchen. In 11 von 15 wurden Problemstoffe nachgewiesen, in den meisten Fällen lag die Konzentration allerdings unter 0,1 Prozent oder es handelte sich um Substanzen, die nicht auskunftspflichtig sind. Die Firmenangaben (sofern sie sachlich korrekt waren) stimmten fast durchwegs mit den Ergebnissen der Analyse überein. Nur Forstinger gab einen höheren Phthalatgehalt an als tatsächlich nachgewiesen werden konnte.

Weichmacher, die die Fortpflanzung gefährden

Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass 2 der 15 Artikel besonders bedenkliche Stoffe zu über 0,1 Gewichtsprozent enthielten - siehe Bild: Ein Federpennal der Firma KiK enthielt 1,5 Prozent an DEHP, die Antirutsch-Figuren von SEWA wiesen sogar 36 Prozent an DIBP auf – beide Weichmacher stehen auf der Liste jener Chemikalien, die die Fortpflanzungsfähigkeit gefährden. Mit beiden ist beim Gebrauch enger Hautkontakt möglich.

Bedenklicher Gehalt an DEHP: Hot-Wheels-Federpennal von KIK (Foto: Schreiner/VKI)   Bedenklicher Gehalt an Weichmacher (DIBP): Antirutsch-Auflage von SEWA
Bedenklich: Federpennal von KIK ... und Antirutsch-Auflage von SEWA2


Bei den Antirutsch-Auflagen können die Weichmacher durch das Badewasser gelöst werden und so viel leichter in den Körper gelangen. Das Federpennal wiederum gilt nicht als Kinderspielzeug, sonst wäre der nachgewiesene Phthalatgehalt verboten. Dennoch wird es nicht wenige Kinder geben, die auch ein Federpennal hin und wieder mit dem Mund berühren.

Hätte es sich nicht um Fertigprodukte wie Plastikfiguren oder ein Federpinnal sondern um sogenannte Gemische wie Lacke oder Reinigungsmittel gehandelt, wären so hohe Konzentrationen an diesen fortpflanzungsgefährdenden Stoffen verboten. Hier besteht also noch Handlungsbedarf. 

Konsumentenanfragen machen Druck

Die Auskunftspflicht gemäß REACH hat nicht zuletzt den Sinn, das Bewusstsein für bedenkliche Chemikalien in Alltagsprodukten zu schärfen. Der Informationsfluss vom Produzenten zum Händler soll verbessert werden und ist auch verpflichtend geregelt. Beide sollten darüber hinaus durch möglichst häufige Anfragen motiviert werden, eine Verringerung unnötiger Belastungen durch Schadstoffe anzustreben. Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass die meisten Händler der Auskunftspflicht nachkommen. "Besonders besorgniserregende" Substanzen haben in Alltagsprodukten nichts verloren, in zwei der untersuchten Artikel waren sie aber noch in relativ hoher Konzentration enthalten.

Konsequenzen? Schweigen im Walde

Die Frage, welche Maßnahmen ergriffen werden, um möglichst schadstofffreie Produkte anzubieten, blieb von den meisten Händlern leider unbeantwortet. Keine Frage, eine Kennzeichnung auf dem Produkt wäre viel wirksamer als das Recht auf Auskunft, das nur von einer hochmotivierten Minderheit in Anspruch genommen wird.

Kaufentscheidungen werden meist spontan im Geschäft getroffen. Wer möchte schon 45 Tage (immerhin über 6 Wochen) warten, bis er Gewissheit über die Unbedenklichkeit der gekauften Produkte erhält? Aber betrachten wir es als ersten zaghaften Schritt in die richtige Richtung!

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