Werbefahrten

Der alte Schmäh

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KONSUMENT 8/2015 veröffentlicht: 30.07.2015

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Prospekte mit Gewinnzusagen und Gratisreisen im Briefkasten sind mit Vorsicht zu genießen. In aller Regel handelt es sich dabei um leere Versprechungen, die Veranstalter haben es in erster Linie auf Ihre Geldbörse abgesehen.

Wer sich nicht mit einem Pickerl am Brief­kasten dagegen wehrt, bleibt kaum vor den bunten, Prospekten und Flugblättern verschont, auf denen Gewinnzusagen und Einladungen zu Gratisbusreisen versprochen werden. Meist winken als Draufgabe auch noch Geschenke und die Verpflegung für den ganzen Tag ist ohnehin inbegriffen. Manche der Zusendungen sind sogar persönlich adressiert und mit offiziell aussehendem ­Siegel versehen.

Leere Versprechungen

Tatsächlich entpuppen sich die vermeintlichen Geld- oder Sachgewinne in der Regel als leere Versprechungen und anstatt etwas vom angekündigten touristischen Highlight zu Gesicht zu bekommen, verbringt man den lieben langen Tag bei ­einer Werbeveranstaltung in einem dritt­klassigen Gasthof. „Der Schmäh funktioniert seit Jahren auf die immer gleiche Tour. Am Ende hat man weder etwas gewonnen noch gesehen, sondern sich auch noch zum Kauf eines völlig überteuerten Produktes über­reden lassen, das man eigentlich gar nicht benötigt“, konstatiert Reinhold Schranz vom Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) Österreich.

Unter Druck gesetzt

Der Jurist rät entschieden davon ab, sich für eine Werbefahrt anzumelden beziehungsweise überhaupt eine Teilnehmerkarte a­uszufüllen. Wer Letzteres tut, muss damit rechnen noch mehr dubiose Angebote zu ­er­halten. „Die Adressdaten werden gespeichert und eventuell an andere Firmen weiterverkauft. Die Gefahr ist groß, dass man in regelmäßigen Abständen mit Einladungen zu Werbefahrten beziehungsweise Gewinnzusagen belästigt wird“, weiß Schranz. Auch die Hoffnung vieler meist älterer ­Menschen, einen schönen Tag in angenehmer Gesellschaft verbringen zu können, ist höchst trügerisch.

Von der Heizdecke bis zum Nahrungsergänzungsmittel

Sitzt man erst einmal im Bus, ist es mit Freundlichkeit und Zuvor­kommenheit des Begleitpersonals schnell vorbei: Es wird solange Druck auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgeübt, bis Heizdecken oder Magnetmatten bestellt sind. In letzter Zeit haben dabei auch ­Produkte Hochkonjunktur, deren Präsen­tation nach der österreichischen Gewerbe­ordnung auf derartigen Veranstaltungen verboten ist, darunter Nahrungsergänzungsmittel, Arznei­präparate und Heilbehelfe ­sowie ­Uhren aus Edelmetall oder Gold- und Platinwaren.


EVZ; VKI-Screenshot


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