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Wettbüros: kein Jugendschutz

Faule Wetten

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Konsument 6/2010 veröffentlicht: 18.05.2010, aktualisiert: 19.05.2010

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Spielsucht in Österreich

Exakte Zahlen, wie viele Menschen in Österreich spielsüchtig sind, fehlen. Die Leiterin der Spielsuchthilfe Wien, Dr. Izabela Horodecki, schätzt, dass rund 1,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung betroffen sind. Die Zahl derjenigen, die bei der Spielsuchthilfe eine Beratung bzw. Therapie in Anspruch nahmen, verdreifachte sich im Zeitraum 1989 (296) bis 2008 (903).

Wissenschaftler bringen die Tatsache, dass immer mehr Menschen spielsüchtig werden, vor allem mit der Liberalisierung des Glücksspiels in Zusammenhang. Dort, wo ein leichterer Zugang zu Casinos, Wettbüros und Spielautomaten besteht, steigt die Zahl der Spielsüchtigen merkbar.

Besonders Bundesländer wie Wien, Kärnten oder die Steiermark, in denen das kleine Glücksspiel bislang zugelassen ist, verzeichnen einer Studie der Universität Wien zufolge eine „exorbitante Zunahme“ an pathologischen Spielern.

Verschuldung, Vereinsamung, Kriminalität

Die Folgen für die Betroffenen sind häufig soziale Vereinsamung, Verlust der Familie bzw. des Arbeitsplatzes, Verschuldung und nicht selten Kriminalität. Mittlerweile müssen sich die Gerichte in zunehmendem Maß mit den Folgen der Spielsucht auseinandersetzen.

Laut Auskunft der Justizvollzugsanstalt für Jugendliche in Gerasdorf liegt bei den dort Inhaftierten in mehr als 50 Prozent aller Fälle Beschaffungskriminalität aufgrund von Spielschulden bzw. Spielsucht vor.

Die Tendenz ist steigend. Der Abstieg verläuft meist nach einem ähnlichen Muster: je mehr verspielt wird, desto höher die Einsätze und die Bereitschaft, Wetten mit hohen Gewinnmöglichkeiten abzuschließen.

Doch wie in der Welt der Finanzen gilt auch hier: Je höher der prognostizierte Gewinn, desto größer das Risiko und damit der Totalverlust. Unterm Strich gewinnt immer die Bank, sprich: das Wettbüro.

Gewinn nicht ausbezahlt

Und sollte dem jugendlichen Spieler das Glück tatsächlich winken, ist keineswegs sicher, dass er den Gewinn auch ausbezahlt bekommt. Eine derartige Erfahrung machten wir in einem Wettpunkt-Lokal. Der Tipp war richtig und unser Tester wollte seinen Wettschein einlösen. Doch plötzlich schaltete der Betreiber auf korrekt. An der Kassa wurde nach Alter und Ausweis gefragt und die Auszahlung schließlich mit dem Hinweis verweigert, dass der Spieler noch nicht volljährig sei.

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