KONSUMENT.AT - Medistus Antivirus Lutschpastillen - Keine sauberen Studien

Medistus Antivirus Lutschpastillen

Schutz vor Viren und Bakterien?

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KONSUMENT 3/2021 veröffentlicht: 02.02.2021

Inhalt

Können die "Antivirus Lutschpastillen" vor Erkältungen, Grippe, COVID-19 oder anderen Atemwegsinfektionen schützen?

Beweislage: unzureichend. Es gibt keine veröffentlichten Studien zur Wirksamkeit der Lutschpastillen. Auch was sich hinter dem angeblichen Wirkstoff "Kistosyn 200“ verbirgt, verraten die Hersteller nicht.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend


Gegen Viren, Bakterien, Husten?

Schutz vor Infektionen mit Viren und Bakterien sowie Linderung bei Husten, das verspricht der Hersteller von Medistus Antivirus Lutschpastillen, die in Apotheken erhältlich sind. Verantwortlich für die beworbene Schutzwirkung soll ein pflanzlicher Extrakt mit dem Namen „Kistosyn 200“ sein. Aus welcher Pflanze dieser besteht, verrät der Hersteller nicht. Bei mehrmals täglicher Anwendung der Pastillen soll ein schützender Film auf der Mund- und Rachenschleimhaut entstehen. Dieser soll Viren und Bakterien daran hindern, sich an die Schleimhautzellen zu heften, und so Infektionen vorbeugen.

Welche Substanzen in welcher Dosierung?

Unsere Kooperationspartner von medizin-transparent.at haben bei Medistus Antivirus Lutschpastillennach wissenschaftlichen Belegen für die behauptete Wirkung gesucht. Auf der Website des Herstellers werden Teilergebnisse zu drei Studien genannt. Die angeführten Informationen reichen jedoch nicht aus, um überprüfen zu können, ob die Studien aussagekräftig sind. So bleibt im Dunkeln, welche Substanzen in welcher Dosierung getestet wurden. Unklar ist auch, wie relevant die Ergebnisse in der Praxis sind. Bei den Arbeiten dürfte es sich um sogenannte In-vitro-Studien handeln, also um Untersuchungen, die im Labor an Zellen durchgeführt wurden.

Keine Studien am Menschen veröffentlicht

Um eine Wirksamkeit im menschlichen Körper nachzuweisen, wären aber Studien nötig, an denen Menschen teilnehmen. Eine Studie mit 30 teilnehmenden Personen wurde offenbar vom Hersteller in Auftrag gegeben und 2017 abgeschlossen. Das zeigt ein Eintrag im öffentlichen Studienregister ClinicalTrials.gov. Die Ergebnisse wurden jedoch bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe (Jänner 2021) nicht veröffentlicht.

Zu wenig Testpersonen

Allerdings wäre die Anzahl der Teilnehmenden auch zu gering, um aussagekräftige Ergebnisse erhalten zu können. Da der Hersteller auch auf schriftliche Nachfrage keine weiteren Informationen zur Verfügung stellte, ist unklar, ob Medistus Antivirus vor Viren und anderen Krankheitserregern schützen kann. Da nicht bekannt ist, welche pflanzlichen Inhaltstoffe sich in dem Mittel befinden, sollten Personen, die unter Allergien leiden, die Lutschpastillen nicht einnehmen.

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Medizin-transparent ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

Lesen Sie mehr auf www.medizin-transparent.at

 

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Kommentare

  • Zistrose ?
    von Dunkelsteinerwald am 02.02.2021 um 18:04
    Ein Hauptbestandteil dürfte die Zistrose sein, die bekannt ist für ihre antiseptische Wirkung im Mund- und Rachenraum. Natürlich gibt eine Firma die Rezeptur ihres Mittels nicht preis. Sonst könnte es die Konkurrenz koperen.