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Mobilfunktarife: Betreiber im Mobilnetz - Rapid ist mein Tarif

Auf dem heimischen Mobilfunkmarkt geht es rund. Die Kunden profitieren von steigender Konkurrenz und sinkenden Preisen, doch die Situation wird langsam unübersichtlich.

Wer steckt hinter meinem Netzbetreiber - T-Mobile, Drei oder A1 (Bild: Alexandra Konstantinoudi/VKI)

Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen über:
A1, B-Free, Bob, educom, Fenercell, Ge-org!, Krone mobile, KURIER mobil, kwikki, RedBull Mobile, , Wowww!, Yesss!, Yoopi, Kraftcom, Lycamobile, m:tel, Drei, eety, spusu, Media Markt Mobil, Saturn Mobil, simpli TV, UPC Mobile, Allianz SIM, Avido, dialog, HoT, LIWEST Mobil, Delight mobile, Vectone, Rapid Mobil, VOLmobile, Tele2 Mobile, T-Mobile, tele.ring, s-budget. - Hier unser Bericht:


Für eingefleischte Anhänger ist der SK Rapid ohnehin kein herkömmlicher Fußballverein, sondern eine Glaubens- und Interessen­gemeinschaft. Entsprechend umfangreich ­gestaltete er schon bisher seine Fan- und Mitgliederbetreuung. Jetzt hat er sein „Kunden­bindungsprogramm“ noch um einen eigenen Mobilfunktarif erweitert (wobei man korrekterweise von einer Marke sprechen müsste, die mehrere unterschiedliche Tarifpakete im Angebot hat). Was lag näher als der unspektakuläre, aber keiner weiteren Erklärung ­bedürfende Name Rapid Mobil. Alle Erlöse daraus fließen direkt an den Verein. Wie das geht?

Präsident mit Erfahrung

Günstigerweise bringt Rapid-Präsident ­Michael Krammer aus seinen früheren Tätigkeiten als Geschäftsführer von Telering bzw. Orange ausreichend Branchenerfahrung mit. Und vor allem ist er der Gründer der Firma Ventocom. Sollte die Nennung dieses Namens Ihnen noch kein Aha-Erlebnis bescheren, dann vielleicht der Hinweis, dass Ventocom unter anderem hinter der Marke HoT (= Hofer Telekom) steht. Der Diskontanbieter ist im Jänner 2015 bei null gestartet und darf sich mittlerweile über beinahe 700.000 Kunden freuen.

Virtuelle Betreiber

HoT ist ein sogenannter virtueller Mobilnetzbetreiber, in der Fachsprache Mobile Virtual Network Operator oder kurz MVNO genannt. Virtuelle Betreiber besitzen keine ­eigene Netzinfrastruktur, sondern mieten sich bei bestehenden Netzbetreibern ein. Im Fall von HoT ist dies T-Mobile Austria. Sonst agieren MVNOs aber unabhängig vom jeweiligen Netzbetreiber und stehen somit in Konkurrenz zu ihm. Die Netzbetreiber ver­lieren zwar Kunden, profitieren andererseits aber von den Mieteinnahmen. Allerdings stellen sie ihre Netze nicht aus eigenem ­Antrieb zur Verfügung, sondern weil die auf den Erhalt des Wettbewerbs fokussierte EU-Kommision nur unter dieser Bedingung der Übernahme von Orange durch Hutchison Drei zugestimmt hat.

Dienstleister im Hintergrund

Dienstleister im Hintergrund

Ventocom selbst ist ein MVNE, ein Mobile Virtual Network Enabler. Wörtlich übersetzt ist ein „Enabler“ ein „Ermöglicher“. Ein MVNE verfügt zwar ebenfalls über kein eigenes Netz, stellt aber interessierten MVNOs Know-how und Dienstleistungen zur Ver­fügung, die sie für ihr Vorhaben benötigen.

Ventocom hat bisher dem

  • Lebensmittel­diskonter Hofer,
  • der Allianz-Versicherung,
  • dem oberösterreichischen Kabelnetzbetreiber Liwest und
  • nun auch dem SK Rapid

den unkomplizierten Markteinstieg als virtuelle Mobilfunkbetreiber ermöglicht. Deren Inte­ressen und Ziele sind trotzdem unterschiedlich. Während HoT mit Kampfpreisen als ­direkter Konkurrent zu A1 angetreten ist, steht bei den anderen – wie eingangs angesprochen – die Kundenbindung im Vordergrund. Auch bei UPC Mobile, eingemietet ins Drei-Netz, war dies der vorrangige Beweggrund.

Verschiedene Modelle

Die Abgrenzung zwischen MVNE und MVNO ist nicht eindeutig (und für die Kunden auch nicht entscheidend), denn hinter jeder Marke steht in der Regel ein Unternehmen als Betreiber (so etwa hinter Spusu die Firma Mass Response, die auch das Televoting beim ­Eurovision Song Contest abgewickelt hat und sonst Kunden bei der Call-Center-Einrichtung unterstützt).

Kurier und Krone kooperieren mit A1

Kurier und Kronen Zeitung hingegen haben sich bei ihren Mobilfunktarifen für ein anderes Modell entschieden. Sie kooperieren direkt mit A1; wer einen dieser Tarife wählt, schließt einen Mobilfunkvertrag mit dem heimischen Marktführer ab. Das erklärt auch, weshalb die Vorwahl für diese Tarife identisch mit ­jener der A1-Diskontschiene Yesss ist.

Edustore und Tarif S-Budget

Der Computerhändler Edustore mit seinem ­Studententarif Educom tut nichts anderes. Vergleichbar ist das mit der schon länger ­laufenden Zusammenarbeit von Spar und T-Mobile beim Tarif S-Budget oder von Red Bull Mobile mit A1. Hier treten die großen Anbieter quasi als MVNE auf.

Schlechter Empfang, anderes Netz

Aufschlussreiche RTR-Liste

Apropos Diskont: Die direkt den drei großen heimischen Anbietern zuzurechnenden Diskontmarken werden nicht zu den virtuellen Betreibern gezählt. Das sind Yesss!, bob ­(beide A1), Telering (T-Mobile), eety (Drei), aber streng genommen auch der über Saturn und Media Markt vertriebene A1-Tarif Ge-org! (nicht zu verwechseln mit den neuen, eigenen Saturn- und Media-Markt-Tarifen).

Marken, Partner, Netze

Sind Sie jetzt verwirrt? Mit Recht, doch glücklicherweise führt die Regulierungs­behörde RTR eine entsprechende Liste der Marken mit den dazugehörigen Vertragspartnern und Netzen (www.rtr.at/de/tk/TKKS_BetreiberMN). Bevor Sie diese Liste aufrufen: Raten Sie doch, unter wie vielen Marken Sie mittlerweile in Österreich wählen können! Die Antwort finden Sie ein Stück weiter unten im Text.

Welcher Vertragspartner, welches Netz?

Die Zuordnungen in der Liste sind für den Mobilfunkalltag in zweierlei Hinsicht relevant. Angenommen, Sie haben mit einem der drei großen Betreiber schlechte Erfahrungen gemacht und möchten das Unternehmen in Zukunft meiden. Dann ist es für Sie interessant, ob eine Marke/ein Tarif einem dieser Betreiber direkt zuzuordnen ist und Sie auf Umwegen erneut einen Vertrag mit ihm abschließen würden oder ob es sich um einen unabhängigen virtuellen Betreiber handelt, der lediglich die Netzinfrastruktur nutzt.

In welchem Netz bin ich?

Womit wir bei Punkt zwei sind. Informieren Sie sich bei Interesse an einem Tarif auch, um welches Netz es sich handelt. Die Vielfalt an Anbietern darf nämlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sie nur unter insgesamt drei Mobilfunknetzen wählen können. Es ist nicht so, dass die Netze den Ansturm an ­neuen Kunden nicht verkraften würden. Angesichts der weiten Verbreitung des Mobilfunks in Österreich kommt es ja ohnehin zu keinem nennenswerten weiteren Anstieg der Gesamtkundenzahl, sondern vor allem zu einer Umverteilung der Bestandskunden.

Schlechter Empfang? Anderes Netz!

Aber wenn beispielsweise in Ihrer unmittelbaren Wohnumgebung der T-Mobile-Empfang grundsätzlich schlecht ist, dann hat es keinen Sinn, in der Hoffnung auf eine Ver­besserung der Situation zu HoT zu wechseln. Zu günstigeren Konditionen immer noch nicht telefonieren zu können, ist keine befriedigende Lösung.

Informieren und vergleichen

Informieren und vergleichen

36 Marken sind es übrigens, unter deren vielfältigen Tarifpaketen Sie die Wahl haben. Was können Sie nun tun, um das für Sie passende zu finden?

  • Aktionen: Verfolgen Sie auf jeden Fall die Werbung in den diversen Medien. Es gibt immer wieder Aktionsangebote.
  • Vergleichen: Nutzen Sie Vergleichsportale wie www.durchblicker.at oder den Tarifrechner der Arbeiterkammer (http://tarifrechner.arbeiterkammer.at).
  • Alle Kosten: Achten Sie nicht nur auf die monatliche Gebühr, sondern auch auf die Gesamt­kosten (einmalig und laufend) und die vertragliche Bindefrist.
  • Mein Bedürfnis: Der Preis ist nicht alles. Überlegen Sie gut, ob der jeweilige Tarif Ihren Bedürf­nissen gerecht wird.

A1-superbob: nur in Österreich

Tarif "superbob" ...

Wie sich zeigt, muss man bei den Tarifbedingungen mittlerweile noch genauer schauen. Die zu A1 gehörende Marke bob ist vor ­Weihnachten 2016 mit dem Tarif superbob gestartet, um den anderen Diskontern Paroli zu bieten. Auf den ersten Blick handelt es sich um ein sehr attraktives Angebot mit gewal­tigen 20 Gigabyte Datenvolumen. Mit diesem Tarif ist allerdings kein Roaming möglich, das heißt, er ist ausschließlich in Österreich nutzbar.

Vielleicht ist das ja schon eine vorauseilende Reaktion auf die Mitte 2017 bevorstehende EU-weite Abschaffung der Roaming-Aufschläge?

... ohne Roaming

Dann wird es für die Kunden keinen Unterschied mehr machen, wo sie sich gerade aufhalten, und sie können ihre enthaltenen Freiminuten bzw. das Datenvolumen überall ohne Mehrkosten verwenden. Wenn der Tarif aber von Haus aus kein Roaming beinhaltet, dann erspart sich der Anbieter zusätzlichen Aufwand und Kosten, die durch die Bereitstellung dieses Services bzw. die Abrechnung mit ausländischen Providern entstehen. Ob sie mit dieser Einschränkung zurechtkommen, müssen die potenziellen Kunden selbst entscheiden.

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