KONSUMENT.AT - Osteoporose: Vibrationstherapie - Keine Studien mit Betroffenen

Osteoporose: Vibrationstherapie

Sind damit Knochenbrüche vermeidbar?

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KONSUMENT 5/2021 veröffentlicht: 29.04.2021

Inhalt

Ist die Ganzkörper-Vibrationstherapie wirksam, um Knochenbrüche bei Osteoporose-Betroffenen zu vermeiden? 

Beweislage: unzureichend. Studien, die untersucht haben, ob sich ein ­Vibrationstraining auf das Knochenbruch-Risiko bei Menschen mit ­Osteoporose auswirkt, waren nicht auffindbar. 

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend

 

Krankhafter Knochenschwund

Fast eine halbe Million Menschen in Österreich sind von Osteoporose betroffen. Die Erkrankung verursacht einen übermäßigen Schwund der Knochenmasse. Das schwächt die Stabilität der Knochen und erhöht das Risiko für Knochenbrüche. Schon kleinere Stürze oder Stöße können Frakturen aus­lösen. Besonders gefährdete Stellen sind Hüfte, Handgelenke, Wirbelsäule, Ober­arme und Oberschenkel. Frauen sind, insbesondere nach der Menopause (letzte Regelblutung), häufiger von Osteoporose betroffen als Männer. Verantwortlich dafür sind hauptsächlich hormonelle Veränderungen, durch die krankhafter Knochenschwund begünstigt wird. 

Vibrierende Plattformen zur Stärkung von Knochen und Muskulatur

Ein Training auf Vibrationsplattformen soll Menschen mit Osteoporose helfen, das ­Risiko für Knochenbrüche zu reduzieren. Dabei stehen die Betroffenen auf einer ­vibrierenden Plattform mit Haltegriffen. Durch sanftes Rütteln sollen die Knochen und die Muskulatur gestärkt werden. ­Erfunden wurde das Verfahren ursprünglich für Astronauten. Die Rüttelplatten sollten den Knochenschwund aufhalten, der bei einem längeren Aufenthalt in der Schwerelosigkeit eintritt. 

Senkung des Rsikos für Knochenbrüche?

Doch funktioniert diese Behandlung und kann sie bei Menschen mit Osteoporose das Risiko für Knochenbrüche senken? ­Unsere Kooperationspartner von medizin-­transparent.at haben nach aussagekräf­tigen wissenschaftlichen Studien gesucht, die eine Wirksamkeit des Ganzkörper-­Vibra­tionstrainings bei Osteoporose belegen. 

Keine Belege für Nutzen des Vibrationstrainings

Die Wissenschaftler stießen bei ihrer Suche auf etliche Untersuchungen. Dies zeigt, dass es in der Wissenschaft offenbar Interesse an der Erforschung des Ganzkörper-­Vibrationstrainings gibt. Allerdings konnten sie keine einzige Studie finden, in der ausgewertet wurde, ob Osteoporose-­Betroffene mit einem Vibrationstraining seltener (oder häufiger) Knochenbrüche erleiden. In den Studien wurden anstelle des Risikos für Knochenbrüche oft Veränderungen der Knochendichte gemessen. Doch die Knochendichte allein ist nicht ­sonderlich gut geeignet, um verlässliche Aussagen über das Knochenbruch-Risiko und somit den Nutzen des Vibrationstrainings zu treffen. Mangels Belegen kann ­also weder bestätigt noch ausgeschlossen werden, dass das Vibrationstraining bei Osteoporose wirksam ist. 

Studienergebnisse wenig aussagekräftig

Einige Studien untersuchten, ob das Vibrationstraining bei älteren Personen das Sturzrisiko verringert. Darauf gibt es immerhin Hinweise. Da jedoch keine der an den Untersuchungen teilnehmenden Personen von Osteoporose betroffen war, sind die Ergebnisse dazu wenig aussagekräftig. Personen mit Osteoporose werden mit ­Vitamin-D- und Kalziumpräparaten behandelt, zudem steht eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung. Aber es gibt auch nichtmedikamentöse Ansätze wie flottes Gehen („Walking“) oder Krafttraining, die dem Knochenschwund entgegenwirken und das Risiko für Knochenbrüche reduzieren sollen. 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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