Pelargonium

Wirkung gegen Erkältungen?

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KONSUMENT 12/2017 veröffentlicht: 23.11.2017

Inhalt

Wirkt ein Extrakt aus der Wurzel der Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides, Umckaloabo) gegen Erkältungen?

Die bisherigen Studien reichen nicht aus, um die Wirkung eines Extrakts aus der Wurzel der Kapland-Pelargonie bei gewöhnlichen Erkältungen oder Nebenhöhlenentzündungen zu bestätigen.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend

 

Unzureichend erforscht

Beweislage: unzureichend. Eine Wirkung bei gewöhnlichen Erkältungen oder Nebenhöhlenentzündungen ist nur unzureichend erforscht. Einzig bei Bronchitis gibt es Hinweise auf eine mögliche Wirkung.

Studienlage für Erkältung nicht ausreichend

Rezeptfrei erhältliche Mittel, die aus der Wurzel der Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides) hergestellt werden, sollen gegen Erkältungen helfen. Angeboten werden sie unter Markennamen wie Kaloba, LUUF-Pelargonium, Umckaloabo, Belivair, DiaPelargo oder DiaTussal. In Südafrika gilt die Wurzel dieser dort heimischen Geranienart als traditionelles Heilmittel. Doch bringen Extrakte aus der Kapland-Pelargonie Husten, Schnupfen und Heiserkeit tatsächlich zum Verschwinden? Dazu haben unsere Kooperationspartner von medizin-transparent.at die medizinischen Datenbanken nach aussagekräftigen klinischen Studien durchsucht. Die Ausbeute ist bescheiden. Die derzeitige Studienlage reicht nicht aus, um beurteilen zu können, ob Extrakte aus der Kapland-Pelargonie die Symptome einer Erkältung lindern oder die Krankheitsdauer verkürzen können.

Geringfügig besser untersucht für Husten

Ebenso unklar ist, ob die Kapland-Pelargonie bei einer Entzündung der Nasennebenhöhlen helfen kann. Nur geringfügig besser untersucht ist die Wirkung bei Bronchitis. Hier geben die Ergebnisse bisheriger Studien vorsichtige Hinweise darauf, dass Pelargonium-Tropfen Husten und Auswurf schneller zum Abklingen bringen. Allerdings sind auch diese Resultate mit Vorsicht zu genießen. Sämtliche Untersuchungen wurden nämlich durch Hersteller von Produkten mit der Kapland-Pelargonie finanziert. Diese Studien erfüllen nicht durchgängig strenge wissenschaftliche Anforderungen. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Untersuchungen mit negativen Ergebnissen nicht veröffentlicht wurden.

Wirkung im Reagenzglas

Unbestritten ist, dass die Kapland-Pelargonie im Reagenzglas eine gewisse Wirkung zeigt. So hemmt sie das Wachstum von krankmachenden Keimen. Außerdem zeigte sich eine schleimlösende Wirkung. Diese Laborergebnisse taugen jedoch nicht als Belege dafür, dass Extrakte aus der Kapland-Pelargonie im menschlichen Körper genauso wirken.

Weitere Forschungen nötig

Dazu wären klinische Studien am Menschen nötig, die nach streng wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt werden. Zur Wirkung bei einer Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) bzw. einer Erkältung konnten wir nur eine einzige verwertbare Studie finden. Diese konstatiert zwar eine Wirksamkeit, allerdings war die Teilnehmerzahl in dieser Arbeit zu niedrig, um klare Rückschlüsse ziehen zu können. Auch was die Wirksamkeit von Pelargonium bei Husten anbelangt, besteht noch Forschungsbedarf. Aufgrund der vorliegenden Arbeiten lässt sich lediglich ein Trend ablesen, dass der Extrakt der Kapland-Pelargonie möglicherweise Husten lindern könnte.

Lesen Sie mehr unter: Medizin Transparent: Pelargonium - Hilfe bei Erkältungen?

 

 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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