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Schattenarbeit: Leser berichten

Gestohlene Zeit

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KONSUMENT 5/2016 veröffentlicht: 28.04.2016, aktualisiert: 24.11.2016

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Merkurmarkt mißbraucht KundInnen als Gratis-Kassierern

Seit kurzem werden auch im Merkurmarkt in der Hütteldorfer Straße 130a, 1140 Wien, sogenannte "Kassomaten" eingesetzt. Sprich: Der Kunde wird im Schnellverfahren von einer Kassierin eingeschult, muß die Waren dann selbst über den Scanner ziehen, die Waren abwiegen, einen eventuellen Rabatt richtig einscannen und am besten bargeldlos mit Karte bezahlen.

Fehlt nur noch, dass man als Kunde zuvor die Waren vom Laster herunterladen und in die Regale einlagern darf!

Der Kunde soll also selbst bei seinem Einkauf die komplette Arbeit eines Kassiers verrichten, bekommt dafür aber keinerlei Bonus, sondern spart lediglich dem REWE-Konzern Personalkosten und maximiert dessen Gewinn!

Wie zu beobachten ist, herrscht totales Chaos speziell bei älteren KundInnen, die es ablehnen, sich als KassierIn am Kassomat zu betätigen und darüber hinaus mit der Selbstbedienungskassa schlichtweg überfordert sind.

Bei einer einzigen noch mit einem Mitarbeiter besetzten Kassa bilden sich regelmäßig lange Schlangen, und großer Unmut macht sich unter den KundInnen breit.

Möglicherweise gibt es Kunden, die Ambitionen haben, sich im Supermarkt als unbezahlte Hobby-Kassiere zu betätigen. Ich und viele andere KäuferInnen gehören sicher nicht dazu, wie deren überwiegend ablehnende Reaktionen beweisen.

Mündige KundInnen lassen sich nicht vom Merkurmarkt zum Gratis-Kassier mißbrauchen – hier müssen die Arbeitsgesetze eingeschaltet werden!

Bleibt zu wünschen, dass zahlreiche Kunden Supermärkte mit Kassomat-System als Arbeitsplatz-Vernichtungsmaschine boykottieren. Die von der Politik angedachte "Maschinensteuer" ist für Supermärkte mit Selbstbedienungskassen jedenfalls zu befürworten!
Karin M.

Selbstbedienungskasse: ärgerlicher Mist

Jetzt gibt es im Merkur-Markt in Graz-Seiersberg neuerdings Selbstbedienungskassen, wo man als Kunde jetzt auch noch die Arbeit selbst machen darf.... Fazit: Einmal probiert - NIIIEEE WIEDER!!! Selten einen so ärgerlichen Mist erlebt - kompliziert bis zum Geht-Nicht-Mehr. Jedes Stück einzeln aus dem Wagerl nehmen, den Strichcode suchen, scannen und abstellen. Und wenn man 10 gleiche Joghurts hat, kann man nicht einen Becher 10 mal hinhalten - nein, man muss jeden Becher scannen und einzeln auf die Ablage stellen, die dann bald übergeht. Der Kassiervorgang dauert um ein Mehrfaches länger.

Dazu dürfen die armen Angestellten den Kunden die Abschaffung des eigenen Arbeitsplatzes schmackhaft machen. Zu unguter Letzt: Die Lohnkosten der Kassierdamen sind ja in die Verkaufspreise einkalkuliert. Bei diesem System zahlt man damit noch für die Arbeit, die man selbst macht, denn die Artikel sind bei Selbstscanning ja nicht billiger als wenn es die Kassierin macht. Aber es spart natürlich Kosten.

Damit kann man dem Management wieder tolle Incentives und Prämien auszahlen. Denn die haben das Geld eh nötiger als so manche alleinerziehende Mutter, die bisher dort ihr Geld verdient hat. Sieht so soziale Verantwortung aus? (Ach ja, bevor ich vergesse: Fremdwörterlexika für Begriffe wie "soziale Verantwortung" finden sie sicher bei Amazon, denn Buchhandlungen gibt es ja kaum mehr).
Michael Pintscher

Kassen ohne Personal – bitte mehr davon

Das System von Kassen ohne Personal kenne ich aus England. In Österreich habe ich es erst in einem Spar in Klagenfurt entdeckt, aber ich bin sehr begeistert davon. Als Expresskassa konzipiert, geht es tatsächlich sehr schnell und unkompliziert. Der geringere Platzbedarf gestattet auch das Aufstellen von mehreren Terminals im Kassenbereich, was ein langes Anstellen meist verhindert.

Als Kunde empfinde ich es nicht als Zumutung, den Kassiervorgang selbst zu übernehmen (schließlich suche ich mir die Waren ja auch selbst im Geschäft aus und transportiere diese auch selbst durch den Supermarkt). Das Kassieren stellt sicher keinen wertschöpfenden Bestandteil eines Einkaufs dar. Wenn dadurch Personal eingespart werden kann, so kommt das letztendlich allen Käufern zugute.
MMag.Robert Werktanzl

Selbstbedienungskasse: Arbeitsplatz verloren

Herr MMag. Robert Werktanzl schreibt, dass er sich mehr Kassen ohne Personal wünscht. Leider denken viele Menschen nur an den eigenen Vorteil. Sie vergessen, dass mit jeder Selbstbedienungskasse ein Arbeitsplatz verloren geht. Eis gibt schon zu viele Automaten die Arbeitskräfte einsparen. In einigen Jahrzehnten wird es mehr Arbeitslose geben als Menschen mit Beschäftigung. Die Autoindustrie möchte Selbstfahrende Fahrzeuge. Man braucht keine Taxilenker mehr. Die Autos werden jetzt schon zu 80 Prozent von Automaten gebaut. In den Banken stehen jetzt schon viele Automaten. Bald wird es keine Bankangestellten mehr geben. Keine Filialen mehr. In vielen Bereichen werden immer mehr Automaten eingesetzt, und immer mehr Personal entlassen. Das ist keine gute Aussicht für die Zukunft.
J. Smalek

Heilloses Durcheinander am Kassomat

Ebenso vor kurzem in London, machte ich, im Gegensatz zu Herrn Werktanzl, andere wenig überzeugende Erfahrungen mit Selbstbedienungskassen. Ich war in einem Lebensmittelladen der Kette „The co-operative food“, die in einem Londoner Geschäft vier Selbstbedienungslinien und zwei personalbetreute Kassen in Betrieb hat. An den vier Selbstbedienungskassen quälten sich drei andere Kunden und ich mit dem umständlichen Bedienvorgang an den Kassen herum.

Gut, jetzt könnte man sagen, ich bin ein Greenhorn und mit der Bedienung heillos überfordert, nur: Die anderen Verzweifelten waren heimische Konsumenten. Ein Mitarbeiter des Ladens wieselte dienstbeflissen zwischen den einzelnen Selbstbedienungskassen hin und her und versuchte dem heillosen Durcheinander eine gewisse funktionierende Struktur einzuhauchen. Das kostete natürlich Zeit und die Warteschlange wurde nicht kürzer. Neidvoll blickte ich auf die mit Personal bedienten Kassen. Mit Zähneknirschen beobachtete ich dort den flotten Überhol-Durchmarsch der Kunden. Gerne hätte ich auch dorthin gewechselt, aber Kolonnenhopping wollte ich in Britannien, wo sowas als uncool gilt, nicht riskieren.

Wo hier die Ersparnis für das Unternehmen bzw. die Kunden ist, bleibt mir nach diesem Erlebnis ein Rätsel. Ich habe übrigens noch einmal diesen Laden besucht um zu sehen, ob meine negativen Erfahrungen ein Einzelfall waren … siehe meine voran geschrieben Zeilen.
Arpad Harasztosi

 

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Kommentare

  • Selbstbedienungskasse
    von jtmayer am 05.11.2018 um 11:06
    Ich bin nicht bereit Selbstbedienungskassen zu benutzen. Es ist vor allen für ältere Personen schlichtweg unzumutbar, und vernichtet Arbeitsplätze.
    Sollte es keine Supermärkte mit Kassenpersonal mehr geben , werden kleine
    Läden wieder interessanter.
  • Schattenarbeit: Zeitfresser
    von epo1959 am 18.06.2016 um 11:52
    Wir haben es in der Hand wie die Firmen uns behandeln, dazu ein gutes Buch von Graig Lambert mit dem Titel "Zeitfresser".