KONSUMENT.AT - Schneeschuhe - Interview: Csaba Szépfalusi & Buch "Schneeschuhwandern"

Schneeschuhe

Auf Yetis Spuren

Seite 9 von 11

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 12/2013 veröffentlicht: 19.11.2013

Inhalt

Interview: Csaba Szépfalusi & Buch "Schneeschuhwandern"

KONSUMENT sprach mit Mag. Csaba Szépfalusi vom Alpenverein Edelweiss in Wien. Er ist auch Autor eines Buches zum Thema Schneeschuhwandern, in dem 65 Touren in den Wiener Hausbergen vorgestellt werden (mehr Infos weiter unten).

Mag. Csaba Szépfalusi (Bild: Privat)  
Mag. Csaba Szépfalusi

Was sind eigentlich Schneeschuhe?
Ein einfaches Fortbewegungsmittel im Winter, das für jeden geeignet ist. Schneeschuhe wurden immer schon fürs Gehen im Schnee verwendet. Durch ihre größere Auflagefläche sinkt man weniger ein. Wer genau sie erfunden hat, weiß man nicht, am ehesten wohl die Inuits.

Seit wann gibt es sie auch bei uns?
Schon lange, und zwar einfache Metallrahmen mit einer Bespannung – oder besser Verspannung. Diese Modelle waren aber nicht touristentauglich. Seit etwa 15 bis 20 Jahren sind Schneeschuhe bei uns als Sportgeräte am Markt. Sie sind anwenderfreundlich geworden und bieten einiges an Komfort wie zum Beispiel eine frei schwingende Achse, die das Gehen einfacher macht. Wer will, kann sich auch für einen Schuh mit Steighilfe entscheiden. Sie kann den Aufstieg erleichtern, ist aber nicht unbedingt notwendig.

Für wen sind Schneeschuhe besonders geeignet?
Für alle, die nicht Skifahren können, aber auch für Skifahrer, die nicht täglich über die Hänge brettern wollen, und für Skitourengeher. Schneeschuhe sind nicht nur eine schöne Abwechslung, sie sind natur- und winternäher und entschleunigen. Besonders schön ist eine Wanderung bei Schneefall im Wald.

Das klingt alles sehr gemütlich.
Wenn Sie wollen, können Sie das Schneeschuhwandern sehr entspannt angehen. Allerdings: Allein durch die Kälte sind Sie hier viel mehr gefordert als bei einer Wanderung im Sommer. Genauso gut ist es möglich, sehr sportlich unterwegs zu sein. Vor allem junge Menschen benutzen Schneeschuhe auch als Aufstiegshilfe und fahren dann mit dem Snowboard die Tiefschneehänge hinunter. Inzwischen gibt es auch schon eigene Schneeschuhlaufbewerbe, die auf platt gewalzten Schneeflächen veranstaltet werden.

Muss man das Gehen mit Schneeschuhen erlernen?
Im Prinzip nicht. Wenn man jedoch in steileres Gelände gehen will und dabei Hänge quert, ist eine Schulung sinnvoll. Man lernt in kurzer Zeit die Grundlagen und kommt damit schneller und sicherer voran.

Wer bietet solche Schulungen an?
Ein Anbieter ist der Alpenverein, für den ich z.B. Kurse organisiere. Wir verleihen inzwischen übrigens mehr Schneeschuhe als Tourenski. Bei uns lernen die Kursteilnehmer die Technik des Gehens, die Orientierung im Gelände und mit welchen Gefahren sie rechnen müssen. Außerdem besteht die Möglichkeit, verschiedene Ausrüstungen auszuprobieren.

Gibt es auch geführte Touren?
Ja und sie werden gerne in Anspruch genommen, weil sie gesellig sind und man mit anderen plaudern kann. Bei den vom Alpenverein angebotenen Touren sind 8 bis 10 Personen mit einem Betreuer unterwegs. Gebucht werden wir inzwischen von allen Altersgruppen, nicht nur von mittelalten bis älteren Teilnehmern, wie man vielleicht vermuten würde. Der Aufstieg dauert bei uns maximal drei Stunden, wir gehen über die Baumgrenze hinaus, genießen die Aussicht und gehen wieder runter. Oder wir wandern gemütlich über Forststraßen auf eine Alm. Zwischen 16 und 17 Uhr spätestens ist Schluss.

Existieren eigene Schneeschuhrouten?
Falls überhaupt, dann nur wenige. Die meisten Schneeschuhwanderer benützen deshalb Forststraßen. Markierte Wanderwege sind im Winter häufig nicht auffindbar. Wer neue Wege geht, muss auch darauf schauen, dass er wieder zurückfindet – und zwar rechtzeitig, denn in der kalten Jahreszeit wird es schon am frühen Nachmittag dunkel.

Darf man überhaupt auf unmarkierten Wegen unterwegs sein?
Alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt. Sie dürfen querfeldein gehen und dabei auch über einen Stacheldrahtzaun klettern. Verboten sind jedoch das Übersteigen von Wildzäunen und das Betreten von Aufforstungflächen. Auch in Fütterungsbereichen haben Wanderer nichts verloren. Gerät man trotzdem versehentlich in verbotenes Gelände, heißt es: nichts wie weg!

Sie haben vorher von Gefahren gesprochen. Was soll beim Schneeschuhwandern schon passieren?
Kommt ganz drauf an, wo Sie unterwegs sind. Vom leicht hügeligen Gelände bis zur Bergtour, also quasi vom Wienerwald bis zum Hochschwab, ist mit Schneeschuhen alles möglich. Und überall dort, wo es Schnee gibt, kann es, natürlich abhängig von der Hangneigung und vom Einzugsgebiet, Lawinen geben. Auch wenn Schneeschuhwanderer weniger exponiert sind als Tourengeher, ist Wachsamkeit wichtig. Bei anspruchsvollen Touren im alpinen Raum müssen unbedingt die Informationen des Lawinenwarndienstes (www.lawine.at) berücksichtigt werden: Welche Lawinenwarnstufe wurde ausgegeben? Wichtig ist, dass man die Auskünfte nicht nur einholt, sondern auch weiß, was sie im Einzelfall bedeuten.


Buch: Schneeschuhwandern von Csaba Szépfalusi (Bild: Szepalusi)

Schneeschuhwandern
Csaba Szépfalusi
Die schönsten Touren in den Wiener Hausbergen
252 Seiten
ISBN 978-3-99024-008-3

Die Wiener Hausberge bieten ein ideales Gelände zum Schneeschuhwandern. Vom Wienerwald bis zum Hochschwab locken leichte Ziele für Einsteiger und Familien genauso wie sportlich-anspruchsvollere Touren auf die höchsten Gipfel. Unterwegs geht es durch tiefwinterlich verschneite Wälder zu verträumten Almen mit Hütten, die zu einer gemütlichen Einkehr einladen.

Das Buch beschreibt 65 Touren unterschiedlicher Schwierigkeit. Es enthält genaue technische Angaben zu Erreichbarkeit, Gehzeit, Höhenunterschied, Kartenausschnitte und informative Fotos ebenso wie GPS-Daten von wichtigen Wegpunkten. Alle Touren wurden vom Autor persönlich begangen und recherchiert, sodass Sie sicher ans Ziel kommen.
Eine ausführliche Einführung behandelt theoretisches und praktisches Schneeschuh-Know-how (Gehtechnik, Orientierung, Ausrüstung, Taktik etc.).

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
34 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Hofer
    von REDAKTION am 25.11.2013 um 13:51
    Sie haben Recht: Das ist uns leider durchgerutscht. Der Schneeschuh von Hofer gehört zwar im Vergleich zu den eher schweren Schuhen, ist aber nicht der schwerste. Wir haben diese Unschärfe im Steckbrief und in der Tabelle umgehend korrigiert. Ihr KONSUMENT-Team
  • Hofer Schneeschuh
    von Heribert M. am 24.11.2013 um 20:56
    Habe voriges Jahr den Schneeschuh von Hofer gekauft und bin als Neueinsteiger nach ein paar eher kleineren Wanderungen ganz zufrieden damit. Was ich am Test nicht verstehe: das angegebene Gewicht ist bei allen Schuhen fast gleich, aber beim Hofer-Schuh steht "sehr schwerer Schuh"?