KONSUMENT.AT - Skipiste und Recht - Keine Absperrungen, STOP-Schilder, Schuldfrage

Skipiste und Recht

Der Überholte hat Vorrang

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KONSUMENT 1/2016 veröffentlicht: 10.12.2015, aktualisiert: 17.12.2015

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STOP-Schild ohne Bedeutung

Sich nur auf FIS- bzw. POE-Regeln zu berufen, greift also zu kurz. Besonders augenfällig wird dies in Zusammenhang mit dem POE-Paragraphen 13. Dieser besagt, dass jedermann die Zeichen an der Piste zu beachten habe. Eine Pistensignalisation ist jedoch in keiner Weise mit jener auf der Straße vergleichbar. Bei einem Unfall nützt es unter Umständen wenig bis nichts, sich etwa auf eine Vorrangtafel an einer Pistenkreuzung zu berufen.

Viertelschuld des Beklagten

Dies zeigt ein Fall aus dem Jahr 2010. Zwei Skifahrer stießen im Skigebiet Dienten am Hochkönig an einer Pistenkreuzung frontal zusammen. Der Kläger machte vor Gericht geltend, er habe aufgrund der Pistensignalisation Vorfahrt gehabt, da auf der anderen Piste ein STOP-Schild aufgestellt gewesen sei. Der Beklagte wehrte sich, indem er auf die unaufmerksame Fahrweise des Klägers verwies. Bereits das Erstgericht hielt fest, dass durch das STOP-Schild keine verbindliche Vorrangregelung gegeben sei, und gab dem Kläger nur zur Hälfte recht.

Der OGH erkannte sogar nur auf eine Viertelschuld des Beklagten. Begründung: Der Kläger habe es gänzlich an Vorsicht fehlen lassen und der Beklagte trotz Erkennen des direkten Kollisionskurses zu spät reagiert. Das Verschulden des Klägers überwiege allerdings deutlich.

Keine Absperrung

Unkorrektes Verhalten von Ski- oder Snowboardfahrern auf der Piste entbindet den Betreiber einer Anlage wiederum keinesfalls davon, für ausreichende Sicherungsmaßnahmen zu sorgen. Dies zeigt ein Fall in einem Skigebiet mit angeschlossenem Funpark. Die Startposition für die Anfahrt zu einer Schanze war klar markiert. Dennoch startete ein 16-Jähriger rund 30 Meter oberhalb der vorgegebenen Startposition. Dies war möglich, weil die eigentliche Anlaufspur zur Schanze seitlich nicht durch eine Absperrung von der Piste getrennt war.

Eine derartige Absperrung war allerdings zur damaligen Zeit weder üblich noch wurde sie vom Hersteller der Anlage gefordert. Gesetzliche Vorschriften existierten ebenfalls nicht. Der 16-Jährige stürzte, weil er viel zu schnell war. Folge des Aufpralls war eine Querschnittslähmung.

Schuldfrage unklar

Der Verunfallte klagte gegen den Betreiber der Anlage auf Schadenersatz. Das Erstgericht wies die Klage zurück, doch das Berufungsgericht hob die Entscheidung auf. Zwar sei der Auffassung des Erstgerichts, das Fehlen einer seitlichen Absperrung der Anlaufspur stelle mangels entsprechender Vorgaben grundsätzlich keine Pflichtverletzung dar, beizupflichten.

Sollten jedoch Nutzer in der Vergangenheit bereits von einer höheren Startposition losgefahren sein, hätte der Betreiber Sicherungsmaßnahmen setzen müssen, die dies verhindern. Vor einem rechtskräftigen Urteil müsse diese Frage erst geklärt werden.

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