Spenden

Das Geschäft mit der Mildtätigkeit

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KONSUMENT 12/2015 veröffentlicht: 27.11.2015, aktualisiert: 07.12.2015

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In der Vorweihnachtszeit schwenkt der jährliche Wettlauf um die Spendengelder der Österreicherinnen und Österreicher in die Zielgerade ein. In Summe geht es um eine halbe Milliarde Euro – ein Riesengeschäft, bei dem auch eine Menge Geschäftemacher mitzocken.

Aber wer hat wie viel an wen gespendet? Das möchte das Finanzamt künftig gerne wissen. Deshalb werden die spendenbegünstigten Organisationen ab 2017 Name, Geburtsdatum und Spendenhöhe von jedem Spender sammeln – und in Form einer neuen "bereichsspezifischen Personenkennzeichnung" ans Finanzamt weiterleiten (müssen). Im Jahr 2014 waren es 112 Euro, die die österreichischen Spender durchschnittlich aufbrachten, in Summe rund 570 Millionen.

65 Euro Spenden pro Kopf und Jahr

Auf alle Einwohner umgelegt sind das 65 Euro pro Kopf, denn nur 62 Prozent der Landsleuten spenden. Und zwar in den nördlichen Bundesländern (zwei Drittel der Einwohner) häufiger als in den südlichen (nur jeder zweite). Männer spenden mehr (128 Euro) als Frauen (112 Euro), die Bewohner der Landeshauptstädte (124 Euro) mehr als jene der Bundeshauptstadt (108 Euro), die Altersgruppe 50+ am meisten (143 Euro).
Spendenweltmeister? Von wegen!

Platz 23: hinter Malaysia, Bhutan, Kenia

Im World Giving Index (WGI), der seit 2010 die Hilfsbereitschaft in rund 130 Ländern abbildet, landen wir auf Platz 23. Hinter Malaysia, Sri Lanka, Bhutan, Indonesien und Kenia; aber knapp vor Schweden, Finnland oder Luxemburg. Sieger ist übrigens Myanmar (Burma).

Tatsächlich ist der Anteil von Spendern in der österreichischen Gesamtbevölkerung laut Fundraising Verband Austria (FVA), einer der wichtigsten Spenden-Dachorganisationen des Landes, seit 2000 um satte 21 Prozent gesunken (auf 62 Prozent). Die Spendensumme aber ist gestiegen; rund die Hälfte liegt dennoch unter 50 Euro jährlich.

Stiftungen: geringe Ausschüttungen

In Deutschland spenden nur 34 Prozent, in Großbritannien 57 Prozent der Bevölkerung. Aber deren Pro-Kopf-Aufkommen ist deutlich höher: Deutschland schaffte um ein Drittel mehr (86 Euro), die Schweiz etwa das Dreieinhalbfache (108 Euro) und Großbritannien rund das Fünffache (332 Euro). Sieht man genauer hin, so zeigt sich, warum: Dem österreichischen Spendenaufkommen von 510 Mio. Euro (im Jahre 2012) standen nur 25 Mio. Euro an Stiftungsausschüttungen gegenüber, also etwa 5 Prozent.

In Deutschland lautete das Verhältnis hingegen 7 Mrd. Euro Spendenaufkommen zu 15 Mrd. Euro Ausschüttungen von gemeinnützigen Stiftungen. Pro Einwohner fließen dort somit 160 Euro von Stiftungen in gemeinnützige Aufgaben; in Österreich sind es gerade einmal 3 Euro.

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