Autos: Spritverbrauch

Genormte Mogelpackung

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KONSUMENT 5/2012 veröffentlicht: 26.04.2012

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Die Verbrauchsangaben aller Automobilhersteller sind praxisfremd. Das zeigt ein Vergleich des Normverbrauchs mit den im Test erzielten Werten.

Immer öfter klagen Autofahrer, dass die angegebenen Benzin- oder Dieselverbrauchswerte ganz und gar nicht ihren Erfahrungen entsprechen. Wir haben die im Prüflabor gemessenen Werte der in den letzten zwei Jahren getesteten Automodelle mit den Angaben der Hersteller verglichen. Das Ergebnis ist eindeutig: Über alle Klassen betragen die Abweichungen 10 Prozent und mehr, in Einzelfällen bis zu 40 Prozent.

Autobahn unbekannt

Das liegt in den Messmethoden der Hersteller begründet, die mit unserem täglichen Umgang mit dem Automobil herzlich wenig zu tun haben. Der sogenannte Neue Europäische Fahrzyklus (NEFZ) ist seit 1996 in Kraft. Diese gesetzliche Prüfmethode enthält praktisch keine höheren Dauergeschwindigkeiten, wie sie in Europa selbstverständlich sind. So wird im NEFZ lediglich einmal kurz auf 120 km/h beschleunigt. Unsere Testwerte (die Autotests werden im Rahmen einer internationalen Kooperation durchgeführt) sind da deutlich realistischer. Darüber hinaus fällt auf, dass die gemessenen Unterschiede zwischen einzelnen Fahrzeugen und ganzen Fahrzeugklassen mitunter extrem groß sind. 

Mogelei bei Kleinwagen und Luxuskarossen

In manchen Einzelfällen lassen sich über die Gründe der starken Abweichungen lediglich Vermutungen anstellen; bei Betrachtung aller Resultate ergeben sich jedenfalls durchaus klare und nachvollziehbare Schlussfolgerungen. Die größten Abweichungen von der Norm finden wir einerseits bei den Kleinwagen und andererseits bei den Sportwagen und Luxuslimousinen. Bei den Kleinwagen lässt sich dies leichter erklären als in der Oberklasse.

Kritik am Normtest

Doch vorher noch zu den Testszenarien: Der Normverbrauchtest wird auf einem zertifizierten Rollenprüfstand durchgeführt. Dabei wird der Abgasausstoß gemessen und daraus der Verbrauch errechnet. Es beginnt mit einem Kaltstart und viermaligem Hochbeschleunigen auf 50 km/h (Stadtwert), danach wird noch auf 70 km/h und kurzzeitig auf 120 km/h beschleunigt (Überland-Wert). Die Prozedur findet sozusagen bei Zimmertemperatur (20 bis 30 Grad) und ohne Zusatzaggregate wie die Klimaanlage statt. Die drei üblicherweise angegebenen Werte entsprechen einem Anteil Stadtverkehr und einem Anteil Überlandverkehr sowie dem Gesamtergebnis aus beiden.

Die wichtigsten Kritikpunkte liegen da schon auf der Hand: Höhere Geschwindigkeiten über längere Zeit finden keine Berücksichtigung, es wird so getan, als gäbe es keine Autobahnen. Ignoriert werden auch tiefere Temperaturen oder der Einsatz von Komforteinrichtungen.

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Kommentare

  • Die Verbrauchsangaben aller Automobilhersteller sind praxisfremd
    von kschenk am 06.05.2012 um 17:17
    was unternimmt konsument dagegen? kunden die massiv getäuscht wurden erhalten keine unterstützung. weder konsumenteninformation noch arbeiterkammer fühlen sich zuständig, keiner will sich mit der autoindustrie anlegen. scheint das in der politik beliebte programm "anfüttern" voll zu wirken. auch die sogenannte kritische presse ist nicht interessiert, leben vermutlich alle ganz gut von den autokonzernen. derzeit kämpfe ich als david gegen goliath und so wie es aussieht mit schlechten karten. bin für jede unterstützung dankbar. lg ks
  • Die Verbrauchsangaben aller Automobilhersteller sind praxisfremd
    von kschenk am 06.05.2012 um 14:09
    was unternimmt konsument dagegen? kunden die massiv getäuscht wurden erhalten keine unterstützung. weder konsumenteninformation noch arbeiterkammer fühlen sich zuständig, keiner will sich mit der autoindustrie anlegen. scheint das in der politik beliebte programm "anfüttern" voll zu wirken. auch die sogenannte kritische presse ist nicht interessiert, leben vermutlich alle ganz gut von den autokonzernen. derzeit kämpfe ich als david gegen goliath und so wie es aussieht mit schlechten karten. bin für jede unterstützung dankbar. lg ks
  • verbrauchsangaben mitsubishi asx - rechtsstreit
    von kschenk am 06.05.2012 um 13:20
    warum ist der m asx nicht in der liste? bin derzeit in einem rechtsstreit mit verkäufer in ibk. gutachten von mitarbeiter vom "führenden" automobilclub in östereich besagt normverbrauchswert unterschritten. vorhandene mängel existieren nicht usw. testfahrt über 201 km, 50% autobahn schnitt 100, 40 % landstraße mit schnitt 70, 10 % stadt davon 50% dörfer ohne ampel, alles bei sehr wenig verkehr, drehzahl maximum 1500 u/min außer wenn es im 6.gang höher werden musste. schnitt über alles 70 km/h. ...... dein freund und helfer, leider verdient er nma den größten teil mit der autoindustrie und dem vertrieb von teilweise ungeeignetem autozubehör. suche unterstützung in meinem rechtsstreit. wer kann helfen? leider hat sich die konsumenteninformation in innsbruck als nicht zuständig erklärt!!!!! ks
  • Modelle der letzten 2 Jahre, Prius, Citroen
    von REDAKTION am 02.05.2012 um 15:07

    Der Vergleich umfasst jene über 100 Automodelle, die in den letzten zwei Jahren von der internationalen Testkooperation, der der VKI angehört, getestet wurden. Die Auswahl ist repräsentativ, auch wenn einzelne Modelle nicht vertreten sind. Bei allen Marken zeigen sich in Einzelfällen starke Abweichungen, keine Marke ist ohne Fehl und Tadel.

    An User "conz":

    - Toyota Prius ist nicht vertreten, aber drei andere Hybrid-Modelle - für alle Hybrid-Modelle gilt generell: sparsam sind sie nur im Stadtbetrieb.

    - Der Mehrverbrauch des Citroen C4 HDi beträgt null Prozent - so ist es auch in der Tabelle angegeben.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • FIAT nicht in der Liste
    von Holzmann1 am 02.05.2012 um 14:36
    Schade finde ich, dass FIAT nicht getestet wurde - insbesonders den FIAT BRAVO. Selbst habe ich bemerkt, dass die Verbrauchangabe kleiner ist als der tatsaechliche Verbrauch, jedoch ist dieser Unterschied gering.
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