KONSUMENT.AT - Wirtschaftsbegriffe: Staatsverschuldung - Langzeiteffekte

Wirtschaftsbegriffe: Staatsverschuldung

Der Jammer mit den Schulden

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KONSUMENT 8/2017 veröffentlicht: 27.07.2017

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Langzeiteffekte

Zum einen investiert der Staat nicht in neue Fabriken, sondern oft in Straßen, Schulen und andere Infrastruktur, was keinen direkten Gewinn bringt, sondern nur auf indirekte, schwer messbare Gewinne hoffen lässt: Eine bessere Infrastruktur ermöglicht es den Unternehmen, produktiver zu arbeiten und somit mehr Gewinne zu erwirtschaften und höhere Löhne zu zahlen. Das höhere Einkommen der Unternehmen und der Beschäftigten führt zu einem höheren Einkommen des Staates, da er durch Besteuerung an den Einkommen aller teilhat.

Mitunter sind die Effekte auch sehr langfris­tig: So wird geschätzt, dass Bildungsaus­gaben gesamtwirtschaftlich das Achtfache der Kosten an Rendite bringen – doch bis die nachfolgende Generation den kompletten Bildungsweg von der Einschulung bis zum Studienabschluss absolviert hat, vergehen an die 20 Jahre. Umgekehrt merkt man Einsparungen im Bildungssektor nicht sofort, später dafür umso schmerzhafter.

Der Staat muss alle bedienen

Zum anderen sorgen nicht alle Staatsaus­gaben für mehr Wirtschaftstätigkeit. Auf­gabe des Staates ist, das Leben seiner Bürger zu verbessern – durch Sicherheit, Straßen, Bildung, Rechtswesen oder Schutz der Umwelt, genauso aber durch Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbäder und Sportanlagen, Theater und Opernhäuser oder auch die Förderung zunächst weniger breitenwirksamer Kunst- und Kulturinitiativen. Nicht alles davon bringt eine wirtschaftliche Rendite, zumindest nicht sofort.

Beispiel Abwasserreinigung

Trotzdem ist es oft gesellschaftlich sinnvoll und erwünscht. Ein Beispiel dafür ist der Ausbau der Abwasserreinigungsanlagen rund um die stark mit Stickstoff und Phosphor belasteten österreichischen Seen in den 1970er-Jahren, der überwiegend von der öffentlichen Hand gefördert und finanziert wurde.

Heute weisen nahezu alle heimischen Badegewässer exzellente oder gute Qualität nach den strengen Vorgaben der EU-Badegewässer-Richt­linie auf. Das freut nicht nur die heimische Bevölkerung, sondern ist auch touristisch bestens verwertbar.

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