KONSUMENT.AT - Wirtschaftsbegriffe: Staatsverschuldung - Geldvermögen und Geldschulden

Wirtschaftsbegriffe: Staatsverschuldung

Der Jammer mit den Schulden

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KONSUMENT 8/2017 veröffentlicht: 27.07.2017

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Ausgabenkürzungen rechnen sich oft nicht

Auf den ersten Blick hat der Staat mehr Handlungsspielraum im Umgang mit Schulden als private Akteure, da er seine Budgetlage theoretisch durch Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen schlagartig verbessern kann. Andererseits muss der Staat aber als weitaus größter Akteur einer Volkswirtschaft auch mehr Aspekte berücksich­tigen.

Niedrigere staatliche Ausgaben würden Einnahmenrückgänge bei den anderen wirtschaftlichen Akteuren und damit auch geringere Steuereinnahmen (und eventuell höhere Ausgaben, z.B. für Arbeitslosengeld) zur Folge haben. In einer schlechten wirtschaftlichen Lage kann dieser Effekt nachweislich so stark sein, dass der Staat durch Ausgabenkürzungen ähnlich viel oder sogar mehr an Einnahmen verliert, als er an Aus­gaben gespart hat.

Geldvermögen versus Geldschulden

Außerdem ist der Staat der einzige Wirtschaftsteilnehmer, der Sparwunsch und Verschuldungswunsch der restlichen Akteure gegeneinander ausbalancieren kann: Da in einer Volkswirtschaft bei ausgeglichenem Außenhandel nur so viel gespart werden kann, wie an Krediten aufgenommen wird, kann niemand so viel sparen oder Schulden zurückzahlen wie geplant, wenn der Staat sich bei der Schuldenaufnahme deutlich zurückhält.

Wollen beispielsweise die Unternehmen 3 Prozent des BIP an neuen Schulden aufnehmen, um zu investieren, und wollen die Haushalte 5 Prozent des BIP sparen, muss der Staat bei ausgeglichenem Außenhandel Schulden in Höhe von 2 Prozent des BIP machen, um diese Ziele erreichbar zu machen.

Einer hat immer das Bummerl

Staatsschulden sind also in unserem aktuellen Wirtschaftssystem nicht so sehr ein Problem, vielmehr eine Notwendigkeit. Speziell in Situ­ationen, in denen Unternehmen oder Haushalte dringend Schulden abbauen müssen (z.B. nach dem Platzen einer Spekulations­blase), sind neue Staatsschulden unvermeidlich, weil ohne einen Wirtschaftsakteur, der ein Defizit erzielt, keine Überschüsse möglich sind.

Im schlimmsten Fall könnte eine Volkswirtschaft in einer solchen Situation in eine Rezession oder gar in eine Deflationsspirale geraten. Vom Geschick der jeweiligen Staatsführung hängt es ab, eine gesunde Balance zwischen Schuldenabbau und wirtschaftlich notwendiger Neuverschuldung zu finden.

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