KONSUMENT.AT - Steuervermeidung - Wie die Minimierung funktioniert

Steuervermeidung

Die Tricks der Multis

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KONSUMENT 5/2018 veröffentlicht: 26.04.2018

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Trendwende 1970er-Jahre

Experten orteten bereits damals Fehler in diesem System. Doch mit den nationalistischen Tendenzen, insbesondere in Europa, sowie den Folgen des New Yorker Börsencrashs 1929 trat die aufkommende Globalisierung schnell wieder in den Hintergrund. Unternehmensgewinne wurden über lange Jahre zum allergrößten Teil im Inland ­erwirtschaftet – bis in die 1960er-Jahre ­waren es etwa bei US-Konzernen rund 95 Prozent. Eine Trendwende vollzog sich erst in den 1970er-Jahren. Seit damals ­werden die internationalen Verflechtungen von Groß­konzernen von Jahr zu Jahr stärker.

Trendbeschleuniger Globalisierung

Befeuert wird dieser Trend von der voranschreitenden Digitalisierung. Mit der Globalisierung und Digitalisierung erweitern sich die Möglichkeiten der multinationalen Kon­zerne, Steuern zu vermeiden. Der hohe Anteil von im ­Ausland getätigten Geschäften macht die Verschiebung von Gewinnen wesentlich attraktiver als in der Vergangenheit. Laut aktuell verfügbaren Daten wurden 2013 rund 18 Prozent aller von US-Konzernen erwirtschafteten Gewinne in Steueroasen versteuert. Die Körperschaftssteuer betrug damals in den USA eigentlich 35 Prozent. Trotzdem zahlen die Top-US-Multis im Durchschnitt nur rund 19 Prozent Unternehmenssteuer. Manche weniger als 10 Prozent, manche kleiner-gleich Null.

Legale Minimierung

Steuervermeidung, also die legale Verkleinerung der Steuerlast, passiert auf mannigfache Art; zum Beispiel durch Minimierung der Steuerbemessungsgrundlage – etwa durch die Verrechnung zu hoher Lizenz­gebühren oder Transferpreise zwischen Gesellschaften eines multinationalen Konzerns. Oder durch das Verschieben von ­Gewinnen in Steuerhoheitsgebiete mit niedrigeren Steuersätzen.

Beispiel Apple

Ein sehr prominentes Beispiel, anhand dessen man Steuervermeidungspraktiken recht anschaulich erklären kann, ist Apple (siehe Grafik unten). Der US-IT-Konzern zahlte über Jahre hinweg – gesetzeskonform – in Europa viel zu wenig Steuern. Der irische Steuervorbescheid, der es Apple ermöglichte, 13 Milliarden Euro Steuern zu sparen, wurde allerdings 2016 von der EU-Kommission als unzulässige Steuervergünstigung eingestuft. Irland wiederspricht dieser Einschätzung und will das Bußgeld nicht eintreiben. Nun soll das Geld auf einem Treuhandkonto geparkt werden, bis die Strafe eingehoben wird oder der Europäische Gerichtshof eine Entscheidung trifft.

So sparte sich Apple zwischen 2003 und 2014 13 Milliarden Euro an Steuern in Europa:

So sparte sich Apple zwischen 2003 und 2014 13 Milliarden Euro. (Quelle: Europäische Komission, Infografik: Caroline Müllner)

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