Traumeel

Wirkung bei Sportverletzungen?

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KONSUMENT 11/2017 veröffentlicht: 25.10.2017

Inhalt

Wirkt das homöopathische Mittel Traumeel-Gel oder -Salbe bei Sportverletzungen wie Verstauchungen, Prellungen oder Zerrungen?

Die bisherigen Studien reichen nicht aus, um die Wirksamkeit von Traumeel bei Sportverletzungen zu bestätigen.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend

 

Unzureichend erforscht

Beweislage: unzureichend. Die bisher durchgeführten Studien reichen nicht aus, um die Wirksamkeit von Traumeel bei Sportverletzungen zu bestätigen.

Traumeel ist eine Mischung aus Pflanzen­extrakten und homöopathischen Mitteln, die zur äußerlichen Anwendung oder in Form von Tabletten erhältlich ist. Bei Sportver­letzungen sind Gel und Salbe beliebt. Sie sollen zum Beispiel bei Verstauchungen, Zerrungen oder Prellungen kühlen und Schmerzen lindern. Doch gibt es dafür wissenschaftliche Belege?

Zwei Gruppen verglichen

Im Jahr 2013 wurden im Rahmen einer ­Studie drei Gruppen von Personen mit verstauchtem Knöchel verglichen. Eine Gruppe schmierte Traumeel-­Salbe auf die Verletzung, eine Gruppe wendete Traumeel-Gel an und ­eine Gruppe benutzte ein Gel, das den Wirkstoff Diclofenac enthielt. Diclofenac ist ein häufig eingesetztes Schmerzmittel, zum ­Beispiel bei Muskel- und ­Gelenkschmerzen. Es gehört zu den ­sogenannten nichtsteroi­dalen Entzündungshemmern, wie etwa auch Acetyl­salicylsäure (ASS) oder Ibuprofen.

Studie mit Mängeln

Die Studie sollte beweisen, dass Traumeel die Schmerzen gleich gut lindert wie Salben mit Diclofenac. Doch die Arbeit weist grobe ­Mängel auf. So durften die Studienteilnehmer zusätzlich Paracetamol als Schmerz­mittel verwenden. In der Traumeel-Gruppe geschah das häufiger als in jener Gruppe, die mit dem Diclofenac-Gel schmierte. Der mögliche Einfluss auf das Studienergebnis wurde bei der Auswertung nicht beachtet. Es fehlte zudem an einer Gruppe, die ein Schein­medikament anwendete (Placebo). Dies ist jedoch ein wichtiger Grundsatz für wissenschaft­liche Studien. Auch zwei andere Studien ­wurden zu mangelhaft durchgeführt, um die Wirksamkeit von Traumeel belegen oder ­ausschließen zu können – hier war die Teilnehmerzahl viel zu gering.

Kühleffekt: heilende Wirkung nicht geklärt

Dass manche Patienten das Einschmieren mit Traumeel nach einer Sportverletzung als angenehm, möglicherweise sogar als „heilsam“ empfinden, dürfte vor allem darauf ­zurückzuführen sein, dass Gele einen Kühl­effekt haben. Kühlung ist eine empfohlene Behandlungsmethode bei Sportverletzungen wie Prellungen oder Zerrungen. Ob Traumeel über den Kühl­effekt hinaus eine heilende Wirkung hat, ist nicht geklärt. Meist arbeitet die Homöopathie mit so starken Verdün­nungen, dass im Präparat nicht einmal mehr Spuren des Ausgangsstoffes enthalten sind.

Weitere Studien nötig

Solche wirkstofffreien „Hochpotenzen“ haben mit großer Wahrscheinlichkeit auch keine Heilkraft. Es gibt allerdings auch ­homöopathische Mittel, die nur wenig ­verdünnt sind und noch Inhaltstoffe aufweisen, die theoretisch eine Wirkung ent­falten könnten. Traumeel gehört zu diesen Homöopathika. Hier sind in 100 Gramm insgesamt 3,3 Gramm Wirkstoffe enthalten, darunter hauptsächlich Extrakte der Pflanzen Arnika, Calendula und Hamamelis. Ob diese Wirkstoffkombination bei Sportverletzungen hilft und ob die enthaltene Dosis hoch genug ist, müsste allerdings erst in seriösen wissenschaftlichen Studien geklärt werden.

Lesen Sie mehr unter: Medizin Transparent: Traumeel-homoeopathisches Mittel

 

 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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