KONSUMENT.AT - Tropenholz - Regulierung, Korruption, Bewusstseinsänderung

Tropenholz

Abgeholzt

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KONSUMENT 10/2018 veröffentlicht: 27.09.2018

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Alles EUTR-Wonne?

Seither hat sich die Situation zumindest graduell verbessert. Zu verdanken ist dies der Holzhandelsverordnung, die die EU im März 2013 in Kraft gesetzt hat (European Timber Regulation, EUTR). Sie ver­bietet das Inverkehrbringen von Holz aus illegalem Einschlag auf dem EU-Markt. Seitdem sind Unternehmen verpflichtet, mit Dokumenten und Zeugnissen die Herkunft und die Legalität ihrer Produkte lückenlos zu be­legen. Für die Kontrolle ist in Österreich das Bundesamt für Wald (BFW) zuständig; allerdings nur für Direktimporte, die zahlenmäßig kaum ins Gewicht fallen.

"Die meisten internationalen Holzhändler haben ihren Sitz nicht in Österreich und können somit vom BFW nicht kontrolliert werden", wird auf der Homepage www.bundesamt-wald.at erläutert. Zuständig sei immer das EU-Land, in dem die Waren verzollt werden. Die größten Importeure waren 2016 Belgien, Frankreich und die Niederlande – Länder, in denen die Kontrolltätigkeit generell zu wünschen übriglässt. In Belgien gab es in diesem Jahr laut der NGO Global ­Witness ganze zwei Kontrollen.

Bewusstseinsänderung noch nicht überall angekommen

Dabei sind sich Experten, Behörden und NGOs einig, dass die Holzhandelsverordnung eine „sinnvolle Maßnahme ist", wie auch Greenpeace-Waldsprecher Lukas Meus feststellt. Sowohl Unternehmen als auch Konsumenten könnten jetzt mehr Transparenz fordern. "Seit 2013 hat sich das Problembewusstsein komplett geändert“, so ein Behördenmitarbeiter. Zumindest gelte das für die großen Importeure. Bei Anbietern von Ramschware wie Schneidbrettern oder Dekorartikeln (z.B. Buddha-Figuren) dagegen ist die Information vielfach noch nicht angekommen.

Gefälschte Genehmigungen

Dennoch darf man sich keine Illusionen ­machen: Viele Genehmigungen sind gefälscht, in so gut wie allen Herkunfts­ländern ist die Korruption allgegenwärtig. Derzeit gilt vor allem Myanmar als hoch­riskant, eine Rückverfolgung bis zur Schlägerung ist so gut wie unmöglich – und das in jenem Land, aus dem besonders hochwertiges Teakholz stammt (Burma-Teak).

Illusionen von Nachhaltigkeit

Kann es überhaupt nachhaltig geschlä­gertes Holz aus dem Regenwald geben? Der Verein Rettet den Regenwald e.V. ­verneint dies vehement. Primärwälder würden im Kahlschlagverfahren gerodet und anschließend Plantagen errichtet, in denen schnellwachsende Baumarten in Monokulturen hochgezogen würden (Eukalyptus, Akazie, ...). Überdies wird illegal geschlagenes Holz häufig als Plantagenholz deklariert. Die Weltbank geht davon aus, dass zwei Drittel der Plantagen gar nicht existieren.

Und noch etwas relativiert die Bedeutung der Holzhandelsverordnung nicht unbeträchtlich: die Liste der Ausnahmen. Sie ­umfasst Musikinstrumente, Werkzeuge, Kleiderbügel, Spielzeuge, Bücher und Zeitungen, Lampen, Holzkohle und vieles mehr. Besonders kurios mag erscheinen, dass Tische unter die Verordnung fallen, Sessel aber nicht. Zu hoffen ist, dass bei der anstehenden Reform wenigstens die absurdesten Ausnahmen verschwinden.

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